Halde Noppenberg: Motocross im Naturschutzgebiet ist tabu

Alsdorf: Motocross im Naturschutzgebiet ist tabu

Anwohner und Spaziergänger auf den Wegen der Halde Noppenberg haben erste Hinweise auf die Motocrossfahrer gegeben, die am Samstag, 18. November, beinahe erwischt worden wären, als sie die Hänge mit ihren Maschinen hinauf- und hinabjagten, wie es seitens der Forstbetrieb Noppenberg GmbH hieß.

Unsere Zeitung hatte von dem Vorfall berichtet. Angehörige des Forstbetriebs und Gäste waren bei einer Begehung den vier Umweltfrevlern sehr nahe gekommen. Die machten sich aber auf ihren schnellen Maschinen aus dem Staub.

Zwischenzeitlich hat sich die Polizei erneut und genauer auf der Halde umgesehen. Und Bürgermeister Alfred Sonders bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass Mitarbeiter des Präsenzdienstes des Ordnungsamtes bei ihren Kontrollgängen nun die unter Naturschutz stehende Halde verstärkt im Auge haben. „Die Motorradfahrer sind mit ihren schweren Maschinen gut zu hören, wenn sie widerrechtlich auf der Halde unterwegs sind“, sagt Sonders. Dann seien die Kollegen schnell da. Wer die Halde befährt, muss ja auch irgendwann wieder runterkommen...

Bußgelder drohen

Jagdaufseher Gisbert Krenzel, der im Auftrag des Haldenbesitzers Gert-Friedrich Prinz von Preußen regelmäßig nach dem Rechten schaut, dokumentiert die Schäden. Seitens des Forstbetriebs Noppenberg, der im übrigen auch die beiden benachbarten Halden Anna I und Anna II in die Hege und Pflege von Fauna und Flora absprachegemäß einbezieht, will die Beseitigung der Schäden den Tätern in Rechnung stellen, wenn die den Fahndern ins Netz gehen.

Mit den Jahren hat zwar die Natur in Teilen die wenig fruchtbare Halde aus Bergbauzeiten zurückerobert, aber weite Teile sind weiterhin nur spärlich oder gar nicht bewachsen. Die Überreste des Bergbaus (Schlacke und dergleichen) geraten leicht ins Rutschen. Wenn dort schwere Querfeldein-Maschinen den Grund aufwühlen, entstehen Rinnen. Ablaufendes Regenwasser nutzt diese Kanäle und vertieft so die Einschnitte. Fußgänger meinen, dass es sich um Pfade handelt und verlassen die ausgewiesenen Wege und sorgen bei ihren nicht ungefährlichen Kletterpartien für weiteren Flurschaden.

Dabei ist die Halde zwischenzeitlich zu einem wichtigen Refugium für Tiere geworden. Rund 30 Rehe nutzen diesen Lebensraum, mit den umgebenden Halden dürften es an die 80 sein. Wilde Fasane wurden von den Mitarbeitern des Forstbetriebs gesichtet und Schnepfen im Winter. Wildschweine hinterlassen ihre Spuren. Selbst der selten gewordene Hase fühlt sich heimisch. Wiesen am Fuß der Halde werden genutzt, um dort den Nachwuchs in kleine, gut gedeckten Mulden (Sassen) zu verstecken.

Aber leider, so ist seitens der Jagdaufsicht zu hören, beißen streunende Hunde, deren Herrchen die Tiere widerrechtlich von der Leine lassen, kleine Hasen und Küken in Gelegen tot. Da fallen die ebenfalls auf der Halde gesichteten Füchse, Dachse und Marder, auf deren Speisekarte solche Jungtiere stehen, nicht entscheidend ins Gewicht. Immer wieder werden Hundebesitzer auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, heißt es. Mit mäßigem Erfolg. Dabei drohen Bußgelder.

Der Forstbetrieb will dessen ungeachtet die Wiesen in Wildwiesen umwandeln. Wildblumen sollen gesät werden. Geländestreifen sollen mit speziellen Wildkräutern gefüllt werden, die zur „Hasenapotheke“ gehören. Die Tiere benötigen diese für ihre Verdauung. Eindringlich wird darum gebeten, beim Besuch der Halde nur auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben. Leider müsse immer wieder Müll entsorgt werden, der nach unzulässigen Partys im Naturschutzgebiet zurückbleibt.

Um den leidigen Motocrossfahrern endlich beizukommen, bleibt es dabei: Für Hinweise, die zur Klärung des Vergehens beziehungsweise zur Ermittlung der Motocrossfahrer führen, hat der Forstbetrieb 1000 Euro als Belohnung ausgesetzt. Hinweise sind an die Polizei in Alsdorf zu richten: Telefon 02404/9577-33401.

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