Hans Vorpeil gibt Vorsitz des VabW ab

Nach 34 Jahren: Der Vater des VabW tritt beiseite

Hans Vorpeil leitete 34 Jahre den Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung. Er bleibt noch bis 2020 Mitglied des Vorstands und richtet einen wichtigen Appell an Entscheidungsträger.

Im Februar wird Hans Vorpeil 82. Da darf einer wie er, der Jahrzehnte lang in Alsdorf und im alten Kreis Aachen politisch äußerst aktiv war, auch das letzte gut bestellte Feld einem Jüngeren „zum Beackern“ überlassen. Mit Wirkung zum 31. Januar 2019 will der ehemalige Landtagsabgeordnete den Vorsitz des Vereins für allgemeine und beruflich Weiterbildung (VabW) abgeben. Und das nach 34 Jahren, in denen er ununterbrochen an der Spitze dieser Einrichtung gestanden hat. In der Vorstandssitzung am 7. Dezember wird gemäß Satzung „aus der Mitte des Vorstands heraus“ ein Nachfolger gewählt. Dann will Vorpeil im Vorstand noch bis zur nächsten ordentlichen Neuwahl dieses Gremiums, die nach den Kommunalwahlen 2020 anstehen, als „einfaches Mitglied“ mitarbeiten.

Dem Nachfolger zur Seite stehen

Er möchte so seinem Nachfolger im Vorsitz noch eine Weile zur Seite stehen mit Rat und Tat, sagte er in seiner „kleinen Kneipe“, die er daheim, in seinem Elternhaus, eingerichtet hat. Aber er trinkt stilles Wasser, der Gesundheit zuliebe. Mit dem Ausscheiden aus dem VAbW-Vorstand in zwei Jahren wird Vorpeil sein letztes - von ihm ganz bewusst geführtes - öffentliches Amt niedergelegt haben. „Und das nach 45 Jahren politischer Tätigkeit.“

Vorpeil stammt aus einer Bergarbeiterfamilie und wurde mit 15 Jahren Lehrling beim Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV). Er weiß, wie wichtig eine solide Ausbildung und weitere Qualifizierungen sind. Das belegt sein Lebenslauf.

45.000 junge Leute stark gemacht

Was der Alsdorfer mit neun anderen Gründungsmitgliedern am 21. Februar 1984 mit dem VabW aus der Taufe hob, um anfangs jungen Leuten Ausbildung zu ermöglichen, ist heute ein wichtiger Arbeitgeber in der Region mit 113 Angestellten. Insgesamt wurden rund 45.000 Jugendliche und Erwachsene durch den VabW in vielen unterschiedlichen Qualifizierungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen „stark gemacht für neue Chancen“, wie es Vorpeil formuliert. Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Weiterbildungs- und Qualifizierungsträgern ist die Organisationsstruktur. Tragende kommunale Säulen sind neben der Städteregion als Rechtsnachfolger des alten Kreises Aachen die Städte Alsdorf, Würselen und Eschweiler. Herzogenrath ist als Mitglied nicht mehr dabei, Baesweiler und Stolberg waren es leider nie. „Aber auch diese Kommunen profitieren stark von der Arbeit des VabW“, sagt er.

Auslöser für die Gründung des VabW war Anfang der 1980er Jahre die Ankündigung des EBV, mit einem Schlag die Zahl der Ausbildungsplätze von 1000 auf 500 zu reduzieren. Gleichzeitig ließ der Bergbautreibende wissen, die Ausbildung in absehbarer Zeit gänzlich einstellen zu wollen. „Als Begründung hieß es seitens des EBV, das sei zu teuer geworden.“ Bis dahin hatte das Unternehmen im besten Einvernehmen mit IHK und Handwerkskammer regelmäßig über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet, so in Metallberufen und Elektrotechnik. „Spätestens dann war zu ahnen, dass der EBV sich auf das Ende des Bergbaus vorbereitet.“

Was tun, um zu verhindern, dass im damaligen Wurmrevier junge Leute nicht mehr genügend Ausbildungsplätze finden? Bei der sogenannten Wurmrevierkonferenz im Januar 1984 wurden die Weichen gestellt. Reimut Jochimsen (SPD), seinerzeit Landesminister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, regte unter anderem an, dass sich die Kommunen zu Verbänden zusammenschließen, um den aufziehenden Strukturwandel zu bewältigen.

