Claudia Valdix ist neue Vorsitzende des Stadtsportverbandes Alsdorf

Interview mit Claudia Valdix : „Bei allem was wir verändern wollen, brauchen wir Geduld und Ausdauer“

Claudia Valdix ist die neue Vorsitzende des Stadtsportverbandes Alsdorf (SSV). Als erfahrene Leistungssportlerin hat sie einen „langen Atem“, den sie auch in ihrer neuen Funktion gut einbringen kann, wie sie im Interview verrät.

Es gibt eine Geschichte über sie, die charakterisiert sie ganz treffend. An einem Samstag gab sie ihrem Mann und Vater ihres achtjährigen Sohnes Noel das Ja-Wort, feierte ausgelassen ihre Hochzeit bis tief in die Nacht und startete nur wenige Stunden später, am Sonntagmorgen kurz nach 8 Uhr, beim Duathlon in der Alsdorfer Innenstadt – und gewann diesen mit großem Vorsprung vor ihren Konkurrentinnen. Claudia Valdix, die viele Sport- und Leichtathletik-Fans noch als Claudia Leschnik (unter anderem Deutsche Meisterin über 5000 Meter, achter Platz in ihrer Altersklasse über 5000 Meter bei den Europameisterschaften, Deutsche Vize-Meisterin über 800 Meter) in bester Erinnerung haben, wurde jetzt zur neuen Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Alsdorf (SSV) gewählt. Über ihre Ziele als Amtsträgerin, ihr junges Vorstandsteam und den „langen Atem“, den sie als ehemalige Leistungssportlerin mit in den Verband einbringen will, sprach unser Mitarbeiter Holger Bubel mit der 38-jährigen Regionalverkaufsleiterin einer Gebäudetechnik-Firma.

Frau Valdix, was hat Sie eigentlich dazu bewogen, das Amt der Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Alsdorf zu übernehmen?

Claudia Valdix: Alsdorf entwickelt sich, wird schöner und moderner. Allerdings lag der SSV im Vergleich dazu ziemlich flach. Das hatte verschiedene Gründe. Er existierte, wurde aber von den Vereinen nicht mehr als wichtig empfunden. Dadurch, dass ich für die ATG Aachen und die DJK Herzogenrath gelaufen bin, habe ich erkennen können, was dort der SSV alles auf die Beine gestellt hat. Da habe ich mir gedacht, dass wir das in Alsdorf doch auch bringen könnten.

Sie haben jetzt ein recht junges Vorstandsteam an Ihrer Seite. Welche Erwartungen haben Sie an diese neuen Vorstandsmitglieder?

Valdix: Ja, wir haben ein junges, dynamisches Team. Aber auch mit erfahrenen alten Hasen. Unter ihnen ist mein Vater Norbert Leschnik, oder auch der stellvertretende Bürgermeister Friedhelm Krämer. Beide sind im Sport und den Vereinen „zu Hause“. Auch einige städtische Angestellte sind im Vorstand. Da setze ich auf ihr Know-how, etwa auch in bürokratischen Abläufen. Ich freue mich auf die Ideen, die jeder mit in das Team und in die Vorstandsarbeit einbringen wird.

Sie hatten große Erfolge als Einzelsportlerin. Sind Sie trotzdem ein Team-Player?

Valdix: Zugegeben: Ich liebe es, selbst entscheiden zu können, ob ich gewinne oder verliere. Über Sieg oder Niederlage entscheide ich selbst und bin mit meiner Leistung dafür verantwortlich. Aber ich bin auch ein 100 prozentiger Teamplayer, was ich schon einige Male bewiesen habe. Ob beruflich oder privat, bin ich immer für ein Miteinander und Füreinander. Seit etwa einem Jahr trainiere ich zum Beispiel eine kleine Frauen-Gruppe. Da steht nicht der sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern die Freude an der Bewegung und am gemeinsamen Sport. So etwas als Gruppe zu erleben, ist mir wichtig.

Als Ausdauer-Sportlerin haben Sie „einen langen Atem“. Wird Ihnen dieser bei der Ausübung Ihres Amtes helfen?

Valdix: Ich denke schon. Bei allem, was wir verändern wollen, brauchen wir Geduld und Ausdauer. Von heute auf morgen werden wir nichts bewegen können. Wir gehen Schritt für Schritt gemeinsam nach vorn. Da kann man schon vom nötigen „langen Atem“ sprechen.

Wie beurteilen Sie die Vereinslandschaft in Alsdorf?

Valdix: Die Vereinslandschaft hat sich in den letzten Jahren verändert, sie ist im Umbruch, weil immer weniger Menschen ehrenamtlich in einem Vorstand arbeiten wollen. Dadurch mussten bereits einige Vereine zusammengeführt werden. So sind von ehemals 14 Fußballvereinen nur noch acht aktive Clubs in Alsdorf übrig. Eine ähnliche Situation zeichnet sich beim Schwimmsport ab. Hier soll ja das Luisenbad geschlossen und ein neues gebaut werden. Das sollte man genau beobachten.

Was erwarten Sie von den Vereinen, was können wiederum Sie für die Vereine tun?

Valdix: Erwarten ist vielleicht das falsche Wort. Ich wünsche mir eher, dass jeder uns eine Chance gibt; dass man uns wieder wahrnimmt und wir der erste Ansprechpartner für unsere Mitglieder sind. Dass der SSV bei Problemen und deren Lösungen mit involviert wird, damit wir zum einen die Probleme der Vereine überhaupt kennenlernen und sie zum anderen unterstützen können. Es wäre schön, wenn wir wieder zu den Veranstaltungen der Vereine eingeladen würden und so unsere Loyalität zeigen könnten. Wir möchten uns für die Bedürfnisse unserer Mitglieder stark machen. Das gilt auch etwa bei der Unterstützung bei Förderanträgen und ähnlichem bürokratischem Aufwand.

Wie wollen Sie die Vereine motivieren, aktiver mitzuwirken?

Valdix: Wir müssen ihnen klar machen, dass viele Dinge immer nur gemeinsam geregelt werden können. Wenn ich als Verein etwa Fördermittel haben möchte, muss ich Mitglied im SSV und im Landessportbund sein. Aber nicht nur Fördermittel sollen im Vordergrund stehen, wir wollen Altes, Eingeschlafenes wieder ins Leben zurückholen, wie etwa den „Ball des Sports“ oder die Städtevergleichskämpfe. Aber – ich wiederhole mich – so etwas schaffen wir nur gemeinsam und füreinander.

Welche Pläne haben Sie kurzfristig. Und wohin soll es auf lange Sicht mit dem Verband gehen?

Valdix: Aktuell steht unser erstes Herbstfest an (siehe Infobox). Außerdem arbeiten wir an unserer Homepage und an einem Facebook- und Instagram-Auftritt. Damit wollen wir möglichst viele Menschen erreichen und informieren. Für 2020 plant die Stadt Alsdorf gemeinsam mit dem Regiosportbund Aachen für den Sommer „Sport im Park“ zu initiieren. Als SSV wollen wir uns da natürlich aktiv mit einbringen. Auch beim Projekt „Moderne Sportstätte 2022“ wollen wir für die Vereine Ansprechpartner sein und sie unterstützen. Alsdorf ist eine Sportstadt – und eine solche braucht einen starken Stadtsportverband.

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