1. Lokales
  2. Nordkreis
  3. Herzogenrath

Brandschutzauflagen verschärft: Klösterchen benötigt höheren Zuschuss

Brandschutzauflagen verschärft : Klösterchen benötigt höheren Zuschuss

Seit etwa eineinhalb Jahren ist das Soziokulturelle Zentrum „Am Klösterchen“ in Merkstein aus Gründen des verschärften Brandschutzes nur noch eingeschränkt nutzbar. Vor kurzem hat die Stadt Herzogenrath per Dringlichkeitsbeschluss 20.000 Euro bereitgestellt, um die Mängel zu beseitigen und die Auflagen zu erfüllen. Das dürfte aber nicht reichen.

Sogenannter Hauptmieter ist der Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen. Dessen 1. Vorsitzender Wilfried Hammers will nicht undankbar gegenüber der Stadt erscheinen. „Ich bin froh, dass wir das Geld bekommen haben.“ Aber es müsste auch im Interesse der Kommune sein, es in dieser Angelegenheit nicht bei dieser Unterstützung zu belassen und weitere Mittel in den anstehenden Haushaltsberatungen bereitzustellen, wie er anregt. „Wir leisten für die Stadt wichtige soziokulturelle Arbeit.“ Der von dem Verein beauftragte Fachmann habe in seiner Begutachtung Maßnahmen aufgelistet, deren Abarbeiten wohl 40.000 Euro erfordern würden.

Erhebliche Eigenmittel

Der Stadtrat befasst sich an diesem Dienstag, 24. November, in einer Sondersitzung in der Aula des Schulzentrums, Bardenberger Straße 72, unter anderem mit der Brandschutzsanierung. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 19 Uhr.

Ist Brandschutz eigentlich nicht ureigenste Aufgabe des Vermieters, in diesem Fall also der Stadt Herzogenrath? Wieso muss Hammers Organisation dafür aufkommen? Das hat seine (Vor-)Geschichte. Der Voreigentümer des „Klösterchens,“ die Firma Vetrotex, hatte dem Verein die Anlage vermietet, allerdings mit der Maßgabe, den Gebäudekomplex in Schuss zu halten.

Die Stadt Herzogenrath hat bei der Übernahme des Gebäudes den Mietvertrag „geerbt“. Seit Beginn des Mietverhältnisses 1996 hat der Verein „bisher nachweisbare 600.000 Euro Eigenmittel“ investiert, wie Hammers in seiner Bitte um Mitfinanzierung der jetzt notwendigen Arbeiten Anfang Oktober noch an den seinerzeit im Amt befindlichen Bürgermeister Christoph von den Driesch geschrieben hat.

 Wilfried Hammers, 1. Vorsitzender des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen, bittet die Stadt um Ausweitung der Unterstützung.
Wilfried Hammers, 1. Vorsitzender des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen, bittet die Stadt um Ausweitung der Unterstützung. Foto: MHA/Karl Stüber

Das Ganze werde „mehr und mehr existenzgefährdend“, verschärft durch den „Corona-Kulturbetrieb-Stop“, so dass der Förderverein infolge des Ausfalls von Veranstaltungen keine Nutzungsgebühren mehr erzielen könne und teilweise Mieteinnahmen wegfielen. Die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes (Energie, Versicherungen etc.) und für den Hausmeister nebst Minijobber liefen weiter. „Hätten wir nicht Corona-Soforthilfen für unseren nicht stattfindenden Kultur-Regelbetrieb generieren können, gäbe es uns längst nicht mehr“, sagt Hammers.

Dass baulicher Handlungsbedarf besteht, war bei der Brandverhütungsschau am 18. März 2019 und dem daraus resultierenden Bericht der Bauordnung am 20. Mai 2019 klar geworden. Der Förderverein beauftragte und bezahlte einen Architekten, um die Mängel genauer zu erfassen und den Aufwand für die Beseitigung zu ermitteln.

 Das „Klösterchen“ hat sich zu einem wichtigen Zentrum soziokultureller Arbeit entwickelt – hier ein attraktives Fensterensemble.
Das „Klösterchen“ hat sich zu einem wichtigen Zentrum soziokultureller Arbeit entwickelt – hier ein attraktives Fensterensemble. Foto: MHA/Karl Stüber

Betroffen ist vor allem das zweite Obergeschoss des längeren der beiden Seitenflügel, die die Kapelle flankieren. Hier bleiben seit Feststellung der Mängel untervermietete Räume (für eine Künstlerin und eine afrikanische Kirchengemeinde) leer, kann zudem ein Gemeinschaftsraum in Selbstbestimmung für Flüchtlinge („Atelier Empowerment“) nicht mehr genutzt werden.

Möglichkeiten ausgeschöpft

Glücklicherweise verfügt der Förderverein über einen handwerklich offenbar sehr fähigen Hausmeister und dessen Vorgänger im Unruhestand sowie weitere Engagierte die vieles in Eigenregie erledigen können, wie Hammers hervorhebt. In die Beseitigung von Brandschutzmängel wurden via „Muskelhypothek“ schon 11.500 Euro gesteckt, wie der beauftragte Architekt attestierte, sagt der Vereinsvorsitzende.

Nun aber sind die Möglichkeiten des Mieters ausgeschöpft. Zudem geht es noch um Arbeiten, die nur noch Fachfirmen ausführen können. So müssen Feuerschutztüren maßgefertigt und eingebaut werden. Zudem muss eine Fensteröffnung unterm Dach zu einem Ausstieg aufwändig vergrößert werden, so dass die Feuer im Ernstfall via angelegter Leiter Menschen retten kann.

Hammers quälen noch weitere Unwägbarkeiten. So ist wohl letztendlich noch nicht geklärt, ob Nutzungs- und Brandschutzordnungen für das Klösterchen neu erstellt werden müssen. Hammers sieht hier keine Notwendigkeit, weil keine Nutzungsänderungen stattfanden, sondern nur Räume bzw. Funktionen mit den Jahren getauscht wurden, wie auch der Gutachter festgestellt habe.

Großer Unsicherheitsfaktor sei zudem die weitere finanzielle Entwicklung der Kommune. Sollte die Stadt wieder in den Nothaushalt rutschen, würden Ausgaben für das Klösterchen als freiwillige Ausgaben gewertet und gestoppt werden. Deshalb regt er an, dass die Stadt bzw. der Stadtrat angesichts der wichtigen Aufgaben, die das Klösterchen erfüllt, darin künftig eine Pflichtaufgabe sieht.