Herzogenrath: Herzogenrath bekommt im Juni ein neues dreitägiges Festival

Herzogenrath : Herzogenrath bekommt im Juni ein neues dreitägiges Festival

Musik, Comedy und Sport für Jung und Alt: Im Juni wird es in Herzogenrath mit dem Realize-Festival eine dreitägige neue Veranstaltung geben. Das Programm des Festivals, das von Freitag, 8. Juni bis Sonntag, 10. Juni, stattfinden wird, ist noch geheim, aber die Veranstalter lassen Großes erwarten.

Und sicher ist auch, dass es einen Shuttlebus geben wird, der die Besucher zu den unterschiedlichen Stationen des Festivals fahren wird. Das Budget liegt bereits jetzt im fünfstelligen Bereich. Aber der Reihe nach.

An der Europaschule in Herzogenrath gibt es seit fünf Jahren die Möglichkeit, in der Oberstufe für ein Jahr an einem Projekt teilzunehmen, das genauso wie Klausuren und Facharbeiten benotet wird. Die Idee dahinter ist ganz einfach: die Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Schließlich sind in so einem Projekt Selbstständigkeit, Teamarbeit und Engagement gefragt — wie im Job.

Im vergangenen Jahr ist so die Idee für ein Festival in Herzogenrath entstanden. Als Nicole Jacobi, Projektleiterin und Lehrerin an der Europaschule, vor etwa sechs Monaten die Projektgruppe mit 49 Schülern gründete, war das für viele Schüler erst einmal wie ein Wunschkonzert. Mehr nicht. Dass daraus nur knapp sechs Monate später ein konkretes Ergebnis, also ein dreitägiges Festival wird, damit hatte damals nun wirklich niemand gerechnet.

In den vergangenen Monaten haben die Schüler, gemeinsam mit der Stadt Herzogenrath, ein Projekt auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann: Musik, Literatur, Kunst, Sport, Kulinarisches, Film, Theater, Comedy und Performance: Von lokalen Künstlern und Bands bis hin zu „echten Hochkarätern“ ist alles dabei, sagt Jacobi. Noch will man nicht mehr verraten. Ende März, das ist sicher, wolle man das komplette Programm verkünden.

Ein Grund, warum Jacobi und ihr Team noch nicht konkreter werden wollen, ist, dass noch Vorschläge angenommen werden. „Wir wollen offen sein für alle und uns nicht schon jetzt komplett festlegen. Immerhin ist bis Juni noch etwas Zeit“, sagt sie. Natürlich stünden manche Lesungen und viele Konzerte schon fest. Viele Verträge seien unterzeichnet, aber es gebe auch noch genügend Raum für neuen kreativen Input. An dem zumindest fehlt es den Schülern nicht.

„Wir hätten niemals damit gerechnet, dass das alles so klappt. Es war anfangs nur ein Traum. Aber dann haben wir alle richtig Bock darauf bekommen“, sagt der 17-jährige Felix. Erst in kleinen Gruppen, dann im großen Team wurden Vorschläge der Schüler gesammelt. Konzepte mussten geschrieben und das Budget und die Finanzierung festgelegt werden. Keine leichte Aufgabe für die Schüler, die mit diesen Aufgaben noch keine Berührungspunkte hatten. Selbst Jacobi gibt zu, die Arbeit und den Aufwand unterschätzt zu haben.

Für die Organisation des Festivals haben die Schüler laut Stundenplan jede Woche drei Stunden Zeit. Eigentlich. Aber Anrufe und Termine mit möglichen Sponsoren sind eben auch außerhalb der Schulzeit nötig. „Mehr Zeit als gedacht für das Projekt aufzuwenden, ist für die Schüler kein Problem“, sagt Jacobi. Der Eifer der Schüler werde sogar immer größer: Mittlerweile hätten sie sogar einen eigenen Facebookkanal ins Leben gerufen, um die Veranstaltung zu bewerben.

Finanzielle Unterstützung

Was die Schüler besonders Überwindung gekostet hat, waren die Gespräch mit Sponsoren. Schließlich wussten sie von Anfang an, dass ohne deren finanzielle Unterstützung, die Realisierung des Festivals unmöglich gewesen wäre.

„Manchmal hätten wir gerne alles hingeworfen, weil es so viel Arbeit war. Aber das Projekt hat uns gezeigt, dass man nicht aufgeben darf und an einer Sache festhalten muss, wenn man sie erreichen will“, sagt die 17-jährige Sophie überzeugt. Neben dem organisatorischen Ablauf eines Festivals, lernen die Schüler auch die rechtlichen Grundlagen, die die Ausrichtung einer Veranstaltung, wie beispielsweise das Sicherheitskonzept, nötig sind. Eine gelungene Abwechslung zum Schulalltag neben den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch.

Für Jacobi, den Kopf des Veranstalter-Teams, steht das Festival vor allem für drei Tage Kreativität und Austausch an einem besonderen Ort, an dem der Kohleabbau seine Spuren hinterlassen hat und an dem es zwar eine Menge Angebote gibt, an dem aber noch mehr geht — vor allem für junge Menschen.

„Es gibt in Herzogenrath viele Orte, die nach Erlebnissen rufen“, sagt Jacobi. Als Beispiel nennt sie die Grube Adolf und den Technologiepark Kohlscheid. Auch das Wurmtal mit dem Herzogenrather Weiher sowie die Burg könnten eine Kulisse für Konzerte, Tanz und Workshops sein.

Shuttlebus im Einsatz

Am Anfang der Projektarbeit stand die Frage „Was hat Herzogenrath zu bieten?“ Die Schüler fanden darauf zwar Antworten, aber viel wichtiger war ihnen der Wunsch, die Stadt zu beleben — für alle.

Sicher sei, so viel verraten die Schüler schon einmal zum Programm, dass vor allem Comedy und Konzerte mit Bands und DJs auf dem Programm stünden. Aber: Auch ältere Menschen, die von ihrem Wohnort oder einer Pflegeeinrichtung nicht mehr wegkämen, könnten an der Veranstaltung teilnehmen. Sie besuche man mit den Programmpunkten einfach. Wie das genau aussehen soll, bleibt aber noch geheim.

Im öffentlichen Raum sei es nie einfach, Veranstaltungen zu organisieren. Aber das Team habe an alles gedacht — das bestätigt auch Hubert Philippengracht, der Erste Beigeordnete der Stadt. Ihm als Stellvertreter für die Stadt sei besonders wichtig, dass Merkstein, Kohlscheid und Herzogenrath endlich zusammenfänden. Seit der kommunalen Neugliederung, so sein Empfinden, hätten sich die Kommunen im Allgemeinen eher voneinander entfernt als angenähert. In einer Stadt bräuchte es Veranstaltungen wie das Realize-Festival.

Das Logo der Veranstaltung bildet genau diesen Gedanken ab. Die drei bunten Arme stehen für die drei Stadtteile und ihre Vielfalt. Angesprochen werden nicht nur Menschen aus Herzogenrath, sondern auch aus den Niederlanden, Belgien und den Nachbarstädten. „Es war nicht immer einfach und es gab auch hin und wieder Kritik von unterschiedlichen Seiten“, sagt Jacobi und ergänzt: „Aber wir sind stolz darauf sagen zu können, wir haben es geschafft.“