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Interview zum Vulkanausbruch bei Manila: „Für jeden Betroffenen benötigen wir 13 Euro“

Interview zum Vulkanausbruch bei Manila : „Für jeden Betroffenen benötigen wir 13 Euro“

„Die Asche ist das, was Dich tötet, nicht die Lava“, sagt ein Experte des amerikanischen Nachrichtensenders CNN. Der Aschestrom eines explodierenden Vulkans kann hunderte von Kilometern pro Stunde zurücklegen. Der Fachmann beleuchtet damit den möglichen bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Taal auf den Philippinen.

Ganz eng am Geschehen ist auch der pensionierte Lehrer Herbert Schmerz (72) aus Herzogenrath. Seit 1987 ist Schmerz im Verein Projektgruppe Malabon und Dritte Welt eV. Übach Palenberg tätig und auch Vorsitzender. Malabon ist ein Stadtteil der philippinischen Hauptstadt Manila. Also nur 60 Kilometer vom Vulkan entfernt. Mit dem Vorsitzenden sprach Sigi Malinowski über die aktuelle Lage.

Herr Schmerz, wie stellt sich die Situation im Moment dar?

Herbert Schmerz: Ich bin ständig durch unseren Projektleiter vor Ort, Father Boy, informiert. Wir mailen oder telefonieren mehrfach täglich. Die Behörden haben die höchste Warnstufe ausgegeben, so dass man mit dem endgültigen Ausbruch des Vulkans rechnet. In der Region sind bereits fast alle Tiere durch den Staub umgekommen und auch der Obstanbau – davon leben viele Menschen dort - ist so gut wie vernichtet. Es gibt kein Leben mehr, alles ist tot und die Menschen sind auf der Flucht.

Gab es schon mal einen Vulkanausbruch dieser Art?

Schmerz: Ja, aber der war bei weitem nicht so heftig, wie ein nächster zu befürchten ist. 1911 gab es 1.335 Tote.

Was macht die Sache denn heute so gefährlich?

Schmerz: Es ist ja nicht der Ausbruch des Vulkans allein. Man muss ja auch befürchten, dass es gleichzeitig zu einem Tsunami kommt und das dann hunderttausende Tote zu zählen sind. Man kann nur hoffen, dass es beim jetzigen Zustand bleibt. Das ist in Anführungsstrichen noch die „günstigste“ Ausgangsposition.

Wie viele Menschen sind betroffen und wie viele davon auf der Flucht?

Schmerz: Ich denke, dass etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen sind und davon waren bis Donnerstag 40.000 auf der Flucht oder in Evakuierungslagern untergebracht. Die Regierung fordert derzeit die totale Evakuierung der gesamten Region.

Was ist bei einem gänzlichen Ausbruch des Taal außerdem zu befürchten?

Schmerz: Abgesehen von den unmittelbaren Gesundheitsrisiken und strukturellen Schäden könnte ein möglicher Ausbruch langfristige Folgen für die gesamte Region haben. Es könnte auch einen schweren Schlag für die Bauern und Fischer bedeuten, die in der Gegend leben und von der See und dem umliegenden Land abhängig sind.

Wie kann die Projektgruppe helfen?

Schmerz: Ganz einfach. Wir brauchen für jeden betroffenen etwa 13 Euro. Dafür benötigen wir aber auch Spenden, denn der Verein kann das nicht allein tragen. Das Geld geht 1:1 in die direkte Hilfe. Davon können wir pro Betroffenen Decken, Schlafmatte, Handtücher, Dosennahrung und Moskitonetze kaufen. Mit einer Spendensumme von gut 10.000 Euro könnten wir schon viel bewegen.

(mali)