Radschnellweg: Trasse durch Herzogenrath gestaltet sich schwierig

Protest des Runden Tischs : Tempo bei Radschnellweg eingefordert

„Wo bleibt der Radweg?“ „Radschnellweg jetzt und hier!“ Es war ein Häuflein Engagierter, die mit diesen und ähnlichen Forderungen auf handgeschriebenen Plakaten dem Aufruf des Runden Tisches Radverkehr Aachen gefolgt waren und sich frühmorgens an der Einmündung Schütz-von-Rode-/Wiesenstraße in Herzogenrath zum Protest einfanden. Die Grundforderung: Endlich Tempo in Sachen Radschnellweg!

 „Es wäre ein Riesenvorteil für Pendler, schnell und sicher mit dem Rad ans Ziel zu kommen“, sagt Aktivistin Gisela Nacken, einst Grünen-Landtagsabgeordnete und bis Anfang 2015 Dezernentin für Planung und Umwelt der Stadt Aachen. Die bisherige Situation für Radfahrer in der Region stuft sie wie ihre Mitstreiter als zu gefährlich. Auch umweltpolitisch werden große Hoffnungen auf den Radschnellweg gesetzt, Nacken: „Wenn dadurch zehn Prozent des Pendlerstroms aufs Fahrrad umsteigen würden, wäre das großartig.“ Noch aber fehle die Entscheidung der Stadt Herzogenrath ...

Dass impliziert werde, das Leuchtturmprojekt Radschnellweg Euregio werde von Herzogenrath ausgebremst, versetzt indes nicht nur Rodas Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda in Wallung, sondern hat auch im jüngsten Bau- und Verkehrsausschuss für klare Aussagen seitens der Politik gesorgt. Entschieden wolle er dem Eindruck entgegentreten, dass Herzogenraths Lokalpolitik die Sache blockiere, konstatierte da etwa CDU-Fraktionschef Dieter Gronowski.

In der Tat stellt sich der rund 3,8 Kilometer lange Streckenabschnitt  als problematisch dar, der von Richterich kommend über die Kohlscheider Forensberger Straße an der Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach entlang durchs Wurmtal bis zum Kreisverkehr Ufer-/Kleikstraße in Herzogenraths City führen soll. Abgesehen von Protesten der Naturschützer, die die Trasse am liebsten gar nicht im Wurmtal sehen würden, muss die letztlich vom Ministerium abzusegnende Linienführung mit der städtebaulichen Umgestaltung im Zuge des – ebenfalls vom Land geförderten – „Integrierten Handlungskonzepts Herzogenrath-Mitte“(InHK) in Einklang gebracht werden. Und das will gut überlegt sein.

Wenn nur einer dagegen klagt ...

Auch wenn Dirk Gobbelé, städteregionaler Arbeitsgruppenleiter Straßenbau und Verkehrslenkung, jetzt im Herzogenrather Fachausschuss nur zwei Streckenvarianten vorgestellt hat (nämlich  jene im Bezug zum InHK), so stehen jenseits des Wurmtals nach wie vor drei mögliche Trassenführungen in der Diskussion, wie die Städteregion auf Nachfrage unserer Zeitung nochmals bestätigt. Von denen letztlich eine in Abstimmung mit der Bezirksregierung ins anstehende Linienfindungsverfahren münden soll. Will heißen, auch ein Trassenverlauf westlich der Bahn (Grafik Variante 1) wird weiter geprüft, ausgehend vom Hundforter Weg über eine neue Brücke über die Schütz-von-Rode-Straße hinweg (statt Querung der Bahnlinie), dann am Parkplatz Schürhof entlang durch das zu öffnende Gässchen an der Bahnbrücke (was im Zuge des InHK ohnehin erfolgen soll) bis zur Uferstraße.

Foto: grafik

Variante 2 führt auf den Hundforter Weg und kurz vor der Siedlung Hundforter Benden in einen Tunnel unter der Bahn hinweg. Östlich der Gleise würde es weiter über die Eisenbahnstraße und eine neue Brücke über die Schütz-von-Rode-Straße und ebenfalls im Kontext des InHK bis zur Uferstraße gehen.

Variante 3 nutzt gleichfalls die angedachte Bahnunterführung, verläuft aber südlich um Hundforter Benden herum durch die als Fahrradstraße umzubauende Wiesenstraße sowie die Albert-Steiner-Straße zur Uferstraße. Diese Route wäre am schnellsten umsetzbar, hatte der Radwegbeauftragte Ralf Oswald jüngst im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Und ermögliche die Anbindung an den Radweg zum Schulzentrum. Die Querung der stark frequentierten Schütz-von-Rode-Straße würde per Ampel erfolgen. Bei Wartezeiten von bis zu 95 Sekunden mit Blick auf die Kriterien für Radschnellwege eigentlich zu lang, wie der zuständige Dezernent der Städteregion, Stefan Jücker, unserer Zeitung unlängst ebenfalls erläuterte. Und: Die Albert-Steiner-Straße sei möglicherweise zu eng.

Beigeordneter Migenda sieht derweil eine Verbindung „von Zentrum zu Zentrum“ (statt zu Rodas Bahnhof) im Fokus des Projekts („Der Radschnellweg beginnt ja auch in Aachen nicht am Bahnhof“) und favorisiert erklärtermaßen Variante 3. Die Ampelphase Schütz-von-Rode sei dann irrelevant („Im Anschluss kann in Richtung Bahnhof ja wieder Tempo aufgenommen werden“). Er zählt die bis heute bestehenden Unwägbarkeiten auf: So sei das Verkehrsaufkommen in der Albert-Steiner-Straße aufgrund der Umleitung im Zuge des Umbaus der L223 zwischen Herzogenrath und Birk derzeit verfälscht. Zudem sei immer noch nicht klar, wie verlässlich die Gespräche der Städteregion mit der Bahn ausgefallen seien. Denn für eine Trasse an der Bahnlinie entlang seien Anrampungen in den Bahndamm vonnöten, inklusive der Abholzung zahlreicher Bäume. Was für Radfahrer dereinst überdies den Blick in die angrenzenden Wohnungen und Gärten freigebe. Migenda warnt: „Wenn nur ein Anwohner dagegen klagt, sind wir noch zwei bis drei Jahre weiter...“

Bislang geht die Städteregion von einer Fertigstellung des kompletten, 13,7 Kilometer langen Radschnellweg Euregio in acht bis zehn Jahren aus.

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