Alsdorf: Haus Schüller ist 100 Jahre alt

Alsdorf: Haus Schüller ist 100 Jahre alt

Als die „Aachener-Kleinbahn-Gesellschaft“ am 17. November 1898 auf der Strecke Eschweiler-Dreieck — Mariadorf-Dreieck ihren Betrieb aufnahm, wurde Warden durch eine Haltestelle am Ende der heutigen Quellenstraße mit angebunden. Nun hatte man mit dem in unmittelbarer Nähe des Ortes liegenden Bahnhof „Höngen“, an der Strecke Aachen-Nord — Jülich gelegen, eine sehr gute Verbindung nach Aachen, Jülich und Eschweiler.

Was an der Kleinbahnhaltestelle in Warden fehlte, war eine Unterstellmöglichkeit. Abhilfe schufen hier das Ehepaar Josef und Agnes Schüller. Sie erbauten im Jahr 1913 am Pützbruch ein Wohnhaus mit Gastwirtschaft. Hier sollten die Anwohner aus Warden, Langweiler und Laurenzberg Schutz vor schlechtem Wetter suchen können, wenn sie auf die Kleinbahn warteten. Besonders im Winter war es angenehm, sich in der Gaststätte etwas aufwärmen zu können.

Natürlich hatte gab es auch geschäftliches Interesse. Für die Eheleute Schüller war es aber mit großen Schwierigkeiten verbunden, die Konzession für den Gaststättenbetrieb zu erlangen. Da der Ort Warden schon über einige „Wirtschaften“ verfügte, war nach Ansicht der Behörden der Bedarf gedeckt.

Behörde ausgetrickst

Dem „Quellenhof“, wie die unmittelbar an der Wardener Quelle gelegene Gaststätte getauft werden sollte, wurde zunächst keine Genehmigung erteilt. Aber Josef Schüller trickste die Behörde aus: Er stellte erneut einen Antrag und begründete ihn damit, dass man eine Warte- und Unterstellmöglichkeit für Reisende der Kleinbahn schaffen wolle. Die Genehmigung wurde erteilt — aber verbunden mit einer Auflage: Es musste ersichtlich gemacht werden, dass es sich hier um eine Haltestelle handelte. So ließ das Paar auf einer Giebelwand in großen Lettern anbringen: „Restauration zur Kleinbahn“. So hatte das Haus gleich zwei Namen: Für die Wardener blieb es der „Quellenhof“, nur für die Bahngäste war es das Restaurant „zur Kleinbahn“.

1923 herrschte Inflation, ein Bier kostete seinerzeit bis zu 78 000 Mark. Damals wanderte Josef Schüller mit seiner Familie nach Amerika aus und arbeitete in New York in der Baubranche. 1928 kehrte seine Frau nach Warden zurück, um das Restaurant zu veräußern. Da zu dieser Zeit aber auch in den USA die Konjunktur schwächelte, nahm das Paar schließlich wieder Abstand von diesem Plan, und 1933 kam auch Josef Schüller nach Warden zurück. Dort gründete er ein Baugeschäft, in dem auch sein Sohn Hubert tätig wurde. Das Unternehmen florierte, zeitweise gab es 70 Mitarbeiter.

Der Quellenhof wurde 1933 um einen Saal erweitert, gleichzeitig wurde er zum Vereinslokal der Fußballer des VfL Eintracht Warden. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Ehepaar Gaststätte und Baugeschäft weiter. Sohn Hubert war 1941 in der Schlacht um Stalingrad gefallen. Nach dem Krieg hatte Schüllers Firma mit dem Ausbessern von Kriegsschäden an Gebäuden gut zu tun. 1955 schloss er die Firma und widmete sich wieder mehr dem „Quellenhof“.

Am 18. Oktober 1958 feierte das Paar Goldhochzeit und übergab die Gaststätte an Enkelin Rosalinde. Bis 1975 wurde Bier gezapft, dann schloss Rosalinde Tollkühn den „Quellenhof“ für immer, und aus der Gaststätte wurde eine schmucke Wohnung. Steht man dort im Wohnzimmer, kommen nostalgische Gefühle auf. Der Wohnungseingang zeugt bis heute von der Vergangenheit des Hauses: Er sieht fast genauso aus wie zu Zeiten der Gastwirtschaft.

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