Kohlscheid: Keine weiteren Hinweise auf versuchte Kindesentführung

Nach Anzeige einer versuchten Kindesentführung : Polizei wechselt in den „Standby-Modus“

Auch knapp drei Wochen, nachdem eine angebliche versuchte Kindesentführung in Kohlscheid für Aufregung gesorgt hat, hat sich nach wie vor kein weiterer Zeuge oder Hinweisgeber bei der Aachener Polizei gemeldet.

Die Hintergründe der Angelegenheit bleiben damit im Unklaren, und es wäre eine Überraschung, falls sich daran doch noch etwas ändern sollte.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen durch eine Nachricht, die in den sozialen Netzwerken ihre Runden drehte. Eine Kohlscheiderin berichtete, dass ihre Mutter am frühen Mittwochabend, 7. August, „gerade noch so“ eine Kindesentführung verhindert habe. An der Ecke Forensberger Straße/Nordstraße hätte ein Mann versucht, einen sieben oder acht Jahre alten Jungen in ein schwarzes Auto zu zerren, in dem ein weiterer Mann gesessen habe. Ihre Mutter habe dem Mann das Kind jedoch „mit aller Kraft“ entrissen, schrieb die Kohlscheiderin.

Das Kind sei verängstigt weggelaufen, das Auto „mit quietschenden Reifen“ davongefahren. Weil der Vorfall bis dahin nicht angezeigt worden war, musste die Polizei das Pferd von hinten aufzäumen und die Urheberin der Nachricht beziehungsweise deren Mutter ausfindig machen, was auch gelang.

Situation falsch gedeutet?

Trotz mehrerer Zeugenaufrufe meldete sich in den folgenden Tagen jedoch niemand sonst, der von dem Vorfall etwas mitbekommen hätte, insbesondere nicht die Eltern des Kindes. Dabei ist es bislang auch geblieben, wie Polizeisprecher Paul Kemen am Montag auf Nachfrage mitteilte. Die Ermittler halten es nach wie vor für möglich, dass eine Alltagssituation, etwa der Streit zwischen einem Kind und einer erwachsenen Bezugsperson, „missgedeutet“ worden sein könnte. Dass eine Straftat nur vorgetäuscht worden sein könnte, wie es in den sozialen Netzwerken nicht zum ersten Mal vorgekommen wäre, schließen sie hingegen aus. Was wirklich geschehen ist, ist für die Polizei schlicht und ergreifend nicht aufzuklären.

Kemen machte weiter deutlich, dass seine Kollegen es nicht bei dem Zeugenaufruf belassen hätten. „Wir haben den ganzen Apparat in Bewegung gesetzt“, sagt er. Polizeibeamte seien in dem beschriebenen Bereich von Tür zu Tür gegangen, um die Anwohner nach verdächtigen Beobachtungen zu fragen. Auch seien dort in den Tagen nach dem Vorfall Zivilstreifen unterwegs gewesen. Nachdem all dies zu keinem Ergebnis führte, wurden die aktiven Bemühungen eingestellt. Kemen: „Wir sind nun im Standby-Modus.“

(jpm)
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