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Suchtfreies Leben in Merkstein: Haus Christophorus eröffnet

Neuer Standort für das Haus Christophorus : Starthilfe für ein suchtfreies Leben in Merkstein

Das Soziotherapeutische Wohnhaus der Caritas, das Haus Christophorus, ist Ende letzten Jahres von Stolberg in einen Neubau nach Merkstein gezogen. In dem Haus wohnen suchtkranke Frauen und Männer, speziell Personen mit Alkohol- und/oder Medikamentensucht.

In ihrem neuen Zuhause fühlen sich sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter wohl. „Zunächst sind manche Nachbarn verständlicherweise skeptisch gewesen, doch das hat sich dank Infoabenden und vielen Gesprächen schnell gelegt“, betont Einrichtungsleiter Tobias Ronkartz.

Nicht zuletzt haben die Anwohner schnell bemerkt, dass es sich hier nicht nur um eine Einrichtung handelt, in der Suchtkranke lediglich betreut werden, sondern um viel mehr als das. Das Haus Christophorus bietet ein Zuhause und einen sicheren Platz für Menschen, mit denen es das Schicksal oft nicht gut gemeint hat.

Dort erfahren die Bewohner in einer familiären Atmosphäre und einem strengen abstinenten Rahmen Geborgenheit, Sicherheit und Akzeptanz. „Die Bewohner benötigen diesen Schutz vor Medikamenten und Alkohol. Die Kontrollen sind sehr streng und unangekündigt“, erklärt Ronkartz.

Das Motto der Einrichtung ist „Hand in Hand“ und das Ziel ist es, in einer Betreuung daran zu arbeiten, die Bewohner auf Dauer wieder in Wohngruppen oder auch in ein komplett eigenständiges Leben entlassen zu können. Das alles bewerkstelligen die elf Kollegen, darunter Sozialarbeiter, Heilerziehungspfleger, Krankenschwestern, Arbeitstherapeuten, Hauswirtschafter, Verwaltungsangestellte, Nachtdienstler, Praktikanten und FSJler auf Augenhöhe, individuell und partnerschaftlich. Eine maximale Verweildauer gibt es nicht. Ronkartz: „Die Bewohner können so lange bleiben, wie es notwendig ist, sind aber nicht dazu gezwungen und können jederzeit gehen.“

Zwei Wohngruppen

Jüngere Menschen bleiben im Durchschnitt rund zwei bis drei Jahre im Haus Christophorus. Ältere Menschen, die dementsprechend schon länger gegen eine Sucht ankämpfen, bleiben einige Jahre mehr. Der „dienstälteste“ Bewohner ist 15 Jahre dort und fühlt sich sehr wohl. Sein rund 17 Quadratmeter großes Zimmer hat er sich gemütlich eingerichtet, mit Andenken und eigenen Möbeln.

Das neue Wohnhaus in Merkstein hat 14 Zimmer, die zurzeit alle belegt sind. Sie sind alle um die 17 Quadratmeter groß und haben ein eigenes Bad, einen Schrank, ein Bett, eine Sitzgruppe und eine Kommode. Wenn die Bewohner lieber ihre eigenen Möbel mitbringen wollen, ist das auch kein Problem, da sie sich so noch wohler fühlen können. Die Zimmer sind alle barrierefrei, genauso wie das übrige Gebäude. Auf den zwei Etagen sind die Zimmer in zwei Wohngruppen mit je sieben Zimmern aufgeteilt. Jede Wohngruppe hat ihre eigene Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum. Alles ist sehr hell, modern und transparent gestaltet.

Gemeinsam findet jeden Tag ein strukturierter Ablauf statt. „Viele der Bewohner haben mehrere Diagnosen. Gerade durch jahrelangen Medikamenten- oder Alkoholkonsum leiden manche an Gedächtnisverlust oder psychischen Krankheiten. Gerade hier ist es wichtig, einen strukturierten Tagesablauf anzubieten, in dem die Selbstständigkeit erhöht wird, Stärken erkannt und ausgebaut werden und die Bewohner wieder Vertrauen in ihre eigenen Stärken gewinnen. Wir helfen ihnen dabei so viel wie notwendig, aber so wenig wie möglich, um eigene Ressourcen abzurufen und zu stärken“, erklärt Ronkartz.

Der Tagesablauf ist immer auf einem Wochenplan vermerkt und kann unterschiedlich aussehen. Jeden Tag wird gemeinsam gefrühstückt, eingekauft und gekocht. Abends wird dann zusammen Billard, Kicker oder andere Spiele gespielt oder Fernsehen geschaut. Zwischen den einzelnen Tagespunkten finden verschiedene tagesstrukturierende Maßnahmen statt. In der Arbeitstherapie lernen die Bewohner die Arbeiten in der Küche, der Haustechnik oder im Garten. In der Beschäftigungstherapie werden zum Beispiel Sport oder andere Formen der Freizeitgestaltung betrieben. Außerdem gibt es regelmäßig Gruppen- oder Einzelgespräche sowie Kunsttherapie, Gedächtnisförderung, gesundheitsfördernde Maßnahmen, Geldverwaltung und vieles mehr. All das soll die Bewohner auf ein selbstständiges Leben ohne Suchtmittelkonsum vorbereiten. Die Nachbarschaft wird in den Tagesablauf mit eingebunden. Ronkartz: „Mit DVD-Abenden, verschiedenen Kooperationen oder dem Pflegen von Grünanlagen findet eine Sozialraumöffnung statt. Die Nachbarn verstehen dann, dass die Bewohner einen Platz in der Gesellschaft suchen, sie wollen hier einfach mal zur Ruhe kommen und normal leben. Auch wenn, oder gerade weil sie eine vorübergehend schwere Zeit durchleben.“

Die Familien und Freunde der Bewohner sind ebenfalls jederzeit willkommen. Die Bewohner haben sich in ihrem neuen Zuhause schon eingelebt und fühlen sich laut Ronkartz sehr wohl.

(lgob)