Prozessauftakt: 51-jähriger Herzogenrather soll Kinder missbraucht haben

Prozessauftakt : 51-jähriger Herzogenrather soll Kinder missbraucht haben

Am Aachener Landgericht beginnt am Mittwoch der Prozess gegen den einschlägig vorbestraften Martin G. Ein Opfer ist die zehn Jahre alte Tochter seiner Freunde.

Der erste Fall ereignete sich im Skiurlaub, Martin G. war Ende 2016 mit Freunden in Bernau im Südschwarzwald unterwegs, tief unten im äußersten Südwesten der Republik. Am Morgen des 1. Dezember, einem Donnerstag, soll Martin G. die damals zehn Jahre alte Tochter seiner Freunde zu sich ins Bett gebeten, sie gestreichelt haben und schließlich mit einem Finger in sie eingedrungen sein. So ging es damals los.

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat vor einigen Wochen Anklage gegen den heute 51 Jahre alten Martin G. wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes im beschriebenen Fall und wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 36 weiteren Fällen erhoben. Am Mittwoch beginnt um 9 Uhr der Prozess in Saal A1.002 des Aachener Landgerichts.

Bewährungsstrafe 2008

Martin G., der in Untersuchungshaft sitzt, ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt, er ist einschlägig vorbestraft. Im März 2008 verurteilte ihn das Amtsgericht Jülich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe, die damals zur Bewährung ausgesetzt wurde. Da Martin G. in der Zeit seiner Bewährung straffrei blieb, musste er nicht ins Gefängnis.

Die Eltern des zehnjährigen Mädchens hatten 2016 von dem Vorfall in Bernau wohl nichts erfahren, jedenfalls kam es zu vielen weiteren Begegnungen zwischen Martin G. und dem Kind. Offenbar übernachtete Martin G. öfters bei den Eltern des Mädchens oder die Eltern samt Tochter bei ihm, obwohl alle Beteiligten in Herzogenrath leben, wie Landgerichtssprecher Thomas Birtel auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Jedenfalls soll es zwischen Ende 2016 und Herbst 2018 zu 32 weiteren Fällen von sexuellem Missbrauch gekommen sein. In jedem dieser Fälle habe Martin G. die Tochter seiner Freunde an Beinen und Gesäß gestreichelt, sagte Richter Birtel.

Eine resolute Richterin

Ein 33. Fall von sexuellem Missbrauch soll sich in einem weiteren Skiurlaub in Bernau ereignet haben, im 34. Fall war eine Freundin der Tochter zu Besuch, als Martin G. wieder bei der Familie übernachtete. Dabei soll er die Freundin der Tochter in sein Bett gebeten und in gleicher Weise gestreichelt haben wie zuvor die Tochter seiner Freunde. Auch diese Freundin war zu diesem Zeitpunkt jünger als 14 Jahre, im Sinne des Strafgesetzbuches also noch ein Kind.

Im 35. Fall bat Martin G. die Tochter zusammen mit der Freundin in sein Bett. Wieder soll er beide Mädchen an Beinen und Gesäß gestreichelt haben. Und im 36. Fall besuchte diese Freundin später Martin G. in seiner Wohnung. Auch dort soll es zu einem sexuellen Missbrauch gekommen sein.

Der Prozess findet vor der 5. großen Strafkammer statt, deren Vorsitzende Regina Böhme ist, eine resolute Richterin Ende 40. Im Fall einer Verurteilung droht G. eine Strafe von nicht unter zwei Jahren Haft.

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