Nordkreis: Helfer benötigen Unterstützung

Nordkreis: Helfer benötigen Unterstützung

Die Zahlen sprechen für sich: Die Fälle häuslicher Gewalt, die den Behörden bekannt werden und Intervention und Hilfe auslösen, nehmen dramatische Ausmaße an. Hoffentlich, aber immer noch zu selten wird die Polizei gerufen und schreitet ein, um den aktuellen Gewaltakt zu beenden. Und dann?

Was ist, wenn die Uniformierten wieder abrücken und die Frau dem Manne wieder ausgeliefert ist? Auch Hausverbote laufen ja ab. Aber es gibt Hilfe. Die Polizei stellt den Kontakt her, etwa zur Diakonie-Fachstelle gegen häusliche Gewalt in der Städteregion Aachen mit ihrer Geschäftsstelle im Zentrum von Alsdorf.

Die Mitarbeiter dort wissen ein trauriges Lied vom Schicksal der betroffenen Frauen und Kinder zu singen. Laut Armin Carduck, Abteilungsleiter des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen, waren es in diesem Jahre bis Ende Juli schon 112 Fälle, im gesamten Jahr 2010 deren 215.

Der Bedarf an Hilfe ist enorm. Darüber informierte sich jetzt eine Delegation der CDU, bestehend aus dem Alsdorfer Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl Schiewerling, der stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden und sozialpolitischen Sprecherin der CDU in der Städteregion, Ulla Thönnissen, sowie dem Alsdorfer CDU-Vorsitzenden Peter Steingass.

Konkreter Anlass: Die Fachstelle benötigt finanzielle Unterstützung seitens der Städteregion. Die auf Jahre gewährte Anschubfinanzierung der Evangelischen Landeskirche läuft aus. Es droht eine halbe Beratungsstelle wegzufallen, wenn sich die Städteregion nicht in den Haushaltsberatungen dazu aufrafft, einen Zuschuss in Höhe von 31.500 Euro zu gewähren.

Der Eigenanteil der Diakonie beträgt nochmals 3500 Euro. Städteregionspolitikerin und Dipl.-Pädagogin Thönnissen versprach: „Ich nehme das Anliegen auf jeden Fall in die Gremien mit.” Sollte dies nicht von Erfolg gekrönt sein, würden zwar hilfesuchende Frauen nicht abgewiesen werden müssen, weil eine halbe Stelle in der Alsdorfer Geschäftsstelle wegfällt, aber die nach der Erstintervention mühsame Nacharbeit und Begleitung der Betroffenen und ihrer Kinder würden sich deutlich verzögern, wie die beiden Dipl.-Sozialpädagoginnen Verena Steinbusch und Jasmine Brück bestätigten. Nicht gut für die Opfer von Gewalt.

Das Frauenhaus in Alsdorf besteht übrigens bereits seit 1997. Mit dieser Einrichtung konnte erstmals im damaligen Kreis Aachen eine Zufluchtstätte angeboten werden, wie Abteilungsleiter Carduck in Erinnerung rief.

Mit Hilfe der Evangelischen Landeskirche und mit Hilfe eines finanziellen Anschubs wurde dann 2005 die erste „Interventionsstelle Häusliche Gewalt” in der Region gegründet. Auch hier eine Premiere: Erstmals wurde so in enger Kooperation mit dem Polizeipräsidium im damaligen Kreis Aachen Frauen unmittelbar nach einem polizeilichen Einsatz wegen häuslicher Gewalt Beratung und Unterstützung durch eine Sozialarbeiterin der Interventionsstelle angeboten, wie Carduck in Erinnerung ruft.

Neben dem Anliegen auf Förderung der halben Stelle bei der Fachstelle gegen häusliche Gewalt nahm die Delegation der CDU, die ja auf Bundesebene in der Regierungsverantwortung steht, weitere Anregungen mit.

So geht es um die telefonische „Helpline” bei häuslicher Gewalt, die von der Bundesregierung im nächsten Jahr bundesweit eingerichtet werden soll. Seit Jahren hat die Diakonie in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) eine solche Telefonhotline im Betrieb.

Inwieweit wird dies in die Überlegungen des Bundes einbezogen? Die CDU-Delegation will sich darum kümmern. Weiteres heißes Eisen ist die je nach Bundesländern unterschiedlich geregelte Finanzierung beziehungsweise Unterstützung der Frauenhäuser, wie zu hören war. Dabei stehe NRW vergleichsweise noch recht gut da.

Mit den Müttern sind auch viele Kinder betroffen

Im Jahre 2009 wurden noch 85 Fälle häuslicher Gewalt von der Polizei in der Städteregion gemeldet. Ein Jahr später waren es schon 215.

Aufgegliedert nach Herkunftsstädten ergibt sich für 2010 diese Verteilung: 64 in Stolberg, 44 in Eschweiler, 35 in Alsdorf, 29 in Herzogenrath, 19 in Baesweiler, 12 in Würselen, 7 in Simmerath, 3 in Monschau, je 1 in Aachen und Roetgen.

In diesem Jahr waren es bis Juli 112, davon betroffen 132 Kinder. Nach Herkunftsstätten, in Klammern die Zahl der betroffenen Kinder: Eschweiler 27 (38), Stolberg 26 (20), Alsdorf 17 (21), Herzogenrath 15 (22), Baesweiler 11 (9), Würselen 8 (9), Simmerath 3 (4), Roetgen 2 (2), Monschau 2 (5) und Aachen 1 (2).