Hochwasser-Rückhaltebecken in Herzogenrath geplant

Naherholungsgebiet : Für den Hochwasserschutz soll der Broicher Bach verlegt werden

Das Naherholungsgebiet Herzogenrath-Mitte steht vor einschneidenden Veränderungen. Bereits im September 2017 wurden dem Bau- und Verkehrsausschuss die geplanten Umgestaltungen des Hochwasserrückhaltebeckens am Broicher Bach vorgestellt.

Unlängst beschloss der Bau- und Verkehrsausschuss, auf Vorschlag des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) den aktuellen Projektstand in Form einer Bürgerinformationsveranstaltung der interessierten Bevölkerung mitzuteilen. Das Plenum sprach sich für das Restaurant „Seehof" aus, ein Termin für die Bürgerinformationsveranstaltung wird noch bekannt gegeben. Dr. Antje Goedeking (WVER) stellte dem Ausschuss den aktuellen Planungsstand vor.

Ziel der Maßnahmen ist die Erhöhung des Hochwasserschutzgrades für die Innenstadt. Unter anderem setzt dies eine Absenkung des „Dauerstaus" (Wasserspiegel) um 50 Zentimeter voraus. Darüber hinaus soll für eine Verbesserung der Wasserqualität gesorgt werden. Die gewünschte Verlegung des Broicher Bachs in den Nebenschluss stellt dabei den größten Einschnitt dar - aus einem „fließenden" Gewässer würde ein stehendes. Der Broicher Bach würde parallel zum Becken fließen. Dr. Bernd Fasel (Bündnis90/Die Grünen) äußerte hierzu Bedenken. Ein stehendes Gewässer könnte Geruchsbelästigungen erzeugen. Diese Risiken werden seitens des WVER derzeit noch geprüft.

21.000 Kubikmeter Rückstauschutz

Ferner sollen ergänzende Hochwasserschutzprojekte die Maßnahmen in Herzogenrath-Mitte unterstützen. Eine „Drosseloptimierung" des Hochwasserrückhaltebeckens Euchen und die Aktivierung von Retentionsräumen des Broicher Bachs hätten direkte Auswirkungen auf das Areal.

Die geplanten Maßnahmen würden im Broichbachtal ein Gesamtvolumen von 21.000 Kubikmetern für den Rückstauschutz schaffen. Da die "Standartwassermenge" des Beckens zeitgleich abgesenkt wird, würde der Nährstoffanteil im Wasser ansteigen. Die bisherige Integration des Bachs "durch" den See hatte eine fortwährende Sedimentablagerung zur Folge. Eine Entschlammung des Sees, welche den Beckengrund auf einem gleichbleibenden Niveau halten soll, würde in Folge einer Verlegung des Bachlaufs deutlich seltener notwendig werden.

Zwischenzeitlich ist die wasserwirtschaftliche Planung seitens des WVER so weit fortgeschritten, dass die Genehmigungsplanung fertig gestellt werden kann. Ein geotechnisches sowie ein hydrogeologisches Gutachten sowie die Altlastenbewertungen sind in Arbeit und stehen kurz vor dem Abschluss.

Bereits fertig sind die biologischen Geländeaufnahmen - ein besonderer Fokus lag hierbei auf der den See nutzenden Vogelpopulation. Überwinternde Vögel und Brutvögel wurden kartografiert. Aus den Ergebnissen wurde die Bedeutung der sogenannten „Brutflöße" im See abgeleitet. Die Kartierung der Brutvögel ergab, dass insgesamt 44 Vogelarten auf dem Gebiet des Hochwasserrückhaltebeckens angesiedelt sind.

Auf den Flößen nisten ausschließlich Blässhühner, wobei diese Vogelart auch selbstgebaute, schwimmende Nester im Flachwasser benutzt. Festgehalten werden konnte, dass Attraktivität des Sees für Vogelarten nur in sehr geringem Maße von jenen Flößen abhängt. Ein Entfernen wäre denkbar.

(yl)