Herzogenrath: viel Lob für Förderprogramm "moderne Sportstätten"

NRW-Programm „Moderne Sportstätten“ : „Das war richtig gut investierte Zeit!“

„Das war richtig gut investierte Zeit!“ Manfred Borgs, Geschäftsführer des Stadtsportverbands Herzogenrath (SSV), ist zufrieden. An der zentralen Informationsveranstaltung für das Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ in Essen hat er in der vergangenen Woche teilgenommen. Auch Andrea Milz, NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, sowie Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbunds NRW, seien vertreten gewesen.

Dass indes aus der gesamten Städteregion nur zwei weitere Sportverbandsvertreter teilgenommen hätten, habe ihn in Erstaunen versetzt. Denn es geht um die Verteilung von viel Geld, das die Landesregierung über einen insgesamt 300 Millionen Euro schweren Fördertopf bis 2022 den Sportvereinen respektive Sportverbänden im Land zur Verfügung stellt. „Das Tolle daran ist“, so Borgs, „dass hier die Kommunen zunächst außen vor sind. Wer, was und wieviel gefördert wird, das entscheiden die Sportverbände, in Herzogenrath eben der SSV.“

Dem an vielen Stellen offensichtlichen Sanierungsstau bei Sportstätten, der landesweit auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt wird, will die Landesregierung mit diesem erstmals aufgelegten Programm begegnen. 631.135 Euro sollen nach Herzogenrath fließen. „Maximal unbürokratisch“ solle alles ablaufen, hat die Staatssekretärin versprochen. Und dabei ihre Schwerpunkte für förderfähige Projekte dargelegt: unter anderem energetische und digitale Modernisierung, Geschlechtergerechtigkeit, Barrierefreiheit und Vermeidung von Unfällen und Verletzungen. Gefördert werden indes nur Anlagen im Vereinseigentum sowie in langfristigem Miet- beziehungsweise Pachtverhältnis von mindestens noch zehn Jahren. Letztere, so Borgs, „können noch bis Antragstellung abgeschlossen werden“.

Der Herzogenrather SSV will und kann die Stadtverwaltung deswegen nicht außen vor lassen: „Wir haben Bürgermeister Christoph von den Driesch um ein kurzfristiges Grundsatzgespräch gebeten, da wir nicht ohne Kommune arbeiten wollen.“ Dabei wird es vor allem um die Eigentums- und Nutzungsverhältnisse gehen. Denn ohne entsprechende Pachtverträge für die Vereine sei das Förderprogramm für die meisten nahezu nutzlos, befürchtet Borgs: „Wir haben kaum Vereine mit Eigentumsrecht an Sportstätten.“

Bereits 2013 habe der SSV schon einmal Infos über die Miet- und Pachtverträge beziehungsweise Ausparzellierungen haben wollen, das war noch zur Zeit der damaligen Beigeordneten und Sportdezernentin Froese-Kindermann. Das Ganze sei dann aber eingeschlafen, „obwohl die Kommune einen Mitarbeiter auf Schulung schickte“. Trotz mehrfacher Bitte respektive Forderung, sei damals aber nichts mehr gekommen. „In weiser Voraussicht“ habe der SSV deswegen im vergangenen Dezember Prüfungen und Überlegungen zum Thema Miet-/Pachtverträge erneut angeregt, „bislang noch ohne konkrete Aufnahme seitens der Verwaltung – sonst wären wir heute schon ein Stückchen weiter“. Aber seitens des derzeitigen Ersten Beigeordneten und Sportdezernenten Hubert Philippengracht habe er bereits positive Signale erhalten, so Borgs.

Ab jetzt gilt es also für die Vereine, aktiv zu werden und Anträge beim SSV zu stellen, die dann in Form von Projektskizzen an die Landesregierung weitergeleitet werden. Borgs zum weiteren Prozedere: „Wir werden schon in wenigen Tagen die Vereine zusammentrommeln, um ihnen das Förderprogramm zu erläutern und die förderungswürdigen ,Baustellen’ auszuloten. Dann werden wir wieder mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen, da für einige Vereine eben noch die Voraussetzungen für eine Förderung, sprich die entsprechenden Pachtverträge, geschaffen werden müssen.“

Eine weitere Krux könnte der von den Vereinen zu zahlende Eigenanteil sein, der laut Richtlinien bei einer Förderhöhe etwa von 10.000 bis 100.000 Euro zehn bis 50 Prozent betragen kann. Dazu Borgs: „In Herzogenrath werden Vereins-Projekte sicherlich nur bis 100.000 Euro anfallen. Da sind zehn Prozent Vereinseigenanteil finanziell stemmbar; zumal ein Verein heute planen und beantragen kann und erst in ein bis zwei Jahren zu beginnen braucht.“ So habe der Verein „einerseits Zeit zum Sparen, andererseits werden wir aber berücksichtigen müssen, dass die Kosten in dieser Zeit dann höher sein werden.“ Und eine „Nachförderung“ sei nicht möglich.

Also werde man im Einzelfall sondieren, „ob wir den Eigenanteil nicht über andere Möglichkeiten finanzieren, etwa über die Sportpauschale, Sponsoring oder Ähnliches. Das gelte es nun mit den Vereinen auszuloten. Der SSV-Geschäftsführer ist zuversichtlich, ja geradezu euphorisch: „Ich bin restlos begeistert von dem Förderprogramm, habe etwas Vergleichbares in 30 Jahren Ehrenamt im Sport noch nicht erlebt. Ein solch umfangreiches Förderprogramm – transparent, ohne bürokratische Hürden und absolut basisnah – Hut ab vor den Damen und Herren, die das erarbeitet haben!“

Außerdem sei dies „ein echter Schritt zu der vom Landessportbund beabsichtigten Politikfähigkeit der Stadtsportverbände vor Ort“.

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