75 Jahre Befreiung Kerkrade:Gedenkfeier auch in Herzogenrath

75 Jahre Befreiung Kerkrade : Sichtbare Zeichen der Versöhnung gesetzt

75 Jahre Befreiung vom Nazi-Regime: Gedenkfeier in Herzogenrath und Friedenswache in Kerkrade mit deutscher Delegation

Mit blauen und gelben Fingerabdrücken sind die Städtefreundschaft und das Bekenntnis zu Europa neu besiegelt worden: 75 Jahre ist es her, dass die Gemeinde Kerkrade durch die 30. US-Infanterie-Division Old Hickory vom Nazi-Regime befreit worden ist. Vorausgegangen war die Evakuierung der Gemeinde durch die deutsche Heeresleitung. Mit Sack und Pack auf Fahrrädern und Handkarren machten sich 30.000 Einwohner am 25. September 1944 auf ins bereits befreite Heuvelland. Aufgrund eines Irrtums geriet der lange Flüchtlingstreck bei Imstenrade in deutsches Granatfeuer, es gab 13 Tote und viele Verletzte. Erlebnisse, die bis heute die Erinnerung der Menschen prägen. Das kam auch bei der Friedenswache in der Friedenskapelle an der Hoofdstraat in Kerkrade am Jahrestag der Evakuierung zum Ausdruck. Den ganzen Tag über gab es Wortbeiträge, Musik und Gebete. An der Feierstunde am Abend beteiligten sich schließlich auch Schüler des Gymnasiums Herzogenrath. Zuvor hatten über die Grenze hinweg die Kirchenglocken geläutet.

Nach eindringlichen Augenzeugenberichten darüber, wie es seinerzeit war, innerhalb weniger Stunden sein Haus und sein Dorf verlassen zu müssen, trugen die Schüler Gedichte vor. Niederländisch-Schülerin Amira Khouja (17) sogar in Landessprache. Mara Wörsdörfer, Thorsten Hunds und Manuel Frohn (alle 15) trugen Brechts Lied „Und was bekam des Soldaten Weib?“ vor.

Leonie von Ondarza und Jakob Helzle vom Schulorchester des Gymnasiums Herzogenrath spielten in der Kerkrader Friedenskapelle die Filmmusik aus „Schindlers Liste“. Foto: Beatrix Oprée

„Wir feiern den Frieden, und das Kapital für den Frieden ist unsere Jugend“, sagte Reinhard Granz, Vorsitzender des Herzogenrather Städtepartnerschaftskomitees, in der Kerkrader Kapelle. Froh ist der frühere Leiter des Gymnasiums darüber, dass sich viele Jugendliche aus Herzogenrath so intensiv mit dem Thema Frieden beschäftigen. Musikalisch unterstrichen das Leonie von Ondarza und Jakob Helzle vom Schulorchester des Gymnasiums, die auf Violine und Bratsche die Filmmusik aus „Schindlers Liste“ spielten. Auch Kerkrades Bürgermeisterin Dr. Petra Dassen-Housen und ihr Herzogenrather Amtskollege Christoph von den Driesch würdigten die freundschaftlichen Bande der Städte. Gedichte und Geschichten wie die vorgetragenen seien wichtig und sollten von Generation zu Generation weitergetragen zu werden, um daraus zu lernen, sagte Dassen-Housen. Und von den Driesch betonte die Bedeutsamkeit von Frieden, Freiheit und Toleranz für Europa und die Welt.

Hans Schillings, Vorsitzender der Kerkrader Oranje-Vereinigung, mahnte: „Frieden beginnt hier, in unserer Stadt, unseren Schulen, unseren Häusern.“ Und er freute sich darüber, dass am 5. Oktober in Kerkrade nicht nur der 100. Jahrestag der Oranje-Vereinigungen in den Niederlanden gefeiert werde, sondern sich zum Zeichen des Zusammenwachsens in Herzogenrath unter Beteiligung der Schüler auch die erste deutsche Vereinigung dieser Art gründen wird.

Bereits im Vorfeld hatte am Mittwoch auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz in Herzogenrath ebenfalls eine Friedensfeier stattgefunden, die in die Gestaltung zweier Leinwände mit Fingerabdrücken der Teilnehmer in den Farben Europas mündete. Die jungen Musiker des Gymnasiums waren bei den Musikbeiträgen noch durch Nico Robertz von der Harmonie Cäcilia an der Trompete sowie René Koerfer-Losen, Gitarre, und Reinhard Granz, Keyboard, unterstützt worden. In seiner Rede hatte von den Driesch dargelegt, dass es keinesfalls selbstverständlich sei, dass die Herzogenrather Delegation an den Befreiungsfeierlichkeiten in Kerkrade teilnehme und dies als klares Zeichen der Versöhnung zu verstehen sei.

Gedichte zum Thema europäische Einigung rezitierten die Schülerinnen Maxime De Laat, Albesa Beka und Farah Omeirat (9d).