Festival "Tanzende Stadt" begeistert Herzogenrath

Festival in Herzogenrath : „Tanzende Stadt“ sorgt für verwirrte Gesichter und viele Emotionen

Hände, die Geschichten erzählen, und eine Eisendose als Symbol für den weiblichen Körper: Das Festival „Tanzende Stadt - Danse en ville“ begeisterte wieder die Zuschauer in Herzogenrath.

„Oma, was machen die da? Ich verstehe das nicht“, fragt ein kleines Mädchen, als sie die vielen Schuhe sieht, die auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz auf dem Boden liegen. Plötzlich erklingt Musik und irgendwo in der Ecke steht jemand und tanzt. Das kleine Mädchen ist nun mehr als verwirrt. Genauso wie einige weitere Passanten. Doch das ist die Ausnahme, denn die Mehrheit der Menschen auf dem Platz ist genau für diese Tanzeinlagen gekommen. Zum 15. Mal findet das Festival „Tanzende Stadt – Danse en ville“ bei strahlendem Sonnenschein auf dem geräumigen Platz mitten in Herzogenrath statt.

„Was soll das denn jetzt?“

Das Festival begeistert mit seiner Euregio-Tour schon seit 2005 das Publikum in Deutschland und Belgien. Organisiert und initiiert wird das Spektakel jährlich von der Compagnié Irene K.. Dieses Jahr konnte das Publikum sechs Tänze verschiedener Künstler betrachten. Jeder Tanz war individuell, erzählte eine Geschichte und verschmolz mit dem Aufführungsort.

Den Anfang machten die zwei jungen Männer von Forces Vives, die ihre Geschichte mit den Händen erzählten. Hände, die sie suchen, die sie verlassen, oder Hände, die helfen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Musik ließen sich die Tänzer nicht von der Darbietung abbringen und tanzten einfach ohne Musik.

Bei der nächsten Nummer wurde es etwas spezieller. Das konnte man auch an der Reaktion des Publikums betrachten. Wildes Kopfschütteln, ein vereinzeltes „Was soll das denn jetzt?“ hier und da. Die Tänzerin hält eine Eisendose vor ihr Gesicht und räkelt sich wild auf dem Boden. Dann fängt sie an zu lachen, zu weinen und zu schreien. Was für viele überhaupt keinen Sinn ergibt, ist für die anderen pure Kunst. Denn die Tänzerin stellt den weiblichen Körper dar. Der zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit, Mut und Angst hin und her gerissen ist.

Auch das Selbstportrait der nächsten Tänzerin drückt diesen inneren Konflikt aus. Wer bin ich eigentlich? Fragt Rima Pipoyan sich, als sie diese Emotionen tänzerisch ausdrückt. Darauf folgte die Darbietung der vier Tänzer von Frontier Danceland aus Singapur. Obwohl sie zu viert tanzten, stellen sie in „Into outside“ doch die Macht des Individuums dar.

Einen Tanz zwischen zwei Liebenden, voller Emotionen, zeigten Partir ou reste. Sich gegenseitig anziehen, voller Angst zurückweichen und erschöpft wieder zueinander finden. Karolina Kardasz und Dominique Schmitz schafften es, das Publikum, das vorher noch teilweise kopfschüttelnd dastand, in ihren Bann zu ziehen. Zum krönenden Abschluss zeigte Marvel eine Inszenierung von übernatürlichen Fähigkeiten. Irene K. und ihre Tänzerinnen und Tänzer haben es geschafft, die Herzogenrather zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie Tanzen zu einer Kunst werden kann, in der man seine Emotionen und Gefühle ausdrückt und ohne zu reden eine Geschichte erzählen kann.

Auch nächstes Jahr soll das Festival wieder nach Herzogenrath kommen. Dann aber vielleicht nicht nur auf den Ferdinand-Schmetz-Platz: „Wir haben entdeckt, dass Herzogenrath auch tolle andere Plätze hat. Also lasst euch überraschen, was es nächstes Jahr so zu entdecken gibt“, sagt Alena Deckers von Irene K.