Ehrenamtliche Kurlotsinnen in Herzogenrath

Kuren für Mütter oder Väter : Wenn alles über den Kopf zu wachsen scheint

Wenn man sich dem Alltag nicht mehr gewachsen fühlt, einem alles über den Kopf wächst, man ständig erschöpft ist, ist es höchste Zeit, an Stellschrauben zu drehen, um die täglichen Herausforderungen wieder bewältigen zu können.

Mütter und Väter laufen besonders schnell Gefahr, an diesen Punkt zu gelangen, weil sie Kinder, Beruf und vielleicht noch pflegende Angehörige unter einen Hut bringen müssen. Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, erhöhte Infektanfälligkeit sind häufige Symptome, die als Alarmzeichen ernst genommen werden sollten.

Eine Mutter/Kind- respektive Vater/Kind-Kur kann wichtige Hilfe sein. Die Kurberatung des Caritasverbands bietet praktische Unterstützung, mit Informationen zu den Voraussetzungen und Tipps, um das Antragsverfahren bei den Krankenkassen zu durchlaufen. „Wir helfen auch beim potenziellen Widerspruchsverfahren“, sagt Monika Jentzen-Stellmach, beim Caritasverband unter anderem für die Kurberatung zuständig. Ein probates Gesundheitsangebot für Eltern, das in Herzogenrath und einzigartig in der Städteregion durch drei ehrenamtliche Kurlotsinnen von „Moliri“, der Servicestelle für Familiengesundheit, ergänzt wird.

Ingrid Smeijsters aus Kerkrade ist eine der Ehrenamtlerinnen. Im Familienzentrum Altes Zollhaus in Kohlscheid bietet sie persönliche Beratungsgespräche an. Und stellt immer eines sofort klar: „Wenn jemand überfordert ist, ist das kein Grund, sich schuldig zu fühlen!“ Denn in einer immer schnelllebigeren Zeit wachse der Druck aus allen Ecken, beschreibt sie. Schon Kinder haben volle Terminkalender, die es gilt zu organisieren, Beruf und Partner erfordern ebenfalls die nötige Aufmerksamkeit. Alles soll perfekt funktionieren. „Und es ist eben immer noch so“, so Smeijsters, „die Hauptlast des Familienalltags ruht auf den Schultern der Mütter.“

Was nicht heißt, dass nicht auch Väter betroffen sein können. Denn bei Alleinerziehenden bleibt eben alle Last an einer Person hängen. Der Alltag wird zum dicht getakteten Ablauf, jedes unvorhergesehene Ereignis ist krisenträchtig. „Ein 24-Stunden-Job mit Nachtarbeit und ohne Urlaubsanspruch“, wie Smeijsters, selbst Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern, zusammenfasst.

„Wenn dann noch Krankheit, Probleme mit dem Partner oder Geldnot hinzukommen“, so Jentzen-Stellmach, können die Betroffenen ganz aus der Bahn geworfen werden. „Gerade Trennung oder Scheidung sind mit hoher emotionaler Belastung verbunden“, sagt Smeijders: „Es ist schon heftig, was manche Frauen mitmachen müssen.“ Viele setzten sich dann selbst unter Druck, auf keinen Fall krank zu werden – um nicht auch noch den Job zu verlieren. Ein teuflischer Kreislauf, den es gilt zu unterbrechen.

Durch gute Beratung und eine Kur. Laut Datenreport des Müttergenesungswerks haben im vergangenen Jahr bundesweit 131.000 Mütter und rund 6000 Väter eine der rund 1200 Beratungsstellen aufgesucht, 65.000 haben einen Kurantrag gestellt. Um in geeigneten Kurhäusern mit Kinderbetreuung (in Absprache mit den Schulen können Kinder bis 12 Jahre dabei sein) sich drei Wochen lang nicht nur mal selbst an einen gedeckten Tisch setzen zu können, sondern auch in alltagstauglichen Kursen zu lernen, wie man Stress vermeiden, den Alltag neu strukturieren, sich auch mal um sich selbst kümmern und zudem vielleicht seine eigene Anspruchshaltung zu den Dingen anpassen kann. Wichtig ist dabei der Austausch mit anderen Betroffenen, um zu erkennen, dass man mit Problemen und Überforderung nicht alleine ist. „Für viele ist auch das eine wichtige Erfahrung“, sagt Smeijsters.

Die sich im Zuge ihres ehrenamtlichen Einsatzes dann über jedes positive Feedback freut: „Es macht glücklich, wenn man anderen etwas geben kann!“

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