Herzogenrath: Oliver Krings folgt auf Bernd Krott als Jugendamtsleiter

Zuversichtlich in die Zukunft : Jugendamt leitungsmäßig neu aufgestellt

Der langjährige Jugendamtsleiter Bernd Krott ist in Pension gegangen und hat seinen Posten an Nachfolger Oliver Krings übergeben. Eine beispielhafte Bilanz und zuversichtliche Blicke in die Zukunft.

25 Jahre ist Bernd Krott Leiter des Jugendamts gewesen, seit Juli ist er im Ruhestand und Oliver Krings hat sein Büro im Satellitenbau der Stadtverwaltung auf dem Rathausplatz eingenommen. Mit dem erklärten Ziel, alles das, was sein Vorgänger aufgebaut hat, „mit hoher Kontinuität“ fortzusetzen. Und dabei konsequent weiterzuentwickeln, um den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Basis dafür ist ein neues Leitungsteam für das mit rund 130 Bediensteten größte Amt in der Stadtverwaltung – inklusive der Mitarbeiter der drei städtischen Kitas. Bis zu 36 neue Mitarbeiter werden in den kommenden zwei Jahren noch dazu kommen, im Zuge des Aufbaus zweier fünfgruppiger Kitas für die Neubaugebiete Dornkaul in Kohlscheid und An der Herrenstraß in Merkstein.

Personalengpass vermeiden

Um einen Personalengpass, wie er im Kita-Bereich in Deutschland zurzeit allgegenwärtig ist, von vornherein möglichst zu vermeiden, rührt Gabriele von Wnuck, neue Leiterin Kindertagesbetreuung in Herzogenrath, jetzt schon die Werbetrommel. Cornelia Wollny, bislang beim Sozialen Dienst tätig, hat derweil in Nachfolge von Krings den Bereich Kinder- und Jugendförderung sowie Schulsozialarbeit übernommen. Leiter des sozialen Dienstes ist seit 24 Jahren Norbert Latz. Und Eva Klewenhagen leitet seit Anfang Juli die Verwaltungsabteilung des Jugendamtes.

„Läuft“, kann Krott demnach beruhigt sagen, sich als frisch gebackener Pensionär zurücklehnen und erstmal auf den anstehenden Urlaub vorbereiten. Zum Gespräch mit unserer Zeitung ist der Aachener aber nochmal nach Herzogenrath gekommen. Und nutzt die Gelegenheit, um auch dem Ersten Beigeordneten Hubert Philippengracht Dank auszusprechen: „Ein Amt kann nur gut arbeiten, wenn es einen guten Dezernenten hat“, gibt Krott das große Lob, das er selbst aus Reihen von Politik und Verwaltung für sein langjähriges Wirken erhalten hat, wieder zurück. Dass der zuständige Dezernent gleichzeitig Kämmerer ist, habe sich nie als problematisch erwiesen, wie das in anderen Städten schon mal der Fall sei, ergänzt Krott augenzwinkernd. Im Gegenteil, Philippengracht habe sich „sehr schnell“ in die Belange der Kinder- und Jugendarbeit eingearbeitet und immer geholfen, dass das Jugendamt über die nötigen Ressourcen verfüge.

Dabei habe besagtes Amt in den 90er Jahren einmal als regelrechtes „Sparmodell“ angefangen, blickt Krott zurück. Damals habe man beweisen wollen, dass ein eigenes Jugendamt preiswerter komme als die Wahrnehmung der Aufgaben durch den seinerzeitigen Kreis Aachen. Entsprechend schlank sei die Personalausstattung gewesen, um dieser Annahme Rechnung zu tragen: Mit 30 Mitarbeitern ging es los – um in den folgenden Jahrzehnten bedarfsgerecht personell immer weiter aufzustocken. „Heute sind die Lebensverhältnisse der Menschen anders“, sagt Krott. „Ob sie schwieriger sind als damals, sei dahin gestellt.“ Denn auch vor 25 Jahren gab es Arbeitslosigkeit, samt den Problemen, die sich für Kinder und Jugendliche daraus ergeben. Anfang der 90er sei das Ende der prosperierenden Bergbauzeit noch deutlich zu spüren gewesen. Nach wie vor sei Armut das größte Entwicklungsrisiko einer Stadt. „Wir haben uns dem schon früh gestellt“, sagt Krott. Durch Netzwerkarbeit im Sinne der Familien: „Da unterscheiden wir uns durchaus von anderen Jugendämtern.“ So sei Herzogenrath einst die erste Stadt in der Region gewesen, die dem bundesweiten Bündnis für Familien beigetreten ist.

