Grönefeld-Preis für Christiane Florin

Grönefeld-Preis für Christiane Florin : Zwischen Frömmigkeit, Weiberaufstand und Maria 2.0

Die Person der Maria Grönefeld war Dr. Christiane Florin bis vor wenigen Wochen noch kein Begriff. Es waren aber die Fotos der ersten Leiterin des heutigen Nell-Breuning-Hauses, mit denen sich Florin sofort identifizieren konnte.

Kittelschürze und Arbeitsschuhe – dies war laut eigener Aussage „die Welt meiner Eltern”. Grönefelds Einsatz dafür, dass beispielsweise auch junge Frauen und Mädchen aus der Arbeiterschicht keinem vorgezeichneten Lebensweg folgen müssen, sondern sich aus freien Stücken für eine akademische und berufliche Laufbahn nach eigenen Wünschen widmen dürfen, beeinflusste auch Florins Vita maßgeblich.

Die in Troisdorf geborene Journalistin befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Frauenbild innerhalb der katholischen Kirche. Ihre Streitschrift „Weiberaufstand” formulierte einen beständigen und begründeten Widerspruch gegen die verkrusteten Strukturen innerhalb der klerikalen Welt. Das Kuratorium der Maria-Grönefeld-Stiftung hatte erkannt, „dass sie die Machtfrage stelle und weise auf die unfreiwillige Komik klerikaler Frauenfantasien hinweise.” Die Entscheidung, Florin mit dem Stiftungspreis 2019 auszuzeichnen fiel dereinst einstimmig.

Nun hatte sich die Festgesellschaft an der ehemaligen Wirkungsstätte Grönefelds zur Preisverleihung eingefunden. Manfred Körber, Leiter im Nell-Breuning-Haus, verwies in seiner Begrüßung auf die fundamentale Bedeutung, die gesellschaftliches Engagement wie das von Florin für die Fortentwicklung eines offenen christlichen Weltbildes habe.

In der Begründung des Kuratoriums hieß es weiter: „Florins Einsatz für Frauenrechte gegen alle Widerstände aus Amtskirche und katholischer Community ist vorbildlich.” Man sehe eine deutliche parallele zur Namensgeberin der Auszeichnung. Grönefeld habe Zeit ihres Lebens für gerechtere Bildungschancen von Frauen und Mädchen in der katholischen Kirche und den Gewerkschaften gekämpft.

Florin selbst ist derzeit Redakteurin für Religion und Gesellschaft beim Deutschlandfunk in Köln, arbeitete zuvor für den Rheinischen Merkur sowie für die Wochenzeitung Die Zeit. Ihr Werk „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen” erschien im Mai 2017 und brachte der Autorin unweigerlich heftigen Gegenwind aus katholischer-klerikaler Richtung ein.

Sie gilt als wichtige Antreiberin innerhalb der sogenannten „Maria-2.0-Bewegung” (ferner auch „Kirchenstreik” genannt), eine von Frauen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ausgehende Initiative zur Modernisierung der klerikalen Machtstrukturen. Aktionswochen fanden im laufenden Jahr bereits statt.Laudator Dr. Thomas Schüller von der Universität Münster zeichnete mit Humor und Scharfsinn die Parallelen zwischen Grönefeld und Florin nach.

Er lobte insbesondere ihre Gabe, „Dinge sprachlich genau auf den Punkt” bringen zu können. Der „Übergang zur Satire” sei in diesem Themenzusammenhang fließend und bilde ein brillantes Stilmittel, um die Widersprüche in puncto katholischer Frauenpolitik offenzulegen. In den Augen Schüllers sei Florin eine „moderne, glaubwürdige und mutige Zeugin des Evangeliums”.

Im Anschluss an die feierliche Übergabe des Preises nahmen Florin, Dr. Christina Herrmann (Nell-Breuning-Haus) und Sibylle Keupen (Frauennetzwerk Aachen) an einer von Christa Gesmann (Bildungswerk Aachen) moderierten Talk-Runde teil. Während des kurzweiligen Gesprächs wurde deutlich, dass Streitschriften wie der „Weiberaufstand” keinen Keil in die christliche Gesellschaft treiben würden, sondern vielmehr einen überfälligen und bis dato unbemerkt köchelnden Diskurs neu antreiben würden.

(yl)