Philipp Groten radelte von Herzogenrath nach Patagonien

Von Herzogenrath nach Patagonien : Die verrückte Reise nach Argentinien auf einem Rad vom Müll

Ein Fahrrad vom Sperrmüll und der Traum von Patagonien – das waren die beiden Hauptzutaten für Philipp Grotens zweite legendäre Reise quer über den Kontinent.

Die erste Tour hatte den Herzogenrather vor rund acht Jahren von Österreich durch 13 Länder hindurch bis nach Indien geführt. Auf dem Fahrrad wohlgemerkt: 154 Tage Muskelkraft und viel Optimismus. Letzterer blieb ungebrochen und herrschte auch vor, als Philipp rund fünf Jahre später von seinem Elternhaus in Herzogenrath-Noppenberg aus in Richtung Argentinien losradelte.

„Im Unterschied zur Indienreise trennten mich nicht nur tausende Kilometer über Land von diesem Ort, sondern auch ein Ozean“, stellt er nüchtern rückblickend auf seiner lesenswerten Homepage http://machseinfach.jetzt/ fest. Wenn ihm das Meer auch Respekt abzollte, so sollte es seinem kühnen Vorhaben, das er selbst verrückt nennt, dennoch nicht im Wege stehen: Wieder einmal die halbe Welt zu durchqueren, den eigenen ökologischen Fußabdruck dabei so klein wie möglich zu halten, war eines der erklärten Ziele. Vor allem aber: herauszufinden, „was mir die Welt anbietet, wenn ich mich ihr voll und ganz anvertraue“, wie er unserer Zeitung damals darlegte.

Der grobe Plan: per Rad bis Gibraltar, dem südlichsten Zipfel Europas, zu fahren, wo die meisten Schiffe über den Atlantik vorbeikommen, und dort nach einem geeigneten Segelboot Ausschau zu halten, das den Kurs in Richtung Südamerika einschlägt. „Also ging es zunächst rund 20 Minuten durch die Niederlande, ein paar Tage durch Belgien, einen Monat durch Frankreich und dann noch durch Spanien“, berichtet Philipp jetzt beim jüngsten Gespräch mit unserer Zeitung. Was so reibungslos begann, geriet in Gibraltar mächtig ins Stocken. „Boote gibt es da genug“, berichtet er. Aber eben auch jede Menge anderer Leute, die auf der Suche nach einem günstigen Törn sind. Und: „Kaum einer will einen mitnehmen.“

Lange hat Philipp Groten eine Mitfahrgelegenheit über den Ozean gesucht, bis er sie fand: „Mein erstes Segelschiff in Gibraltar beim Auslaufen ... noch glücklich.“. Foto: Philipp Groten

Doch Beharrlichkeit, Geduld und eben eine gehörige Portion Vertrauen in die Welt und ihre Menschen führten schließlich doch zum Ziel. „Immer, wenn ich bewusst gesucht habe, war kein Boot aufzutreiben“, sagt Philipp. „Es war dann aber so, dass die Boote mich gefunden haben.“ Indem beim Wandern oder irgendwo beim Zelten zufällig auch Menschen unterwegs waren, die ein Boot besaßen und zufällig in die gewünschte Richtung segeln wollten…

Vier Boote bis Südamerika

Vier Boote hat es gebraucht, bis Philipp endlich Südamerika erreichte. Über die Kanaren, die Kapverden, St. Lucia, Antigua und Barruda. „Eines der Boote war das Begleitboot von einem, der bis vor kurzem noch versucht hat, den Pazifik zu durchschwimmen“, erzählt Philipp und lacht: „Auf solchen Reisen trifft man immer irgendwelche Freaks.“ Und das sei dann auch immer eine gute Gelegenheit gewesen, zu Hause anzurufen und mitzuteilen, dass man selbst im Vergleich ja gar nicht so verrückt sei. Mit dem vierten Boot schließlich erreichte Philipp Panama. Für den Traum von Patagonien war Zentralamerika als Ausgangspunkt für die weitere Reise zwar das völlig falsche Ende. Doch das Treibenlassen respektive Unwägbarkeiten und ihre Bewältigung sollten schließlich auch Bestandteil der Reiseerfahrungen sein. Oder wie Philipp es vor seiner Abfahrt formulierte: Herauszufinden, „wie viel Freiheit man aushält und wie viel Kontrolle und Sicherheit man braucht“.

Ein anderer „Freak“ aus der langen Reihe neuer Bekanntschaften, nämlich jemand, der alle Küsten des Planeten mit dem Rad abfahren will, um auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen, half ihm, die gefährliche Lücke der Panamerikana zu bewältigen, über geheimnisvolle Dschungelstraßen und durch einen „Höllenritt“ über das halboffene Meer nach Kolumbien. Eine weitere Tour der Extreme schloss sich an durch Ecuador, Peru, Bolivien.

Im nördlichen Patagonien, südlich von Bariloche: Groten radelte über windige Pisten, mit Blick auf die Anden. Foto: Philipp Groten

Als sich in der Salzwüste auch noch elender Brechdurchfall dazu gesellte, war er plötzlich da, der Wunsch, alles hinzuschmeißen und einfach nach Hause zu fahren, gesteht Philipp. Aber das imaginäre Reisedrehbuch wollte es anders: „Ich traf prompt jemanden, der aus Patagonien stammte.“ Und ihm unter anderem den Tipp gab, nie eine Entscheidung in einer Situation zu treffen, in der man sich nicht gut fühlt. Das gab den nötigen Auftrieb und trug ihn schließlich durch Argentinien („nach über zwei Monaten in 3500 bis 4000 Metern Höhe im Vergleich fast luxuriös“), immer die Anden entlang, mit einem Abstecher nach Chile.

Verschenkt und bestohlen

In Feuerland schließlich verschenkte er sein Rad an einen jungen Franzosen, mit der treuherzigen Auflage, dass dieser damit weiterreisen möge. Er selbst reiste mit dem Bus weiter, und machte dabei die wohl schlechteste Erfahrung seiner ganzen Reise: Der Rucksack wurde ihm gestohlen, wertvollster Inhalt waren die Tagebücher mit den Reisenotizen ...

Wie sowohl das verschenkte Fahrrad als auch der Inhalt des Rucksacks wieder zu Philipp Groten zurückgelangt sind, das ist Bestandteil der Vorträge, die er jetzt sehr erfolgreich auch beruflich hält. Die spannenden Berichte des sympathischen Weltreisenden unter dem Titel „Von Deutschland nach Patagonien – Die 2/3-Weltreise eines Angsthasen“ sind (nach Stationen in Wuppertal, Bremen, Hannover, Ulm und München) zu erleben am Mittwoch, 3. April, 19.30 Uhr, im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen an der Dahlemer Straße in Herzogenrath. Und zwei Tage später, am Freitag, 5. April, 19 Uhr, im Hörsaalgebäude HKW, Hörsaal 1132|203, Wüllnerstraße 1. Tickets zu 10 Euro gibt es im Klösterchen an der Abendkasse und fürs HKW im Vorverkauf über http://machseinfach.jetzt/. „Was dich erwartet“, so sagt Philipp einladend, „ist eine authentische Geschichte, die Mut machen will, allen Zweifeln zum Trotz deinen Traum zu leben. Keine Bange, Du musst dafür nicht auf die Bühne kommen!“

Reisender mit eigenem Stil: der Noppenberger Philipp Groten berichtet in Vorträgen in Aachen und Herzogenrath von seinem abenteuerlichen Trip nach Patagonien. Foto: Beatrix Oprée