Flüchtlingshilfe in Herzogenrath: Unterstützung von Mensch zu Mensch

Herzogenrather Flüchtlingshilfe : Unterstützung von Mensch zu Mensch

Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge war groß, Menschen spendeten Kleidung, Ehrenamtliche engagierten sich in Unterkünften oder gaben Deutschkurse, und die Kanzlerin war sicher: „Wir schaffen das.“

Seitdem ist viel passiert, vor allem sind die Menschen, die bei uns Zuflucht suchten und suchen, etwas aus der allgemeinen Aufmerksamkeit verschwunden. Und mit ihnen auch die Helfer.

Die Flüchtlingsberatung Herzogenrath in Trägerschaft des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen und der evangelischen Lydia-Gemeinde Herzogenrath hat daher die Gelegenheit genutzt, sich und ihre Arbeit auf dem Kohlscheider Wochenmarkt noch einmal ins Blickfeld zu rücken. „Die katholische Pfarrgemeinde Christus unser Friede hat einen Stand für den Wochenmarkt, den sich Gruppen ausleihen können und den wir nutzen durften“, erklärt Britta Schwering, Leiterin der Flüchtlingsberatungsstelle. Zwischen der evangelischen und der katholischen Gemeinde gibt es eine gute, gewachsene Zusammenarbeit, gerade in der Flüchtlingsarbeit. Sie ist ein Bestandteil des kürzlich geschlossenen ökumenischen Partnerschaftsvertrages zwischen den Gemeinden.

„Die Resonanz ist gut“

Ausgerüstet mit Infomaterialien, Kaffee, Wasser und selbstgebackene Plätzchen, die Mitglieder des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe gespendet hatten, suchten die hauptamtlichen Mitarbeiter der beiden Beratungsstellen in Kohlscheid und Merkstein sowie einige Ehrenamtliche das Gespräch mit den Marktbesuchern.

„Die Resonanz ist gut, viele bleiben stehen, haben Fragen, was wir machen, wo und wie Hilfe noch gebraucht wird“, fasst Britta Schwering zusammen. „Es ist gut, dass die Unterstützung der Bevölkerung ungebrochen ist“, ergänzt Pfarrer Frank Ungerathen, der die Flüchtlingsberatung unterstützt. Deutschland habe es in den Jahrzehnten seit Ende des Zweiten Weltkrieges geschafft, Millionen Binnenflüchtlingen, Spätaussiedlern und Migranten eine Heimat zu geben.

In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Zwar seien die Zahlen der Zuweisungen zurückgegangen, die großen Notunterkünfte nicht mehr notwendig, doch es gibt weiterhin städtische Unterkünfte, die Menschen leben nach wie vor im Stadtgebiet, nun jedoch größtenteils in Wohnungen. „Die Menschen, die zu uns in die Beratung kommen, haben immer noch Fragen und benötigen Unterstützung, nur in etwas anderer Form. Die einfachen Fälle sind gelöst, was wir jetzt haben, sind die komplizierteren“, erläutert Britta Schwering.

Stabile Helferzahl

Und auch sonst gibt es noch viel zu tun. Der Ehrenamtlichen-Kreis, der seit drei bis vier Jahren stabil aus etwa 50 Leuten besteht, übernimmt „Laufarbeit“. Die Ehrenamtlichen begleiten zu Behörden oder Ärzten, helfen bei der Wohnungssuche oder Sprachvermittlung. „Wenn Integration gelingen soll, brauchen wir aber noch mehr Menschen, die sich engagieren. Wir haben viele Anfragen“, sagt Sidonie Tchaptchet, eine der Flüchtlingsberaterinnen. Die persönliche Unterstützung von Mensch zu Mensch sei wichtig, um wirklich ankommen zu können.

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