Würselen: Gymnasium Würselen geht mit Tauch-AG neue Wege

Würselen: Gymnasium Würselen geht mit Tauch-AG neue Wege

„Wir müssen permanent an alles denken, was wir in der Theorie besprochen haben.“ Tim (15) lernt tauchen. Er ist einer von elf Schülern des städtischen Gymnasiums, die das Glück hatten, in der ersten AG zu sein, die eine von vielen sein soll.

„Ich hatte von der Kooperation einer Würselener Tauchschule mit einer anderen Schule gehört und dachte: Das wäre was für uns“, erzählt Lehrer Shervin Azarvan, der selbst seit zwei Jahren taucht.

Bei Direktorin Lydia Becker-Jaxstieß er offene Türen ein: „Wir sind im Bereich Sport ohnehin gut aufgestellt, was auch die Erfolge unserer Schüler bei regionalen und überregionalen sportlichen Wettkämpfen zeigen“, sagt sie. Da schien die Tauch-AG fast zwingend, „denn sie ist ein besonderes Angebot, das zum einen positive Effekte hat im Hinblick auf Gesundheitsförderung und -prävention durch neue, erweiterte Körpererfahrungen und Bewegungserlebnisse. Zum anderen ist das Tauchen eine Herausforderung für die Jugendlichen.“ Die Schüler müssen Ängste überwinden und Verantwortung für sich und andere übernehmen.

Ein wenig Angst hatte Jana (12) tatsächlich beim ersten Tauchgang im Aquana. „Ich hatte mich verschluckt“, erzählt sie, traute sich dann aber doch, nochmals mit der Pressluftflasche abzutauchen. Als sie sich wieder verschluckte, war Tauchlehrer Michael Renardy sofort zur Stelle, redete beruhigend auf sie ein. „Ich bleibe bei dir“, versicherte er, berührte Jana kurz am Arm und tauchte mit ihr wieder ab. „Das war mein Einzelunterricht“, lächelte die Schülerin hinterher. Unter den Kursteilnehmern ist ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. „Wenn jemand nicht ins Wasser kann, kommt er trotzdem ins Aquana und schaut den anderen zu“, berichtet Azarvan.

Die zwei Stunden am Montag sind anstrengend. Entweder wird Theorie gepaukt oder geschwommen. Eine Bahn muss getaucht werden, das will trainiert sein. „40 Stunden Theorie sind zwingende Grundlage, damit die Jugendlichen verstehen, was beim Tauchen passiert“, sagt Michael Renardy und fordert die Schüler mit Tests. Wenn alles sitzt, der richtige Flossenschlag, das durchgängige Atmen, wenn die Schüler sich auf die anderen verlassen und keine Angst mehr haben, dann fahren sie nach Holland, um im offenen Wasser zu tauchen. Am Ende der AG werden die Schüler bis 12 Meter tief tauchen und später Zusatzprüfungen für größere Tiefen ablegen können. Shervin Azarvan sucht derweil nach Sponsoren. „Wir wollen diesen Sport aus der Idee der Exklusivität herausholen“, sagt der Lehrer für Deutsch, Englisch, Praktische Philosophie, Theater und Informatik. „Je günstiger der Kurs wird, um so mehr Schüler können teilnehmen.“

Das Gymnasium legt Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. „Ein weiterer Pluspunkt des Tauchens ist, dass ein praktischer Bezug zu theoretischen Themen im Bereich Naturwissenschaften, besonders der Physik, besteht und somit ein Beitrag zur MINT-Förderung (Mathe, Informatik, Naturwisschenschaften und Technik) geleistet wird“, erklärt Lydia Becker-Jax. So bläst Michael Renardy etwa einen Luftballon auf und zieht ihn unter Wasser. Dabei beobachten die Schüler, dass er aufgrund des steigenden Drucks immer kleiner wird. Genauso ist das mit der Lunge. Gleichmäßiges Atmen ist deswegen extrem wichtig. „Da muss jeder Taucher aufpassen“, sagt Renardy, der die Ausrüstung für alle Schüler von seiner Tauchschule an der Aachener Straße mit zum Aquana bringt.

Bisher kostet ein Tauchkurs um die 300 Euro. „Wir fänden es toll, wenn die Schüler nur 100 Euro zahlen müssten. Aber dazu bedarf es weiterer Sponsoren“, rechnet Shervin Azarvan vor. Schüler konzentrieren sich währenddessen auf die Zeichensprache unter Wasser, um dann irgendwann im freien Gewässer ganz entspannt auch Fische beobachten zu können.