Philipp Spiering aus Herzogenrath gründet eigenen Verlag

Überzeugung und Leidenschaft : Philipp Spiering aus Herzogenrath vertreibt eigene Literatur

Herzogenrather Philipp Spiering gründete eigenen Verlag und vertreibt eigene Literatur. Überzeugung, Leidenschaft und ein harter Alltag begleiten die ersten Monate.

Im Kindesalter gelten einige Hobbys als cool und manche als weniger cool. Geschichten schreiben gehört da wohl eher zu Letzterem, Fantasie und Kreativität lassen sich in dieser Form nur schwer in einer Clique ausleben. Philipp Spiering hat dies selbst erfahren. Der gebürtige Kellersberger hat bereits im Grundschulalter seine Leidenschaft entdeckt, schrieb seitdem fortwährend kurze Geschichten. Gute 15 Jahre später ist aus dem aufgeweckten Jungen ein gestandener Mann geworden, der nach vielen Hürden den Weg zu seiner Destination gefunden hat. Mit 24 Jahren hat er einen eigenen Verlag gegründet. Sein Erstlingswerk Immodestia liegt bereits in den Schaufenstern der regionalen Buchhandlungen.

Spiering machte nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement und wurde Software-Berater in einem mittelständischen Unternehmen. Ein klaffender Kontrast zu seinen eigentlichen Vorstellungen, wie er heute meint: „Ich habe mich in dieser Branche nie wirklich zu Hause gefühlt. Irgendwann war ich wie ein Hamster im Laufrad.“ Eltern und Bekannte rieten ihm dennoch dazu, den „sicheren“ Weg weiterzugehen. Zum Cut kam es Mitte 2018, Spiering hatte bis dato jeden möglichen Cent angespart und kündigte seine Anstellung: „Ich wollte mich ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren.“

Seit knapp drei Jahren hatte er bis dahin schon an Immodestia gearbeitet. Als der Kopf frei war, konnte er das Werk vollenden. Der Roman, dessen lateinischer Titel „Maßlosigkeit“ bedeutet, behandelt in klassischer Manier die Welt der Mafia. Allerdings setzt er den Fokus weniger auf die glamourös anmutende Welt der italienischen und italoamerikanischen Gangsterbosse, sondern widmet sich vielmehr der intensiven Charakterzeichnung der beiden Protagonisten. Zwei Männer aus zwei konkurrierenden Clans bilden die Grundlage. Während einer der beiden bereits etabliert in der Gangsterwelt ist, tritt sein Gegenüber als Neueinsteiger auf.

Der Schauplatz ist eine eher unscheinbare Kleinstadt, der zerbrechliche Frieden beider Clans zerbricht aufgrund der Geschehnisse zwischen den beiden Protagonisten. Beide Männer durchleben eine Entwicklung, die sie mehr und mehr im Sumpf ihres eigenen Handelns versinken lässt.

Als E-Book und gedruckt

Als E-Book konnte Spiering seine erste Publikation bereits im vergangenen Jahr veröffentlichen. Es folgte der für Schriftsteller übliche Spießrutenlauf durch die Verlagswelt. Schlechte Konditionen, mangelndes Interesse ob der Tatsache, dass er als Neuling wenig bekannt ist, und der Drang nach Unabhängigkeit führten zur eigenen Verlagsgründung.

Schneller als ihm lieb war, holte Spiering die Bürokratie wieder ein: Als frischgebackener Verleger musste er ein eigenes Gewerbe anmelden, einen Berg an Formularen abarbeiten und einen ersten Vertrieb initiieren. Als Autor, Lektor und Designer war er für alle Schritte selbstverantwortlich. Ein erster, kleiner Erfolg stellte sich schnell ein: Fast alle Buchhandlungen im Raum Aachen nahmen Immodestia mit ins Sortiment auf. Viele Händler lasen das Werk vorab und gaben durch die Bank weg positive Rückmeldungen. Einige räumten sogar Platz in den Schaufenstern frei.

Noch jobbt er nebenbei

Momentan jobbt Spiering noch bei einem Einzelhändler für Sportartikel in Übach-Palenberg, um das eigene Gewerbe finanziell zu unterstützen. Wie alle Autoren wird er prozentual am Verkauf von E-Books und gebundenen Ausgaben beteiligt. Viermal pro Woche geht der Sportbegeisterte trainieren, um – wie selbst sagt – „den Kopf frei zu kriegen“.

Für das laufende Jahr hat er ehrgeizige Ziele: „Bis Ende 2019 möchte ich mich etablieren, ein Netzwerk aufbauen, eine Community für den stetigen Austausch bilden.“ Seine Eltern sind seine größten Unterstützer. „Ich meine es ernst und mache es solange weiter, bis ich davon leben kann“, erklärte Spiering.

Im November verfasste er dann bereits seine zweite Publikation. Die Novelle Statement gestaltet sich nachdenklicher und weniger impulsiv als Immodestia, verlegt die Spannungsbögen in eine kontemplativere Sphäre. Ein Kunsthändler schildert aus der Ich-Perspektive die Wahrnehmung des eigenen Schaffens – eingebettet in Philosophie und Gesellschaftskritik. Das Werk ist als Taschenbuch erhältlich.

Spiering wird unter eigener Flagge weitere Werke veröffentlichen, allerdings geht der Blick auch über den Tellerrand hinaus. Langfristig möchte er die Angebotspalette erweitern, seinen Verlag auch für andere Autoren öffnen.

Ein erster Schritt ist getan, ein kleines Netzwerk an befreundeten Autoren und Buchhändlern hat er sich bereits aufgebaut.

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