„Nur schlecht planbar“

Große Anstrengungen habe man zudem in den Ausbau der Kita-Landschaft gesetzt, nicht nur, um dem Rechtsanspruch gerecht werden zu können, sondern auch in dem Wissen, dass ein Kitaplatz ein Kind aus prekären Verhältnissen auffangen kann. Krott: „Wir stehen mit unserem Deckungsgrad im Vergleich sehr gut da.“ Die Politik habe von den Notwendigkeiten nie lange überzeugt werden müssen, bedankt Krott sich quasi stellvertretend auch bei Detlef Knehaus (SPD), dem Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, der ebenfalls zum Treffen mit dem neuen Leitungsteam gekommen ist.

Und dennoch ist es in diesem Jahr erneut knapp geworden auf Rodas Kitaplatz-Sektor – warum? Krott verweist auf nicht absehbare Faktoren wie die Flüchtlingszuwanderung respektive eine wieder schneller wachsende Geburtenrate nach Jahren sinkender Zahlen: „Der Bedarf ist eben grundsätzlich nur schlecht planbar.“

Bislang habe es in Herzogenrath aber keine Klage zur Durchsetzung des Rechtsanspruchs gegeben, ergänzt von Wnuck: „Mit Überbelegungen und Tagespflege haben wir es immer noch so gerade geschafft.“

Befragt zu den schlimmsten Ereignissen in zweieinhalb Jahrzehnten Jugendamtsleitung stellt Krott fest: „Jede Herausnahme eines Kindes aus einer Familie ist schwer.“ Zum Glück habe man in Herzogenrath bislang nie eine der ganz schrecklichen Tragödien erlebt, die Tötung oder völligen Verwahrlosung eines Kindes im Elternhaus etwa. Jedem Hinweis ganz konsequent nachzugehen, war und ist die Devise. Aber: „Kinderschutz ist immer ein Risiko“, sagt Norbert Latz. „Bei aller Sorgfältigkeit der Arbeit – es kann immer etwas passieren.“ Weswegen man großen Wert auf die Fortbildung und Weiterqualifikation der Mitarbeiter lege. Die Frage nach den Kapazitäten beantwortet er frank und frei: „Wir haben zu wenig Personal im Sozialen Dienst. Aber wir sind dabei nachzubessern.“

Insgesamt sehe man sich aber gut aufgestellt, betont Amtsleiter Krings.

Die in all den Jahren nur geringe personelle Fluktuation im Amt zeuge ebenfalls davon, dass hier eben nicht nur standardmäßig, sondern auch zusätzlich ausgebildet werde. Gemeinsam mit der Politik sei es gelungen, mit den steigenden Fallzahlen „gut fertig zu werden“, ist Krings optimistisch, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Mit dem „Menschen im Mittelpunkt“ allen Handelns, das heißt, der sorgfältigen Sondierung, welcher pädagogische Schritt nötig ist, damit ein Jugendlicher sich gut entwickelt. Krings’ Utopie: Wie kann man es präventiv schaffen, dass kein Kind in der Stadt mehr fremd untergebracht werden muss? Norbert Latz richtet derweil das Augenmerk auf die Pflegefamilien, auf die der Soziale Dienst angewiesen ist (siehe Box).

Diverse Alleinstellungsmerkmale

Ein Blick auf die schönsten Erlebnisse darf beim Resümee einer langen Dienstzeit nicht fehlen. Krott fasst sich kurz: „Jede Einweihung einer neuen Kita war ein solches.“

Zur Bilanz gehören überdies diverse Alleinstellungsmerkmale, die das Herzogenrather Jugendamt auszeichnen: Neben dem „Netzwerk frühe Hilfen“ mit Bausteinen wie Familienpaten, Kindermahlzeit, Starke Roda Kids ist dies unter anderem die einheitliche Trägerschaft der Schulsozialarbeiter nach der Übernahme von „Sprungbrett“ – ein „Quantensprung“, wie es Dezernent Philippengracht seinerzeit kennzeichnete. Das jährliche Kostenvolumen für die zehn Schulsozialarbeiter, die an den Grundschulen und der Förderschule tätig sind: rund 590.000 Euro.

Und nicht zu vergessen ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jugendamtes mit Jugendlichen: die Mountainbike-Anlage, die unter Verantwortung der Stadt maßgeblich durch Eigenleistung der jungen Leute auf der Halde im Grube-Adolf-Park entstanden ist – und noch in diesem Sommer eingeweiht werden soll.

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