Skulpturen: Herzogenrath möchte Kreisverkehre zu Eingangstoren machen

Gestaltungspläne für die Kreisverkehre : Burg Rode, Förderrad und drei Säulen aus Stahl

Vierjahreszeiten, Schulzentrum, Schleypenhof: Herzogenraths Stadtverwaltung hat Gestaltungspläne für die dortigen Kreisverkehre vorgelegt, die an die Historie und Besonderheiten der Stadt erinnern sollen.

Neue Kreisverkehre sind im Zuge des Umbaus der Landesstraße 223 zwischen Herzogenrath und Birk entstanden. Zwei davon auf Herzogenrather Grund. Dass der Kreisel vor dem Schulzentrum vom Landesbetrieb Straßen NRW (zunächst einmal) als neutrale Schotterfläche angelegt worden war, hatte kritische Gemüter bereits erregt. Von verpassten Chancen in Zeiten von Insektensterben, Schottervorgärten und Klimawandel war unter anderem die Rede. Der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda hatte auf Nachfrage unserer Zeitung gekontert, die Kreisverkehre würden selbstverständlich noch gestaltet und dabei auch „sehr grün“.

Jetzt sind die Pläne für drei Kreisverkehrplätze (KVP) vorgestellt worden, nämlich die drei, die künftig und durchaus gemäß politischem Willen die Funktion von Eingangstoren in die Rodastadt erfüllen sollen. Was impliziert, dass sie entsprechend inszeniert werden. Mit Symbolik, die Historie respektive Alleinstellungsmerkmale der Stadt
(teile) betreffend. Und, nicht zu vergessen: Unterhalt und Folgekosten müssen wirtschaftlich sein, wie Migenda im Gespräch mit unserer Zeitung betont.

Insektenfreundlicher Lavendel

„Mit externer Unterstützung“, so erläutert er weiter, sind im Technischen Betriebsamt Ideen skizziert worden, die bei der Politik fast ausschließlich auf Zustimmung trafen. Drei Säulen aus wetterfestem Baustahl, jeweils etwa einen Meter breit und rund vier Meter hoch, schweben den Planern auf dem neuen Kreisel an „Vierjahreszeiten“ vor, jede von ihnen symbolisiert einen Stadtteil. Das Zentrum bildet Herzogenrath-Mitte. In dessen Säule soll neben dem Stadtwappen ein Glassplitter als Hommage an die Glasproduktion eingearbeitet werden.

Der Plan für den Kreisverkehr Vierjahreszeiten. Foto: grafik

In die flankierenden Säulen für Merkstein und Kohlscheid sollen neben den jeweiligen Wappen Kohlestücke integriert werden, für die Bergbauvergangenheit. Positioniert wird das stählerne Trio auf einem Bett aus Glassplittern und dunklem Schotter. Als „Bogen zur modernen Entwicklung Herzogenraths“ sieht der Entwurf ein symbolisches Band mit einem Zahnrad vor, das die Stadt als Technologiestandort kennzeichnen soll. Mit Schotter und Glassplittern soll es nicht getan sein, vielmehr soll der KVP mit einem rund 1,50 Meter breiten Ring aus Lavendel bepflanzt werden, der den Entwurf „aufwertet, nicht aber verdeckt“. Die Restfläche soll Rasen sein.

Stahl ist auch das Material der Wahl auf dem Kreisel am Schulzentrum Bardenberger Straße, im Sinne einer „durchgängigen Einheitlichkeit“. „Herzstück“ der Planung hier ist eine rund sechs Meter breite und etwa drei Meter hohe Silhouette der Burg Rode mit dem Schriftzug „Herzogenrath“. Ähnlich wie bei der Moses-Statue am Bahnhof könnte das Ganze „dezent“ von unten beleuchtet werden. Hier soll ebenfalls – insektenfreundlich, aber auch aus Gründen „eines durchgängigen und wiedererkennbaren Gestaltungskonzepts“ – ein breiter Ring aus Lavendel sowie Rasen gepflanzt werden.

