Herzogenrath: Harte Klänge aus Region und aller Welt beim Roda-Rock

Herzogenrath: Harte Klänge aus Region und aller Welt beim Roda-Rock

Tattoos, Lange Haare, schwarze Kleidung: Für Außenstehende könnten die Musiker, die am Samstag auf dem Roda-Rock-Festival auftraten, einschüchternd wirken. Doch der erste Eindruck trügt: „Alle Musiker sind total nett und lieb“, versichert Berthold Koerver. Der Co-Veranstalter und Gründer des Roda-Rock-Festivals weiß, wovon er spricht. Von der ersten Stunde an ist er dabei.

Koerver weiß auch ganz genau, was die Bands besonders brauchen. „Ohne Tee und Honig geht hier nichts“, erzählt der Gründer. Die besondere Gesangstechnik der Musikrichtung erfordert gute Pflege der Stimmbänder.

Seit 2005 findet Roda-Rock auf dem ehemaligen Freibadgelände in Herzogenrath statt, im letzten Jahr fiel es jedoch aus. Aufgrund von unverzichtbaren Baumaßnahmen konnten Sicherheitsrichtlinien nicht erfüllt werden, so dass die zwölfte Ausgabe der Musikveranstaltung ein Jahr später stattfinden musste.

„Counterparts“ aus Kanada

Als Punkfestival angefangen, orientierten sich die Veranstalter um Berthold Koerver an der Entwicklung der Musikszene, mittlerweile steht Metalcore und Hardcore auf dem Programm. Die diesjährige Hauptband „Counterparts“ kommt aus Kanada und ist dort sehr bekannt, in Europa jedoch noch nicht.

„Wir hatten das Glück, dass sie aktuell auf Europa-Tour sind und vorher auf einem Festival in Belgien spielen, sonst könnten wir so eine Band auch kaum buchen“, erklärt Nadine Schwartz vom Kulturamt der Stadt. Dabei ist weniger der Ruf des Festivals das Problem, sondern das Budget. Finanziell wird auf jeden Euro geschaut, zumal es sich bei dem Festival auch um keine kommerzielle Veranstaltung handelt. Man ist mit der Kulturveranstaltung nicht auf den Gewinn fixiert. Jedoch spielten in der Vergangenheit einige Bands am alten Freibad, die heute ganz andere Zuschauermassen bespielen.

In Herzogenrath haben sie also einen guten Riecher für aufstrebende Künstler. Es wird immer eine Mischung aus lokalen Bands und internationalen Künstlern gesucht. So sind in diesem Jahr zwei Bands aus England, eine tschechische Band und eben der Headliner aus Kanada vertreten. Aber auch eine Band aus Herzogenrath, Heinsberg und Mönchengladbach ist dabei.


Die lokalen Bands bewerben sich um einen Gig zu erhalten — über 500 Bewerbungen gingen für das diesjährige Festival ein. Darüber hinaus wird immer eine Band aus den Niederlanden gebucht, um auch im Nachbarland Zuschauer zu erreichen. „Bei Kulturveranstaltungen ist es oft schwierig, über die Grenze hinaus Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn das aber möglich ist, dann mit Musik“, erklärt Schwartz.

Das Team rund um Roda-Rock arbeitet freiwillig, erhält nur eine kleine Aufwandsentschädigung. Das ist dann auch Familiensache: Berthold Koerver hat seine Frau und seine Söhne fest ins Team integriert, die Mutter von Nadine Schwartz kochte für die zahlreichen veganen Künstler. Bereits am Mittwoch begannen die Aufbauarbeiten, die vom Bau- und Betriebshof erheblich unterstützt werden.

Zurück zu den Wurzeln

Auch nach zwölf erfolgreichen Festivals gehen den Veranstaltern die Träume nicht aus. Zum einen wünschen sich Schwartz und Koerver irgendwann auch mal ein mehrtägiges Festival zu organisieren, bei dem auch gezeltet wird. Beim 15. Jubiläum träumt Koerver davon, dass mittlerweile dem Budget entwachsene Bands noch mal in Herzogenrath aufspielen.

Wie etwa „Eskimo Callboy“, die 2011 noch beim Roda-Rock auftraten und heute drei Top-10 Alben vorweisen können. Mit solcher Motivation kann auch in den kommenden Jahren eigentlich nichts schief gehen. Sofern immer genug Tee für den sanften Kern der harten Musiker vorhanden ist.

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