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Frevelhafte Tat: Stolpersteine ausgegraben und gestohlen

Frevelhafte Tat : Stolpersteine ausgegraben und gestohlen

Unbekannte haben in der Südstraße in Herzogenrath zwei Stolpersteine gestohlen. Die Steine erinnern an Opfer des Nazi-Regimes. Ein Frevel, der nicht nur Wunden in den Gehweg gerissen hat. Die Bevölkerung wird um Mithilfe bei der Aufklärung dieser Straftat gebeten.

„Mit großem Entsetzen hat der Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ davon Kenntnis bekommen, dass zwei Stolpersteine vor der Südstraße 46 zum Gedenken an Alfred Goldsteen und seine Mutter Carolina Goldsteen, geb. Mendel, ausgegraben und entwendet worden sind. Ein unfassbarer Frevel, der bestraft werden muss“, so Sophie Sequeira vom Arbeitskreis.

Der Arbeitskreis wurde 2001/2002 gegründet, um zunehmenden rechtsextremistischen Tendenzen in Politik und Gesellschaft entgegenzuwirken. Er durchleuchtet die Stadtgeschichte in der NS-Zeit und hält die Erinnerung an die Gräueltaten des NS-Regimes und an seine Opfer wach. Hierfür wurden im Jahr 2004 die „Gedenkblätter für die verfolgten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Herzogenraths“ publiziert sowie die Errichtung des Mahnmals vor dem Rathaus initiiert.

Durch das Anbringen von Gedenktafeln an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet und vor allem durch das Setzen von „Stolpersteinen“ vor den letzten Wohnstätten der Opfer wurde die Erinnerungsarbeit fortgesetzt.

2008 wurde der erste „Stolperstein“ in Herzogenrath durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Auf diesen Gedenksteinen liest man den Namen, das Geburtsjahr, Daten zur Inhaftierung, Deportation und Ermordung. Mit ihnen gibt der Künstler den Opfern ihre Identität zurück, die ihnen durch das NS-Regime genommen wurde, und Angehörige und Freunde erhalten einen Ort, wo sie ihrer Toten gedenken können.

Bürgermeister Dr. Benjamin Fadavian sagt dazu: „Das Entfernen des Gedenksteins ist eine Straftat, die nicht nur materielle, sondern insbesondere auch tiefe moralische Wunden reißt. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger, auf die Stolpersteine sowie die Erhaltung aller Mahnmale und Gedenkstätten zu achten. Sie sind unser Eigentum und wurden von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Parteien gespendet. Schauen Sie nicht weg, wenn diese Erinnerungsstücke an ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt verschwinden. Bitte geben Sie sachdienliche Hinweise an die nachfolgenden Kontakte.“

Sachdienliche Hinweise können bei jeder Polizeidienststelle sowie folgenden Stellen gemeldt werden: Polizeidienststelle 110; Ordnungsamt der Stadt Herzogenrath 02406/83-420 (zu den allgemein bekannten Öffnungszeiten); Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“, Dr. Hans-Joachim Helbig, 02406/65148.