Gerichtsurteil nach Überfall auf Sonnenstudio in Herzogenrath

Überfall auf Sonnenstudio : Haftstrafe statt Freispruch für die Hintermänner

Für zwei von vier Angeklagten, die sich in einem Verfahren wegen eines Überfalls auf ein Sonnenstudio in Herzogenrath am wenigsten an Strafe ausgerechnet hatten, kam es am Dienstag beim Urteil einer Jugendstrafkammer am Aachener Landgericht so richtig dicke, und das völlig unerwartet.

Denn die beiden Mitangeklagten Bastian A., der mit 20 noch unter das Jugendstrafrecht fällt, und sein 22-jähriger Mitangeklagter Nico D. hatten „nur“ auf den Rücksitzen des Fluchtwagens gesessen, als die beiden Kumpel von den Vordersitzen maskiert und mit einer – allerdings nicht schießbereiten – Schreckschusspistole am 28. Mai 2018 in das innerstädtische Sonnenstudio stürmten und die Kasse raubten.

Zwar war die Beute mit 58 Euro gering. Doch die Kammer unter Vorsitz von Richter Bülte ging in ihrem Urteil von Dienstagmittag davon aus, dass gerade die beiden bereits vorbestraften Nico D. und  Bastian A. den Plan ausgeheckt hatten und ihre bis dato noch unbescholtenen Freunde vorgeschickt hatten, um an Geld zu kommen. So kassierte Nico D. auch wegen einer noch offenen Jugendstrafe eine neue Strafe von einem Jahr und sechs Monaten, die das Gericht nicht mehr zur Bewährung aussetzte.

Der Kumpel, der in dem hinten abgedunkelten Golf mit ihm auf die Rückkehr der Frontmänner Michal M. (20) und Devin Y. (19, Altersangaben zur Tatzeit) wartete, steckte immerhin noch eine neunmonatige Jugendstrafe ein, die die Kammer nur unter Bauchschmerzen zur Bewährung aussetzten konnte. Die beiden Anwälte hatten Freispruch beantragt.

Eher milde Strafen für die Täter

„Wir haben hier in der Tat bereits den Beginn von schädlichen Neigungen feststellen können“, beschrieb der Vorsitzende der Kammer, Richter Christian Bülte, die Befürchtungen. Doch in den letzten Monaten habe Bastian A. sich ohne Beanstandungen geführt, so dass man ihm noch eine „positive Sozialprognose“ zuerkenne.

Zweifellos hätten die beiden vorbestraften Täter die Tat veranlasst und geplant, A. habe von dem Geld im Studio gewusst, und der bereits mehrfach bei Diebstählen erwischte D. habe schlicht Geld gebraucht. So kamen die beiden bislang als Haupttäter gehandelten Michael M. und Devin Y. glimpflich davon. Sie kassierten jeweils eine Jugendstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, Michael M. muss zusätzlich als Vorwarnung  eine Woche lang in einen Jugendarrest.

Die beiden Strafen fielen angesichts der hervorgehobenen Rolle der beiden aktiven Täter bei diesem Raubüberfall eher milde aus, dies auch deswegen, weil die überfallene Sonnenstudio-Mitarbeiterin die ganze Sache gut verarbeitet habe, erklärte Richter Bülte.

Die Mitarbeiterin hatte die ganze Sache zunächst für einen schlechten Scherz gehalten. Erst als Michal M. mit der Pistole auf den Tresen hämmerte, gab sie die Kassenschublade raus, das darin befindliche Münzgeld summierte sich sodann auf rund 60 Euro.

Mit dieser eher bescheidenen Beute türmten alle vier in dem Golf über die Grenze ins niederländische Eygelshoven, holten sich hier in einem Coffeeshop Joints, außerdem Schokoriegel und gegen den Durst Cola, die Waffe vergruben sie an einem Wegesrand.

(wos)
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