Wenige Monate später wurde der VabW von zehn persönlichen Mitgliedern gegründet. Ziel: Der Kern sollte durch kommunale Mitgliedschaften und weitere kooperative Mitglieder (dies sind heute VR-Bank Würselen, Sparkasse Aachen, VHS-Zweckverband sowie Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion) zum interkommunal gesteuerten Weiterbildungsträger ausgebaut werden.

Das sollte gelingen. Am 30. Januar 1985 lief das operative Geschäft an, zunächst an der Waldstraße in Alsdorf. In erster Linie ging es darum, öffentlich geförderte außerbetriebliche Ausbildungsplätze zu schaffen. „Die eigentlichen Qualifizierungsmaßnahmen kamen erst später hinzu“, erinnert sich Vorpeil. 1988 zog der VabW in die alte Hauptschule Ofden, wurden Millionen Mark Fördergelder in eine neue Werkhalle und auch in die Liegenschaft insgesamt investiert. Aktuell ist die Einrichtung am Nordring in Alsdorf untergebracht.

Hans Vorpeil, hier noch als Betriebsleiter des EBV und passionierter Schmalfilmer auf dem Gelände der Kokerei Anna in Alsdorf. Foto: Wolfgang Sevenich

Von den aktuell 113 Beschäftigten sind „unter zehn“ in der Verwaltung tätig, das Gros kümmert sich um Aus- und Weiterbildung. Die Dauer dieser Beschäftigungsverhältnisse ist von der Laufzeit der Förderung der jeweiligen Projekte abhängig. „Aber diese Ausbilder können sich in der Regl dann erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt in der Region bewerben. Hier ist der VabW ein Sprungbrett auch für Ältere“, sagt dessen scheidender Vorsitzender.

Erneut Strukuturwandel

Vorpeil erinnert an die wechselvolle Geschichte des „Solidaritätspakts“ VabW und seiner Finanzierung. Zuletzt ging es um die Zukunft des Euregiokollegs und die Sicherung durch die Städteregion im Rahmen der Gewährleistung des VabW.

So wichtig hier zahlende Mitglieder auch sind, im 5,3 Millionen Euro umfassenden Haushalt 2019 stehen „nur“ 230.000 Euro Mitgliedsbeiträge. Aber gerade mit Hilfe der lenkenden und Anforderungen stellenden kommunalen Mitglieder kann der überwiegende Haushalt aus Förder- und Projektmitteln zusammengebracht werden, der die kommunalen Sozialhaushalte unterm Strich in Millionenhöhe entlastet.

Das müssten ebenso Kommunen zu schätzen wissen, die (noch) nicht Mitglied sind. An deren Solidarität appelliert Vorpeil ausdrücklich. Denn Geschichte scheint sich doch zu wiederholen. Wie vor dreieinhalb Jahrzehnten die Steinkohleförderung zur Disposition stand, haben heute die in der Braunkohle Beschäftigten das Aus vor Augen. Es geht erneut um Strukturwandel und Qualifizierung. „Wir sollten daraus lernen und den VabW noch stärker in die kommunalen Belange einbeziehen, um in ihm in dem Veränderungsprozess ein wichtiges Instrumentarium zu behalten, weil die Städteregion unmittelbar von diesem Veränderungsprozess betroffen ist“, appelliert Vorpeil an die in der politischen Verantwortung Stehenden. Eine Art Vermächtnis.

Mehr von Aachener Zeitung