Würselen: Hartnäckiger Vogel bei den St.-Sebastianus-Schützen

Würselen: Hartnäckiger Vogel bei den St.-Sebastianus-Schützen

Unter optimalen Bedingungen zog die St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 ihr Wiesenfest anlässlich des 393. Königsvogelschusses im Stadtgarten auf. Für kurzweilige Unterhaltung der kleinen Besucher sorgte ein magischer Clown vom „Circus Gioco“.

Musikalisch begleitete das Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ unter Guido Bleser das gesellige und schießsportliche Treiben. Nach geschlagenen drei Stunden erbitterten Widerstands gab der von Kerstin Eason, der Frau des Schatzmeisters, kunstvoll gestaltete Vogel auf der Stange um 20.34 Uhr mit dem 155. Schuss seinen Geist auf.

Erst einmal ermittelten die drei innerstädtischen Jungenspiele ihren König. Dazu rückten je zehn Spellsleute und vier Feuerwehrmänner dem Holz auf der Stange zu Leibe. Mit dem 98. präzisen Schuss führte der aktive Fahnenschwenker von Oppen-Haal, Ulrich Grossmann, die Entscheidung herbei. Als neuer Jungenspiel-König marschierte er mit den Traditionsschützen — 23 an der Zahl — zu deren 393. Königsvogelschuss im Stadtgarten auf.

Präsident Hans-Peter Claessen begrüßte die zahlreichen Schaulustigen — unter ihnen auch die Königin der Morsbacher Gilde, Gabriele Schmidt, den Kaiser der Scherberger Hubertusschützen, Heinz Thunig, und den Weidener König, Egon Donath. Bürgermeister Arno Nelles dankte an dieser Stelle allen, die zur Pflege des Brauchtums stetig ihren Beitrag leisten.

Hauptmann Diether Zimmermann rief die angetretenen Schützen im Gedenken an die Verstorbenen zum Gebet. Neben dem Bürgermeister feuerten der Bezirksbundesmeister Karl-Josef Offermanns, Bezirkskönig Udo Schütter, Jungenspiel-König Ulrich Grossmann und Diakon Michael Lang Ehrenschüsse mit der von Schießmeister Gerhard Hendriks in Anschlag gebrachten Donnerbüchse ab.

Beim schießsportlichen Wettstreit stellten drei Runden lang auch die Senioren, der 86-jährige Sebastian Jagmann, der 55 Jahre der Gesellschaft angehört, und der 80-jährige langjährige Präsident Winand Speckgens ihre Treffsicherheit unter Beweis. Ingo Tillmann beförderte schon früh den linken Flügel ins „Jenseits“. Kopf, rechter Flügel und Schwanz folgten in rascher Folge in der dritten Runde, als auch ihnen mit Schwarzpulver und Blei zu Leibe gerückt worden war.

Zwischenzeitlich hatte sich das Gewehr heiß gelaufen, so dass es ausgetauscht werden musste. Musikalisch überbrückten die „Alten Kameraden“ durch mehrere Einlagen den Leerlauf. Präsident Hans-Peter Claessen war guter Hoffnung, dass es schnell zu Ende gehen könnte. Aber da hatte er, wie sich herausstellen sollte, die Rechnung ohne den hartnäckigen Rumpf auf der Stange gemacht. Schließlich hatte er schon den 100. Treffer locker „geschluckt“, ohne Anzeichen einer frühzeitigen Aufgabe.

Die Schützen setzten zwischenzeitlich mehr und mehr auf die lautstarke Unterstützung aus den jeweiligen Quartieren. Als um 19.58 Uhr der bisher zweimalige König Rudi Mainz zuschlug und die vordere Platte des Rumpfes abservierte, kam Hoffnung auf. Mehr aber auch nicht. Span für Span räumten die nachfolgenden ambitionierten Schützen ab.

Die nächste Platte war fällig, als der stellvertretende Schießmeister Holger Deussen seinen finalen Schuss abfeuerte. Nach wie vor stimmte die Kulisse. Doch dann ging die Munition für die Donnerbüchse aus. Es wurde von Schwarzpulver und Blei auf Nitro gewechselt. Nun war ein Ende des Wettstreits in Sicht, zumal das Nitrogewehr eine größere Durchschlagskraft hatte. Bei Holger Deussen, der schon einmal Schützenkönig war, flogen nach dessen Volltreffer die „Federn“ nur so.

Jetzt musste der Vogel jeden Augenblick fallen. Hans-Josef Bülles bereitete den Boden für Dr. Horst Josef Peltzer, der sich kein weiteres Mal mehr von Moderator Dirk Nehr bitten ließ. Er kannte kein Pardon und schlug zu. Zum ersten Mal schoss er den Vogel ab und wird nunmehr in die Annalen der Traditionsgesellschaft eingehen. Das erste Bad als König in der Menge war für ihn ein Hochgenuss. Den Bissener Spellsleuten bescherte er das Königsspiel 2017. Als Ehrenkönig grüßte Hans-Josef Bülles.

(ehg)