Lösungssuche: Mitunter lange Wartezeiten an Bahnschranke in Merkstein

Schrankenschließzeiten in Merkstein : Mitunter fast zehn Minuten pro Stunde warten

Die Schrankenschließzeiten in Merkstein sind der Politik ein Dorn im Auge. In Stoßzeiten kann die Wartezeit gleich mehrere Minuten dauern. Doch einfach verkürzen geht nicht...

Wer einmal auf der Geilenkirchener Straße in Merkstein ganz hinten in der Schlange vor der geschlossenen Bahnschranke am August-Schmidt-Platz gestanden hat, weiß, dass es mitunter ein längeres Weilchen dauern kann, bis man im eigenen Wagen wieder Gas geben kann.

In Stoßzeiten gar bis zu sieben Minuten, wie Norbert Voß (FDP) sagt, der mehrfach im Fachausschuss zum Thema nachgehakt hat. Unter anderem, da er zum wiederholten Male festgestellt habe, dass Rettungsdienste auf Einsatzfahrt durch die Schranke ausgebremst würden. Viermal in der Stunde senken sich seit der Taktverdichtung der Euregiobahn die Schranken auf der Geilenkirchener Straße. Auf die Stunde gerechnet können sich die Schließzeiten auf fast zehn Minuten summieren. Und je nach Tageszeit stauen sich vor der Schranke in kürzester Zeit 70 und mehr Fahrzeuge pro Richtung auf der L232.

Bereits im September 2016 hatte die große Koalition aus SPD und CDU einen Antrag zur Überprüfung und Verkürzung der Schrankenschließungszeiten in Merkstein eingereicht, um die Verkehrsbedingungen „für alle Beteiligten zu verbessern“. Nicht nur auf Rückstaus auf den Hauptverkehrsachsen, sondern auch auf eine Verlagerung von Durchgangsverkehr in die Wohnbereiche machte die Groko aufmerksam. Zeitweise komme der Straßenverkehr im Zentrum Merksteins völlig zum Erliegen, was auch der Akzeptanz der Euregiobahn in der Bevölkerung schade. „Dieser unbefriedigenden Situation muss durch eine intelligente Lösung Einhalt geboten werden“, so die Forderung.

Mittelwert: 2,21 Minuten

Doch die gibt es bis heute nicht. Auch nicht nach einem Erörterungstermin mit Vertretern der Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) und der Stadt Herzogenrath, zu dem es nach Beratung des Groko-Antrags Ende März 2017 fast exakt zwei Jahre später, am 29. März 2019, gekommen war. Denn die technischen Zusammenhänge sind kompliziert und deswegen so leicht nicht veränderbar. Unter anderem anhand einer Power-Point-Präsentation hatte die EVS die Verkehrssituation und die Abläufe im Bahnverkehr zwischen den Euregiobahnhaltepunkten Alsdorf Annapark und Busch sowie Merkstein August-Schmidt-Platz und Alt-Merkstein erläutert.

Schrankenschließzeiten zwischen 2 Minuten 4 Sekunden und 2 Minuten 40 Sekunden hatte der Bahnbetreiber gemessen. Die durchschnittliche „mittlere Schließzeit“ habe während des gesamten Messzeitraums 2 Minuten 21 Sekunden betragen. Bemessen aus der ersten Bahnanforderung in Busch oder Alt-Merkstein bei Rotschaltung des Vorsignals an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße bis zur Wiederfreigabe des Bahnübergangs durch Öffnen der Schranken.

Die Dauer der Schließzeit hängt von diversen Faktoren ab: So werden, wie die EVS erläuterte, zu Stoßzeiten längere Züge eingesetzt, die naturgemäß längere Schrankenschließzeiten erfordern. Nicht unwesentlich ist auch, aus welcher Richtung die Bahn kommt. So erfolgt eine Schließungsanforderung, wenn der Zug in Alt-Merkstein losfährt, die Vorampel an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße springt dann auf Rot. Am Haltepunkt August-Schmidt-Platz sind dann noch die Aus- und Einsteigezeiten hinzuzurechnen. Aus der Gegenrichtung erhält die Lichtzeichenanlage an der Geilenkirchener Straße bereits einen Rot-Impuls, wenn der Zug am Haltepunkt Alsdorf-Busch einfährt.

Um sicherzustellen, dass der Bahnübergang in Merkstein auch wirklich frei ist – dies gelte vor allem für Lkw-Verkehr respektive für den möglichen Rückstau durch Linksabbieger in die Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Zwischen Zopp und Merkstein ist ein zweites Gleis angelegt worden, zur Optimierung, damit der Zug seine Geschwindigkeit nicht noch vor Einfahrt am Haltepunkt Merkstein reduzieren muss. Eine weitere nicht unwesentliche Abhängigkeit besteht darin, dass das Bahnanforderungsprogramm mit der Schaltung der Lichtzeichenanlage (LSA) an der Kreuzung Geilenkirchener Straße mit der Kirchrather respektive Noppenberger Straße kombiniert werden muss.

Komplizierte Schaltungen

So läuft während der Schließungszeiten ein Sonderprogramm für die Lichtzeichenanlagen, das für vereinzelte Verkehrsströme und alle umgebenden Fußgängerfurten Grün schaltet. Öffnen sich die Schranken wieder, wird das LSA-Sonderprogramm abgebrochen und ins Normalprogramm umgeschaltet. Was eine Zwischenzeit von rund fünf/sechs Sekunden erfordert.

 „Befindet sich das LSA-Sonderprogramm im Grünprogramm für Fußgänger, so ist sogar eine Zwischenzeit von zehn Sekunden draufzurechnen, damit nach Abbruch dieses Programms alle Fußgänger noch sicher auf die andere Straßenseite kommen“, wie Verkehrsingenieur Joachim Hergesell unserer Zeitung erläutert. Vorrangig wird nach Abbruch des Sonderprogramms dann der Hauptverkehrsstrang wieder auf „Grün“ geschaltet. Was zu entsprechenden längeren Wartezeiten auf den Seitensträngen führen kann.

Vorschläge aus der Politik, in Fahrtrichtung Busch einen separaten Haltepunkt einzurichten, um Ein- und Ausstiegsszeiten quasi hinter die Schranke zu verlagern, war bei der EVS auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Zurzeit stünde auch keine Fläche zur Verfügung“, so Hergesell. So soll nun ein Ingenieurbüro beauftragt werden, eventuelle weitere Optimierungsmöglichkeiten, was die LSA-Schaltungen angeht, auszuarbeiten. Die Leistungsbeschreibung für die entsprechende Ausschreibung läuft.

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