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Krieg in der Ukraine: „Wir kommen kaum hinterher, die Sachen zu packen“

Krieg in der Ukraine : „Wir kommen kaum hinterher, die Sachen zu packen“

Der Kohlscheider Verein „Hilfe mit Herz“ hat spontan einen Spendenaufruf für die Menschen in der Ukraine gestartet. Die Resonanz ist jetzt schon enorm.

Im Ladenlokal von „Hilfe mit Herz“ am Kohlscheider Markt herrscht am Mittwochmorgen rege Betriebsamkeit. Ehrenamtliche Helferinnen knien zwischen Kleiderständern und Regalen mit Kinderspielzeug und sortieren Spenden. Umzugskisten werden mit Klamotten, Schuhen und anderen Hilfsgütern vollgepackt – darunter auch Dinge, die der Verein eigentlich in seinem Sozialkaufhaus verkaufen wollte. Doch nun gehen sie dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden: die Ukraine. Und immer wieder geht die Tür auf, und weitere Spenden werden abgegeben.

„Die Resonanz ist der Hammer“, sagt Angelika Körfer, die Vorsitzende von „Hilfe mit Herz“. „Wir kommen kaum hinterher, die Sachen zu packen.“ Seit der Verein am Montagabend auf Facebook seine Spendensammlung verkündet hatte, seien schon rund 60 Säcke abgegeben worden. „Davon mussten wir nur einen Sack aussortieren. Das ist eine gute Bilanz.“

Die junge Mutter Nadine ist mit ihrem viermonatigen Baby vorbeigekommen und hat unter anderem Babyzubehör, Windeln und Stilleinlagen mitgebracht: „Ich bin gerade selbst Mutter geworden und finde es einfach schlimm, wie viele Frauen und Kinder nun auf der Flucht sind und nichts haben.“ Deshalb sei sie dem Spendenaufruf sofort gefolgt.

Dabei hatte Angelika Körfer anfangs gar nicht die Intention, einen eigenen Aufruf zu starten. Am Montagabend hatte sie auf ihrer Seite einen ersten Post zum Thema Ukraine abgesetzt. Eigentlich nur, um zu sehen, ob andere Organisationen Hilfsgüter aus dem Lager von „Hilfe mit Herz“ gebrauchen können. „Aber innerhalb von zwei Stunden wurde ich so von Nachrichten überrollt, dass ich gesagt habe, okay, wir machen selber was.“

Denn der Verein verfügt nicht erst seit dem Hochwasser im Juli über ein beachtliches Netzwerk, oder wie Angelika Körfer es nennt „einen großen Kreis von ganz vielen Herzensmenschen“. Unter ihnen auch solche, die bereits dabei waren, einen Transport an die ukrainische Grenze zu organisieren. „Das sind Menschen hier aus der Region, von der alleinerziehenden Mutter bis hin zu den Verantwortlichen einer Tierschutzorganisation; Menschen wie du und ich, die diese Strecke und das Risiko auf sich nehmen und sagen, alles egal, ich will einfach nur helfen.“

Mittlerweile seien rund zehn Hilfsgütertransporte geplant, die die Spenden in Kohlscheid einsammeln und an die Grenze zur Ukraine transportieren wollen; beispielsweise nach Rumänien, wo noch deutlich mehr Hilfe gebraucht wird als in Polen, wie Angelika Körfer darlegt. Dort sollen die Spenden an Menschen aus der Ukraine übergeben und gegebenenfalls auch ins Kriegsgebiet transportiert werden. Die Vernetzung erfolgt in der Regel über Facebook. „Viele sagen ja, Internet sei ein Fluch, aber für solche Sachen ist es ein Segen“, stellt Angelika Körfer fest.

Trotzdem müsse man hierbei natürlich auch prüfen, mit wem man sich da vernetzt. Der Verein habe in den letzten Tagen immer wieder von Privatleuten gehört, die wie Schleuser Mitfahrgelegenheiten gegen Geld anböten oder um Geldspenden auf private Konten bäten. Körfer stellt klar: „Wenn mir jemand seine Spenden anvertraut, habe ich eine Verantwortung dafür, dass die auch wirklich am Ziel ankommen.“ Und zwar am besten so schnell und unmittelbar wie möglich.

Deshalb musste der Verein „Hilfe mit Herz“ am Mittwochabend auch einen Annahmestopp für Kleidungsstücke verhängen. Zu viele Kleiderspenden seien schon angekommen, mehr kann der kleine Verein mit 15 Ehrenamtlern nicht mehr händeln. Haltbare Lebensmittel wie Zwieback, Reis und Nudeln sowie Verbandsmaterial und Windeln können aber nach wie vor im Ladenlokal am Kohlscheider Markt abgegeben werden.