72-Stunden-Aktion "Uns schickt der Himmel" in Herzogenrath

„Uns schickt der Himmel“ : Jugendliche legen sich bei 72-Stunden-Aktion mächtig ins Zeug

In 72 Stunden die Welt ein Stückchen verbessern. Das klingt nach einer umfangreichen Aufgabe, doch die Jugendlichen in der Städteregion zeigen, wie es wunderbar funktionieren kann.

Die 72-Stunden-Aktion mit dem Titel „Uns schickt der Himmel“ ist eine deutschlandweite Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und seiner Verbände.

Bei der 72-Stunden-Aktion wurden von Donnerstag 17.07 Uhr bis Sonntag 17.07 Uhr verschiedene soziale Projekte im eigenen Nachbarschaftsraum umgesetzt. Insgesamt 750 Jugendliche in der Städteregion und 130.000 Jugendliche deutschlandweit haben im gemeinschaftlichen Einsatz mit- und füreinander die 72 Stunden genutzt, um Gutes zu tun. „Die Wertschätzung von allen Seiten ist dabei beeindruckend. Die Jugendlichen merken, dass sie mindestens genauso viel zurückbekommen, wie sie geben. Sie lernen neue Menschen kennen und sehen, dass sie selbst durch simple Aktionen etwas gutes tun“, sagen Anne Sarnes und Buddy Paggen, die die Aktion in der Städteregion ein Jahr lang organisiert haben.

Auch die zehn teilnehmenden Gruppen im Aachener Nordkreis haben ihre vielseitigen Projekte erfolgreich abgeschlossen. Die Messdienerinnen und Messdiener GdG Alsdorf bauten im Rahmen des Musikprojektes „Jung und Alt“ gemeinsam mit Bewohnern der Seniorenwohnanlage an der Stadthallte Alsdorf verschiedene Rhythmusinstrumente, machten gemeinsam einen Musikworkshop und gestalteten damit die Sonntagsmesse.

Mit Seniorinnen und Senioren beschäftigte sich ebenfalls die KOT St. Sebastian: Am Freitag backten mehrere Jugendliche den Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenparks Carpe Diem in Würselen Kuchen und unterhielten sich über Themen wie Smartphones oder lauschten aufmerksam den Lebensgeschichten der Seniorinnen und Senioren. „Die Bewohner haben hier oft nicht so viel Abwechslung und einen tristen Alltag. Den wollen wir heute schön gestalten und ihnen einfach etwas zurückgeben. Jung und Alt können hier gut von einander lernen und alle freuen sich, den Nachmittag miteinander zu verbringen“, betont Laura Siemons von der KOT. Die 14 teilnehmenden Kinder haben den Seniorinnen und Senioren sogar Window-Color-Bilder gemalt, womit sich die Bewohnerinnen und Bewohner dann die Fenster schmücken können.

Pfadfindern und Messdienern in Kohlscheid wünschten Bischof Johannes Bündgens (2. v.r.) und Pfarrer Rainer Thoma (r.) viel Erfolg und Spaß zum Start der 72-Stunden-Aktion. Foto: Anna Louisa Goblirsch

Auch das Jugendzentrum HOT in Herzogenrath besuchte ein Seniorenheim mit selbstgebackenen Kuchen im Gepäck. Hier wollen sie sich besonders bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die auch am Wochenende und nachts arbeiten.

Die Messdienerinnen und Messdiener „Christus unser Friede (CuF)“ in Kohlscheid pflegten auf den Kohlscheider Friedhöfen die Gräber und Kriegsgräber, bei denen die Angehörigen das nicht mehr können. Gemeinsam mit den Pfadfindern der DPSG feierten die Messdienerinnen und Messdiener am Donnerstag die Eröffnung der 72-Stunden-Aktion mit dem Weihbischof Dr. Johannes Bündgens. Alle fünf Jahre besucht der Bischof von Aachen die Gemeinden in seinem Bistum zur sogenannten Visitation. Dabei will er sich einen Eindruck verschaffen vom Leben der Gemeinde vor Ort, aber von möglichen Problemen erfahren.

