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Herzogenrath: Herzerwärmendes vom Burgbalkon

Herzogenrath : Herzerwärmendes vom Burgbalkon

Das läßt niemanden kalt. Aus zweierlei Gründen. Hausmeisterin Nanni Venohr hat 60 Liter Glühwein feinst abgeschmeckt und gekocht. Drei "Schotten„ aus Heerlen liefern Weisen, die das Herz erwärmen.

Viereinhalb Stunden vor dem Jahreswechsel lassen sich gut 300 Herzogenrather oder weiter Angereiste auf besonders musische Art verwöhnen.

Es passt alles! Die Dudelsackbläser der Coriovallum-Pipe-Band, im 25. Jahr des Bestehens, haben zwar nur ein Trio auf den Balkon der Burg geschickt, weil Kamerad Theo vergrippt passen musste. Aber auch das reduzierte Quartett, bestehend aus Stefan, Henrico und Pipemajor René liefert Professionalität.

Da erhöht sich auch der Herzschlag von Gertraud Wolf. Die Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Burg Rode, empfindet wie die meisten: „Große Klasse. Ich mag die keltisch-schottisch-irische Musik ohnehin” schwärmt sie.

Zum Turmblasen im Innenhof der Burg haben die spielgewandten Holländer „Scotland the brave” oder „Auld long Syne” ins Karee geschickt. Aber auch weihnachtlich wird es nochmal: „Pa ra pa pamm, pamm”, natürlich das kennt man. „The little drummer Boy” greift ans Gefühl.

Einige der Leute bekommen die Musik nur halb mit. Sie müssen arbeiten - und tun das gerne. Burg-Rode-Pressesprecherin Marianne Paulus, O-Flynn-Musiker Franz-Josef Herff und Hausmeister Günther Venohr sehen zu, dass der heiße Glühwein unabgekühlt die Besucher erreicht. Kostenlos, versteht sich.

Die Kinder bekommen natürlich auch einen dieses leckeren Gesöffs. Da wird jedoch die alkoholfreie Variante ausgeschenkt. Sorgen, dass der gepflegte Burghof bei Anbruch des Tageslichts verdreckt ist, hat Gertraud Wolf überhaupt nicht. „Das war noch nie so” spricht sie den Besuchern eine gute Note zu.

Fast alle sind im Familienverband gekommen. Oma, Opa, Papa, Mama, Tante, Onkel, und eben die Kinder. Besonders stilecht schaut und hört der achtjährige Niklas zu. Der Knabe hat sich ein Ritterkostüm übergezogen. Eigentlich fehlt ihm nur noch ein Gegner. Da würde „Brave Heart” William Wallace in Gestalt von Mel Gibson gut in die Atmosphäre reinpassen.

Während unten in der Stadt bei knackigen Minusgraden schon der Streuwagen vorsorglich die Runde macht, steuert das Highlander-Flair auf Rodas höchstem Punkt dem Höhepunkt zu. 30 Minuten verkosten die Gäste das gebührenfreie Angebot und gehen anschließend zufrieden nach Hause.

Zufrieden ist auch Gertraud Wolf. Sie gibt zur 20. Ausrichtung des Turmblasens zu bedenken: „Es ist nicht ganz einfach, an einem solchen
Tag Musiker zu finden, die auch bereit sind das zu machen. Schließlich wollen die Leute feiern und bei ihren Angehörigen sein.”

Dreieinhalb Stunden nach dem Kurzkonzert wird es wieder voll auf der Burg. Diesmal möchten sich die Leute das Feuerwerk, das da aus den Niederungen abgeschossen wird, anschauen. Und auch jetzt rückt Gertraud Wolf wieder einen großen Vertrauensvorschuß heraus. „Morgen früh wird hier nichts herumliegen.” Die Menschen wissen, wie sie mit einem ihrer größten Kulturgüter umzugehen haben. Auch das garantiert einen weiteren Spass: Das Turmblasen 2004.