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Ortstermin an geplanter Trasse des Radschnellwegs in Herzogenrath

Verbände, Anwohner, Politiker : Kritik am Radschnellweg bleibt laut

Vertreter von Umweltverbänden, betroffene Anwohner und Politiker bemängeln die Trassenführung des Radschnellwegs bei Ortstermin in Herzogenrath.

Über zu wenig Aufmerksamkeit kann sich das Projekt „Radschnellweg” in Roda wahrlich nicht beklagen. Während vor wenigen Wochen im Bau- und Verkehrsausschuss im Zuge des sogenannten „Linienfindungsverfahren” der Beschluss über die Trassenführung auf Herzogenrather Gebiet mit großer Mehrheit gefasst wurde, schlagen Naturschützer, betroffene Anwohner und die Fraktionen der Linken und der Unabhängigen Bürgerliste (UBL) Alarm.

Der geplante Radschnellweg (RSW), eine Kooperation zwischen dem Land NRW, der Städteregion und der Herzogenrather Kommune, sorgt weiter für große Diskussion. Am Samstag hatten alle in Herzogenrath aktiven Umweltorganisationen sowie die Bürgerinitiative „Kein Radschnellweg durch das Wurmtal” zu einem Ortstermin eingeladen, um „über die abenteuerliche und äußerst fragwürdige Trassenführung zu informieren”. Knapp 40 Bürger waren der Einladung gefolgt und nahmen die geplante Strecke des Schnellwegs am Bahndamm parallel zur Eisenbahnstraße hinter dem Wohngebiet „Hundforter Benden” genau unter die Lupe.

Planungsstand nicht umsetzbar?

Die Vertreter der Organisationen „Naturfreunde”, „BUND”, „NABU”, „AG Wurmtal” und „Klatschmohn” waren sich in einem Punkt einig: Eine generelle Ablehnung von Radwegen liege bei allen Beteiligten selbstverständlich nicht vor. In Bezug auf den RSW sei man nach eigener Einschätzung und intensiver Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass der derzeitige Planungsstand in Herzogenrath nicht umsetzbar ist.

Die Bedenken umfassen den Umweltschutz, Anwohner-Interessen, aber auch die Umsetzung des „Integrativen Handlungskonzeptes” auf kommunaler Ebene. Zur Erinnerung: Laut Planungsstand würde der RSW parallel zum Bahndamm verlaufen und eine entsprechende Umgestaltung des heutigen Wegs der Eisenbahnstraße mit sich ziehen. In Fahrtrichtung Innenstadt würde mit Blick auf die Querung der Schütz-von-Rode-Straße eine zusätzliche Überführung nötig. Im weiteren Verlauf ist geplant, den RSW hinter dem Parkhaus auf den hinteren Teil der Adalbert-Steiner-Straße zu leiten, um die zukünftige „Wurmpromenade” zu umgehen.

Die derzeitige Eisenbahnstraße in Fahrtrichtung Schütz-von-Rode-Straße besticht nicht gerade mit übermäßiger Breite. Anwohner und Naturschützer warnen vor etwaigen Risiken bei der Anpassung. Foto: Yannick Longerich

Bruno Barth, Vorsitzender der Naturfreunde und Stadtverordneter der UBL-Fraktion, erklärte den Besuchern, dass bei einer Realisierung des RSW der angrenzende Bahndamm unweigerlich betroffen sein werde. Fast alle Bäume würden den Umbaumaßnahmen zum Opfer fallen. Mit Flatterband wurden die notwendigen fünf Meter Mindestabstand veranschaulicht. Die Stadt hatte in Bezug auf etwaige Rodungsarbeiten angekündigt, „Ausgleichsflächen” anzulegen. Die Trassengegner argumentieren hier, dass der Verlust an Flora und Fauna nicht hinreichend kompensiert werde.

Es sei aus städtischer Sicht theoretisch sogar denkbar, jene Ausgleichsflächen nicht auf Herzogenrather Gebiet, sondern irgendwo anders anzulegen. Die Überführung über die Schütz-von-Rode-Straße würde – auch aufgrund der Vorschriften zur maximalen Steigung – eine beachtliche Länge erreichen und ferner zusätzliche Auswirkungen für die Anwohner in den „Hundforter Benden” mit sich bringen.

Ernst und Erna Kadas, Anwohner des Gebiets, nannten neben dem Schaden für die Natur auch die sich ändernden Lichtverhältnisse als Argument. Ein massives Bauwerk wie die Überführung des RSW werde unweigerlich zu massiven Schattenwürfen führen.

Uneingeschränkte Sicht in Häuser

In puncto Sichtschutz würden ebenfalls große Nachteile entstehend, passierende Radfahrer hätten uneingeschränkte Sicht in alle Häuser und Gärten. Die wegfallende Flora würde außerdem weitere Maßnahmen zum Lärmschutz notwendig machen. Thomas Seifert, Anwohner im Areal der Kreuzung Eisenbahnstraße/Schütz-von-Rode-Straße merkte an, dass der Umbau des ohnehin schon sehr schmalen Weges Probleme bei der Zufahrt zum eigenen Grundstück aufwerfen könnten.

Die Vertreter waren sich einig, dass die „topografischen Grenzen” der Kommune (Herzogenrath liegt im Vergleich zum Aachener Höhenniveau in einem „Loch”, als maximale Steigung für den RSW sind jedoch nur drei Prozent erlaubt) das gesamte Projekt an zahlreichen Stellen so gut wie unmöglich machen. Trotzdem seien Alternativen zur derzeitigen Trassenführung denkbar.

Aus Sicht der Kritiker seien diese aber nicht ausreichend geprüft worden. Seitens der betroffenen Anwohner wurde außerdem eine aus ihrer Sicht unzureichende Information seitens der Stadtverwaltung kritisiert. Zwar sind alle Unterlagen und Protokolle der Sitzungen städtischer Ausschüsse online über das Ratsinformationssystem frei einsehbar. Allerdings sei diese Variante wenig benutzerfreundlich und würde für Laien unheimlich viel Zeit in Anspruch nehmen.

„Systematische Ausgrenzung“

Die Gruppe begutachtete auch das Areal der nördlichen Eisenbahnstraße unmittelbar hinter dem Parkhaus an der Adalbert-Steiner-Straße. Franz-Josef Emundts (BUND) vermutete zusammen mit Barth, dass das in Herzogenrath anvisierte Integrative Handlungskonzept auch an dieser Stelle negativ beeinflusst werden könnte. Eine Trassenführung über den letzten Teil der Adalbert-Steiner-Straße berge zusätzlich das Risiko, dass Schwerlastverkehr und Radfahrer trotz geplanter Tempo-30-Zone einander in die Quere kommen.

Die Besucher kritisierten eine „systematische Ausgrenzung von Alternativen” – so hätte man beispielsweise nie den Kontakt mit den niederländischen Kollegen aus Kerkrade gesucht. Die an der Grenze verlaufende Nieuwstraat hätte aus Sicht der Kritiker beispielsweise relevant werden können.