Zu Beginn der 72-Stunden Aktion bedankte sich Weihbischof Johannes Bündgens und der Kohlscheider Pfarrer Rainer Thoma bei den Jugendlichen für deren besonderen Einsatz und hob besonders hervor, wie engagiert und motiviert die jungen Leute bei der Sache sind. „Hier sieht man, dass Jugendliche mehr sind, als Smartphones und Internet. Das Engagement und die Unterstützung ist wirklich großartig“, betont Bündgens.

Die DPSG Kohlscheid nutzte ihre 72-Stunden ganz im Sinne der Ökologie und Nachhaltigkeit. Mit verschiedenen Projekten brachten sie den Jugendlichen bei, wie sie sich für die Umwelt einsetzen können und mit welchen Kleinigkeiten sie helfen können, diese zu verbessern. Bei dem Herstellen von Blumensamen-Bomben und dem Bauen von Insektenhotels lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel über Insekten und deren Lebensraum. Eine andere Gruppe lernte an der Wurm bei einem Wasser-Workshop, wo welche Lebewesen im Wasser leben und bauten direkt einen natürlichen Wasserfilter, um den Lebensraum der Fische noch besser zu gestalten. Bei der Müllsammlung im Wald kamen allein bei der ersten Runde von Zwei über 500 Teile an Müll zusammen.

Viele der teilnehmenden Gruppen konzentrierten sich darauf, alte oder langweilige Spielplätze zu verschönern. Die KOT St. Castor in Alsdorf verschönerte dabei die Spielplätze am Fridtjof-Nansen-Ring. Der CAJ Aachen baute einen Niedrigseilgarten, Kräuterbeete, eine Feuerstelle und ein Tejo-Spielfeld für das kolumbianische Wurfspiel auf einen alten Spielplatz in Herzogenrath, wo vorher keine Geräte mehr standen. Das Gelände soll in Zukunft für die Jugendarbeit der Stadt Herzogenrath zur Verfügung stehen und für die pädagogische Gruppenarbeit des Nell-Breuning-Haus genutzt werden. Der DPSG Stamm Bardenberg verschönerte den Spielplatz in der Bergstraße in Merkstein. Hier errichteten die Jugendlichen gemeinsam mit vielen Helfern einen neuen Spielturm mit Rutsche, sowie neue Bänke und einen neuen Platz für die Tischtennisplatte.

„Wir freuen uns, so viel Unterstützung zu bekommen. Die örtlichen Supermärkte und Bäckereien unterstützen uns zum Beispiel mit Lebensmitteln und Getränken“, sagt Nadine Völker von der DPSG. Teilweise mit Unterstützung der städtischen Mitarbeiter ging es daran, den Spielplatz herzurichten. Dabei setzen die Pfadfinder auch Finanzmittel ein und beschaffen aus ihrer Kasse Pflastersteine, Randsteine und eine Bank. Den großen neuen Spielturm und die Palisaden finanziert die Stadt Würselen. Der DPSG hofft, dass am Ende auch noch der ein oder andere Euro übrigbleibt. Den wollen sie dann dem Kinderhospizdienst in Aachen zukommen lassen.

Die 7. Klasse der Förderschule Käthe-Kollwitz-Schule Herzogenrath hat das Theaterstück „Regenbogenfisch“ vorbereitet und es als buntes Schattenspiel inszeniert. Am Freitagmorgen führten sie es vor der Kita St. Monika in Aachen Brand auf. „Für die Schüler bedeutet das, einmal über den Tellerrand zu schauen und nicht nur in ihrem bekannten Umfeld zu bleiben, sondern völlig fremden Leuten und Kindern gegenüber zu treten und sich auf diese einzulassen.

Zu solch einem Projekt gehört somit nicht nur Vorbereitung und Auftritt, sondern auch das Planen und in Kauf nehmen der Hin- und Rückfahrt mit Bus und Bahn. So werden alle auch selbstständiger in Hinblick auf die anstehende Berufsvorbereitung“, betont Sigrid Cosler, Lehrerin für Sonderpädagogik.

Mitgemacht bei der Aktion haben außerdem die KjG Baesweiler-Beggendorf und die Ministrantengemeinschaft St. Willibrord Herzogenrath-Merkstein. Insgesamt ist eins stark aufgefallen: Wichtig ist der gemeinsame Einsatz für andere oder mit anderen. Die Jugendlichen hatten bei allen Projekten viel Spaß und haben ausschließlich große Wertschätzung zurückbekommen.

(logb)
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