Herzogenrath: Feuerwehr nimmt an CBRN-Lehrgang teil

CBRN-Lehrgang : Feuerwehr ist für den Ernstfall gut gerüstet

Für den Ernstfall: Feuerwehr probt Chemieunfall

Alarmierung für die Herzogenrather Feuerwehr: Aus einem Metallkessel tritt eine unbekannte Flüssigkeit aus, ein Passant klagt über starke Schmerzen. Für die CBRN-Einheit gilt es nun schnell zu handeln und vor Ort die Situation zu evaluieren.

CBRN – das steht für „chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear“. Das bedeutet: Die Einsatzkräfte können mit explosiven, ätzenden und anderen hochgefährlichen Stoffen in Kontakt kommen und es kann auch Gefahr für die Bevölkerung bestehen. In Absprache mit dem Gruppenführer werden die Rollen verteilt, und davon gibt es einige. Wer sperrt den Bereich ab? Wer bildet die Angriffstrupps? Wer kümmert sich um Wasserzufuhr, Strom und den Dekontaminationsbereich? Muss die Bevölkerung über Durchsagen oder die App „Nina“ gewarnt werden? Das alles ist zu klären, noch bevor es an Bord des Einsatzfahrzeugs im schnellen Tempo an den Parkplatz am Weiher geht.

Heute besteht jedoch keine Gefahr für die Anwohner, denn es handelt sich um eine Übung des CBRN-Grundlehrgangs. Dabei werden die Brandmeisteranwärter der hauptamtlichen Wachen in der Städteregion Aachen im Umgang mit den gefährlichen Stoffen und derartigen Einsätzen ausgebildet. Diese Grundausbildung wird durch die Feuerwehr Eschweiler geleitet und bindet die Wehren aus Würselen, Alsdorf, Herzogenrath, Stolberg, der RWE-Betriebswehr und die NATO-Feuerwehr aus Geilenkirchen mit ein, erklärt der Herzogenrather Wehrleiter Achim Schwark.

Ziel sei es besonders, ihnen zu vermitteln, welche Informationen im Ernstfall für die Gruppenführer wichtig sind. Dabei sind die Einsätze gar nicht so selten, berichtet Ausbildungsleiter Markus Thewes, der die Kräfte zusammen mit seinem Kollegen Sebastian Bauermann ausbildet.

Die Einsatzkräfte versuchen den beschädigten Tank zu leeren. Dabei tragen sie spezielle Schutzanzüge. Foto: Christian Ebener

Immer wieder kommt es in Industriegebieten und in Zusammenhang mit Gefahrguttransportern zu solchen Fällen, im Stadtgebiet Herzogenrath im vergangenen Jahr immerhin zwölf Mal. Meistens könne anhand der Gefahrgutnummer schnell bestimmt werden, um welches Material es sich handelt, doch nicht immer sei das der Fall. „Die Lehrgänge sind sehr wichtig und finden immer in enger Zusammenarbeit mit Fachberatern statt. Denn auch die Technik entwickelt sich immer weiter“, betont Schwark.

Gute Laune bei den 21 Teilnehmern und Ausbildungsleiter Markus Thewes (weißes Hemd). Foto: Christian Ebener

Für die 21 Teilnehmer des Lehrgangs, die mittlerweile am Einsatzort angekommen sind, beginnt nun unter dem Blick von Thewes die Übung: Schnell wird der Gefahrenbereich abgesperrt, der nur mit einem Chemieschutzanzug (CSA) betreten und erst nach gründlicher Dekontamination wieder verlassen werden darf. Während die Anzüge angelegt werden und eine Wasserzufuhr gelegt wird, gilt die Aufmerksamkeit nun dem Passanten, der von Bauermann gespielt wird. Er klagt über zunehmende Schmerzen und muss von den Kräften beruhigt werden. Zusammen mit seinen beiden Hunden wird er gründlich dekontaminiert, während der Gruppenführer bereits (fiktiv) einen Notarzt und Veterinär alarmiert hat.

Auf der Fahrt zur Einsatzstelle werden die Rollen verteilt. Foto: Christian Ebener

Ein erster CSA-Trupp macht sich nun auf zu dem leckgeschlagenen Behälter – und findet auf dem Weg einen weiteren Verletzten, der ohnmächtig im Gebüsch liegt. Der rund 90 Kilogramm schwere Dummy wird aus der Gefahrenzone gebracht, ehe es zum Container geht und die bisher verdeckte Gefahrengutnummer sichtbar wird. Salpetersäure wäre in dem Fall die ausgetretene Flüssigkeit, bei der es sich während der Übung natürlich nur um Wasser handelt. In ihren schweren Anzügen schieben die angehenden Brandmeister Behälter unter die Lecks, die sie teils auch mit Holzkeilen einzudämmen versuchen.

Nach der Übung folgt die Nachbesprechung: Ausbildungsleiter Markus Thewes ist sehr zufrieden mit seinen Schützlingen. Foto: Christian Ebener

Dabei kann jeder Trupp nur einige Minuten seinen Job erfüllen. Das liegt einerseits an der Gefahr, dass sich Säure durch den Anzug frisst, aber auch an der großen Anstrengung. „Ein CSA-Einsatz von 1,5 Stunden ist wie ein Marathon“, vergleicht Thewes, der hier und da noch ein paar Tipps gibt, aber im Großen und Ganzen schon sehr zufrieden ist mit der Arbeit der jungen Feuerwehrmänner und einer Feuerwehrfrau. Rund eine Stunde lang wechseln sich die Angriffstrupps immer wieder ab mit der Arbeit am Kesselwagen, ehe dieser abgepumpt werden kann und eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeschlossen ist.

Die Einsatztrupps wechseln sich regelmäßig ab. Wer den abgesperrten Bereich verlässt, muss dekontaminiert werden. Foto: Christian Ebener

Dann kann Thewes die Übung beenden und die schweren Anzüge werden – sehr zur Freude der schwitzenden Feuerwehrkräfte – endlich abgelegt. In der Nachbesprechung kann der Ausbildungsleiter, der seit 2014 in dieser Rolle in der Region arbeitet, seinen Schützlingen ein gutes Zeugnis ausstellen. Mit einigen praktischen Tipps macht er ihnen Mut für ihre Abschlussprüfungen und zeigt sich vollkommen zufrieden.

Und wie es ist um den Zusammenhalt der Wehrkräfte, die immerhin aus der ganzen Region zusammengewürfelt sind, bestellt? Auch da bleiben keine Zweifel übrig. Zum Ende der Übung geht es noch einmal zum „bezwungenen“ Kesselwagen auf dem Parkplatz. Ein Gruppenfoto, großes Abklatschen und endlich Zeit für ein bisschen Quatsch am Rande nach dem professionell absolvierten Einsatz. Da muss auch Thewes grinsen: „Das ist wirklich ein sehr, sehr guter Lehrgang, es macht viel Spaß, mit denen zu arbeiten. Müsste ich mit den 20 Jungs und dem Mädel im Realeinsatz herausfahren, hätte ich keinerlei Kopfschmerzen – die Bevölkerung kann sich auf jeden Fall sicher fühlen.“

Mehr von Aachener Zeitung