Herzogenrath: Gebrauchtwarenkaufhaus Patchwork unter neuer Leitung

Neueröffnung in Merkstein : Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork“ unter neuer Leitung

Es ist längst zu einem beliebten Treffpunkt geworden, das Café „Kostbar“ im Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork“ an der Kirchrather Straße 141-143. Jetzt ist das Kaufhaus umstrukturiert worden und hat unter neuer Leitung neu eröffnet.

Martina Bredohl, bislang Leiterin der Nähwerkstatt für Qualifizierungsmaßnahmen und des Kleiderladens, hat nun auch den Verkaufsbereich des „Patchwork“ im Erdgeschoss übernommen. Und für neue Strukturen gesorgt, so dass sich den Kunden nun – einem Möbelhaus gleich – ein gefälliger und thematisch sortierter Überblick über die Waren und vor allem Möbel bietet, die gespendet, geprüft, und bei Bedarf sorgfältig hergerichtet viel zu schade wären, um nicht mehr genutzt zu werden.

Nachhaltigkeit in möglichst vielen Bereichen des Alltags ist das große Ziel des „Patchwork“-Trägers, des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen. Um dies noch weiter zu befeuern, ist Dagmar Knuth in die Geschäftsführung eingestiegen, die sich um die „sozialökologische Projektentwicklung auf lokaler Ebene“ kümmert. Was sich zunächst sperrig anhört, beinhaltet die Konzeptionierung und Umsetzung sozialer und umweltverträglicher Projekte vor Ort, wie Knuth erläutert. Will heißen: Menschen sollen dafür sorgen und angeregt werden, Dinge des Alltags, von der Kaffeetasse über das Wohnzimmersofa bis zur Spülmaschine, so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf zu halten.

„Um möglichst viele zu erreichen, sind wir ja auch ein Gebrauchtwaren- und kein Sozialkaufhaus“, erklärt dazu Wilfried Hammers, Vorsitzender des Trägervereins. „Mehr Co2 kann man nicht einsparen“, bringt Knuth den Umweltaspekt auf den Punkt, als durch die Weiternutzung von Dingen, die andere – aus welchem Grund auch immer – nicht mehr brauchen. Und die man im Gebrauchtwarenkaufhaus zu fairen Preisen erwerben kann. Wo es sich überdies in den Regalen mit Haushalts- und Dekoartikeln trefflich stöbern lässt. Und wo eine stattliche Auswahl an Büchern, DVD und Spielen reges Interesse findet.

Im Kontext von „Patchwork“ und Recyclingbörse umfasst dies auch Projekte, die vom Jobcenter für langzeitarbeitslose Menschen gefördert werden. 28 Mitarbeiter sind im Gebrauchtwarenkaufhaus und seinem Café tätig, Teilnehmer von Kursen des Jobcenters zu Qualifizierung und Beschäftigung. Weitere rund 15 kommen in der Recyclingbörse hinzu, die im Straßer Feld 12 ihren Sitz hat und unter Leitung von Altan Saltik steht, der auch die Bauprojekte, etwa aktuell den Umbau des „Patchwork“ koordiniert. Und das Abholen der gespendeten Möbel. „Bis zu 200 Touren können das im Monat sein“, sagt Hammers.

Stets werde das Angebotene zunächst besichtigt, dabei auf Qualität geachtet. Denn so stellt Hammers klar: „Wir verstehen uns nicht als Müllentsorger.“ Aber es seien auch die Allerwenigsten, „verschwindend gering“, die sich bei der Recyclingbörse melden, in der Hoffnung, günstig Schrott entsorgen zu können. Wo es nötig ist und sich lohnt, werden Möbel und Elektroartikel in der Werkstatt der Börse aufgearbeitet respektive auf Funktionalität geprüft. Um sie dann zu fairen Preisen wieder in den Warenkreislauf zu bringen.

Seit mittlerweile zehn Jahren funktioniert das Modell „Patchwork“ im Kontext mit der Recyclingbörse, die schon seit 1993 auf dem Sektor Gebrauchtmöbel tätig ist. Nach zehn Jahren sei es an der Zeit gewesen für Änderungen, unter der Ägide von Martina Bredohl, um die Qualität des Angebotenen noch mehr in den Vordergrund zu rücken. „Unser Ladenlokal soll für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen ansprechend sein“, sagt Bredohl.

Am 4. Mai wird Geburtstag gefeiert. „Der Anfang war schwer“, gesteht Hammers ein. „Ein Ladenlokal dieser Größenordnung preismäßig zu stemmen.“ Letztlich sei es gelungen, das Projekt samt Nachhaltigkeitsansatz in den öffentlichen Fokus zu rücken. Hammers setzt Hoffnung auf neue Richtlinien aus dem Bundesarbeitsministerium. Denn bisher, so legt er dar, sei die Jobcenter-Förderung der Arbeitsgelegenheiten in „Patchwork“ und Recyclingbörse an ein „unglückseliges Dreieck“ gekoppelt gewesen, um dem ersten Arbeitsmarkt nicht ins Gehege zu kommen: Gemeinnützig, zusätzlich und wettbewerbsneutral mussten die Jobs sein.

„Mit den neuen Programmen des Arbeitsministeriums wird dies aufgelöst“, so Hammers, der sich nach wie vor für die Schaffung eines „zweiten Arbeitsmarkts“ ausspricht, „einem sozialen Arbeitsmarkt mit sozialökologischen Arbeitsplätzen“.