Der Plan für den Kreisverkehr Schulzentrum. Foto: grafik

Und analog zu den beiden neuen Kreiseln soll als drittes Eingangstor auch noch der KVP auf der Geilenkirchener Straße, Höhe Schleypenhof, neu gestaltet werden. Staudenvielfalt bestimmt dort das Bild, derzeit größtenteils verblüht. Aufgrund des kleineren Ausmaßes, Durchmesser rund zwölf Meter, des Beleuchtungsmastes in der Mitte und der bereits gepflanzten Zierapfelbäume bietet sich hier nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeit. Erste Ideen, das Thema „Kaltblutpferdezucht“ aufzugreifen, sind verworfen worden. Stattdessen sollen ein halb in den Boden eingelassenes Förderrad und ein Transportband an den Bergbau erinnern.

Die Gestaltungselemente, darunter die Wappen Merksteins und Herzogenraths, sind ebenfalls aus Baustahl angedacht. Zeitnah soll durch Kontaktaufnahme mit dem Verein Bergbaudenkmal Grube Adolf geprüft werden, ob ein an der früheren Grube gelagertes Förderrad zum Einsatz kommen kann.

Der Plan für den Kreisverkehr Schleypenhof. Foto: grafik

Auf rund 45.000 Euro schätzt die Verwaltung die Gesamtkosten für die drei Maßnahmen, die zwecks Umsetzung „regulär ausgeschrieben“ werden wollen, wie Beigeordneter Migenda darlegt.

„Prioritäten falsch gesetzt“

Kritik an den KVP-Gestaltungsplänen äußert derweil Bruno Barth, UBL-Fraktionschef und unter anderem Mitglied des Runden Tisches Artenvielfalt. Vor allem als Letzterer propagiert er eine „Sensibilisierung und ein Umdenken in der Bevölkerung pro Umwelt ..., indem wir zum Beispiel in Kitas und Grundschulen gehen, Preise für insektenfreundliche Vorgärten und Balkone ausloben usw.“ Seitens der Stadt allerdings, so sein Vorwurf, würden „die Prioritäten nach wie vor anders – in meinen Augen falsch – gesetzt“.

Der aktuelle Kreisverkehr „Schulzentrum“ in Herzogenrath. Foto: Beatrix Oprée

Natur und Umwelt seien offensichtlich nicht das „Herzstück“, stellt er mit Blick auf die Pläne für den KVP am Schulzentrum fest. Den vorgesehenen Lavendelring hält er für „nicht viel mehr als ein Alibi“ und beurteilt die oben zitierte Ankündigung des Technischen Beigeordneten, der KVP Schulzentrum werde „sehr grün“, gar als „Fake“: „Versiegeln, verschottern, bebauen war und bleibt anscheinend das Motto der Stadt! Beschlossener ,Klimanotstand’ ist Papier; die Praxis sieht nach wie vor anders aus!“

„Keine Experimentierfläche“

Migenda hält dem auf Nachfrage entgegen, dass die Kreisverkehrplätze keineswegs versiegelt würden, Lavendel überdies eine beliebte Bienenpflanze mit relativ langer Blütezeit sei, die sich durch Robustheit auch in Bezug auf Autoabgase auszeichne und nicht jeden Tag gegossen werden müsse. Migenda verweist auf die derzeitige KVP-Gestaltung am Schleypenhof, die zwar naturnah, aber auch sehr pflegeaufwendig sei. Zudem müsse es nicht bei Lavendel bleiben, denke man noch über eine ergänzende Bepflanzung nach.

Und im Übrigen, so Migenda: „Kreisverkehre sind keine Biotop-Experimentierflächen. Man darf nicht den Fehler begehen, jetzt alles auf die Kreisverkehre zu projizieren.“ Er sehe aber auch nicht, dass die jetzigen Pläne dem entgegenstünden.

Der aktuelle Kreisverkehr „Vierjahreszeiten“ in Herzogenrath. Foto: Beatrix Oprée