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Forum der Europaschule: Berliner Compagnie in Herzogenrath

Politisches Theater : Berliner Compagnie mit „Alles Fleisch“ in Herzogenrath

Das Ensemble Berliner Compagnie tritt am Samstag, 3. Oktober, um 20 Uhr im Forum der Europaschule in Herzogenrath auf.

Blitzsauber recherchiertes politisches Theater, das seinen Namen wirklich verdient, und Fakten in klug inszenierten Stücken gegen die scheinbare Übermacht der Fake-News verteidigt und dabei ohne Dogmatik die Freiheit der Zuschauer wertschätzt, das Gesehene und Gehörte in Handlung fürs eigene und gesellschaftliche Leben umzusetzen, hatte es immer schon schwer und mutet oft wie der legendäre Kampf gegen Windmühlen an. Und dazu noch ohne Subventionierung auszukommen und stattdessen immer wieder lediglich an thematisch orientierten Förderprogrammen zu partizipieren, macht absolut einleuchtend, dass man davon keineswegs vermögend werden, dafür aber unabhängig bleiben kann.

Die Rede ist vom Tourneetheater Berliner Compagnie, die sich 1981 aus freien Schauspielern verschiedener Bühnen gegründet hat und Stand heute 31 Theaterproduktionen bei über 2000 Gastspielen auf die Bühnen meist deutscher, aber auch zahlreicher europäischer Bühnen gebracht hat.

Zum letzten Auftritt der Compagnie, die danach mit ihrem Lebensthema Solidarität in den politischen Unruhestand gehen, hat nun erneut ein bewährtes Bündnis von Gruppen und Initiativen aus Aachen-Stadt und der übrigen Städteregion Aachen das Ensemble für Samstag, 3. Oktober, um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) in das Forum der Europaschule (Gesamtschule Merkstein), Am Langenpfahl 8 in Herzogenrath eingeladen, und die Gastgeber wünschen sich nichts mehr, als dass trotz Corona, weswegen auch die Proben am neuesten Stück in Berlin litten und die Premiere verschoben werden musste, alle nach Hygieneverordnung verfügbaren Plätze im Saal als Verneigung vor dieser großen Lebensleistung besetzt sind.

Bezeichnend, wie lange Theater-Weckrufe brauchen, um in konkretes politisches Handeln zu münden, ist, dass es im Jahr 1993 war, als das Veranstalterbündnis die Compagnie zum allerersten von mittlerweile nun schon 17 Malen nach Herzogenrath einlud und das Stück damals „Kein Asyl" hieß.

Welcher an Erschrecken kaum noch zu überbietende Anachronismus, wenn man sich unter anderem derzeit die verheerende Lage auf Lesbos anschaut. Verzweifeln könnte man ob dieses nicht zur Kenntnis genommenen schon damaligen Hilferufs. Anders die Compagnie: Sie machte unaufhörlich weiter und ließ in ihrer Theatergeschichte kein gesellschaftspolitisch auch noch so heißes Thema aus. Und so formulierte dann auch die profilierte Journalistin Sonia Mikich in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Aachener Friedesnpreises in 1993 über die Compagnie: „Sie machen Kunst, die verstören und sich einmischen will, die sich als Akteur begreift und nicht nur als Zerstreuung.“

Auch beim letzten Stück „Alles Fleisch“, mit dem sie schon drei Tage nach der Premiere in Bad Kreuznach direkt nach Herzogenrath kommen, bleiben sie genau dieser Linie treu. So nehmen die Besucher Anteil an den Widersprüchen innerhalb der Familie Schwarte, wo Philipp der Chef des gleichnamigen Fleischkonzerns ist, sein Bruder als Amtstierarzt arbeitet und ohnehin immer zwischen allen Stühlen sitzt, dessen Frau Marianne sich im Weltladen für den globalen Süden engagiert und deren gemeinsame Tochter Lisa eine glühende Tierrechtlerin ist.

Ihre Freundin Hanna prangert derweil die Arbeitsverhältnisse im Schwarte-Konzern an und versucht sich als Journalistin in der Lokalzeitung der kleinen Stadt zu behaupten. Wer nun hinter diesem kurzen Profilaufriss der Handlung ein wie auch immer geartetes Klischeestück vermutet, ist völlig falsch gewickelt oder hat noch nie eine Inszenierung der Berliner Compagnie gesehen. Denn dieser Riss durch die dargestellte Familie ist nichts anderes, als selbiger, der beim Thema Fleisch durch unsere ganze Gesellschaft geht.

Der Peru-Arbeitskreis der Pfarre St, Josef in Herzogenrath-Straß, die KAB und der Katholikenrat, sowie das Euregioprojekt Frieden Aachen und das Evangelische Erwachsenenbildungswerk im Kirchenkreis Aachen und auch Attac-Wurmtal in Herzogenrath stemmen gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben- Partnerschaft für Demokratie" über das Weiterbildungsprogramm der VHS Aachen die Aufführung finanziell und organisatorisch.

Bei allen genannten Gruppen des Trägerbündnisses gibt es Tickets zum Vorverkaufpreis von 13 Euro. In Herzogenrath können die Karten darüber hinaus an der Infothek im Rathaus sowie in den Buchhandlungen Katterbach erworben werden. Telefonische Vorrservierung besonders für auswärtige Besucher nimmt für den Peru-Arbeitskreis Wilfried Hammers unter Tel. 02406/2255 (auch AB) oder E-Mail: wilfriedhammers@aol.com bei Nennung der Kontaktdaten entgegen. An der Abendkasse sind 15 Euro zu zahlen, wobei Schüler, Studenten, Erwerbsarbeitslose und Gehandicapte nur jeweils den halben Preis zu entrichten haben.