Nordkreis: Grundschulen: Rektoren sind Mangelware

Nordkreis : Grundschulen: Rektoren sind Mangelware

Der Frust ist auf allen Seiten groß: bei den Grundschulen, Schulämtern — und nicht zuletzt den Eltern. Rektorenstellen bleiben regelmäßig über längere Phasen vakant, ausreichend Interessenten gibt es eigentlich nie und in den sauren Apfel müssen die kommissarischen Leiter beißen, die dafür keinen Euro mehr bekommen.

Wenn man mit Menschen spricht, die diese Mangelverwaltung über Jahrzehnte begleitet oder beobachtet haben, lautet die Antwort: Die Ursachen sind systemimmanent. Neue Ideen, wie man die Position des Grundschulleiters attraktiver gestalten könnte, fehlen — von ausgereiften Konzepten und Gesetzesänderungen ganz zu schweigen. In NRW ist rund jede siebte Grundschule ohne Schulleiter, jede vierte ohne Stellvertreter.

Im Nordkreis sind oder werden in absehbarer Zeit jeweils zwei Schulen in Alsdorf, Herzogenrath und Würselen „kopflos“, in Baesweiler ist es nur eine, dafür aber bereits seit August 2015: die Friedensschule.

In Alsdorf sind derzeit die Standorte Annapark und Begau betroffen. Erst im Sommer 2016 hatte die erstgenannte Schule eine neue Leiterin erhalten, Nadine Van der Linden. Sie war zuvor unter anderem an einer Aachener Gesamtschule und am Jülicher Studienseminar tätig. Im Herbst 2017 hat sie das Schulleiterbüro wieder verlassen. Offiziell sind keine Gründe dafür genannt, warum sie sich zur „normalen“ Lehrerin hat zurückstufen lassen.

Für die Schule stellt das einen besonders herben Verlust dar, da an keiner anderen Schule in Alsdorf der Anteil von Schülern mit Migrations- oder Fluchthintergrund und/oder Förderbedarf so groß wie hier. Zudem hatte der Standort zuletzt einen sehr hohen Krankenstand zu beklagen — wie vielerorts durch die Grippewelle.

Umwandlung

In Würselen ist die Schulleiterstelle an der Gemeinschaftsgrundschule Mitte, Friedrichstraße, seit Beginn des Schuljahres 2017/2018 nicht besetzt. Eine zweite Ausschreibung liegt für den Grundschulverbund Weiden-Linden vor, um das Ausscheiden der jetzigen Rektorin Astrid Pagnia voraussichtlich für das kommende Schuljahr 2018/2019 bruchlos zu gestalten. Sie geht in den Ruhestand.

In dem Schulverbund ist die Katholische Grundschule Broichweiden mit der Gemeinschaftsgrundschule Linden-Neusen der Hauptstandort. Eltern hatten befürchtet, dass sich die „katholische Bindung“ nachteilig auf den Bewerberkreis für die Leiterstelle auswirken könne, weil sich dann auch nur katholische Lehrer ins Gespräch hätten bringen können. Zumal es eine Interessentin aus dem Kollegium gab und gibt, die aus Elternsicht geeignet erscheint, aber einer anderen Konfession angehört.

Konfessionslos

Deshalb hatten Eltern im ersten Anlauf im März des vergangenen Jahres und dann Anfang dieses Jahres im zweiten Anlauf versucht, genügend Stimmen aus den Reihen der Elternschaft zusammenzubekommen, um die Schule umzuwandeln. Der zweite Anlauf war „überraschend erfolgreich“, wie einer der Initiatoren und zugleich der Schulpflegschafts-Vorsitzende des Grundschulverbunds Weiden-Linden, Hans-Dieter Gehlen, unserer Zeitung sagte. Stimmberechtigt waren 191 Eltern der KGS, 150 stimmten ab, davon 112 mit Ja, 31 mit Nein, und sieben Stimmen waren ungültig. Damit war das Minimum von 50 Prozent der Stimmen für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule erreicht.

Die Bezirksregierung Köln muss dieser noch zustimmen. Wie Pressesprecher Dirk Schneemann auf Nachfrage sagte, liegen aber alle Unterlagen vor, und sie will sich der Angelegenheit „schnellstmöglich“ annehmen.

In Herzogenrath sind die Posten in Kohlscheid-Mitte (seit Anfang des Schuljahres) und bereits etwas länger in Klinkheide vakant. Im ersten Fall ist noch unklar, ob die Leitung nach einer Auszeit zurückkehrt, im zweiten Fall ist bereits ausgeschrieben.

Was mögliche Bewerber anbelangt, halten sich die Schulämter durch die Bank bedeckt — auch wegen der hohen Auflagen im Bewerberverfahren —, lassen aber durchscheinen, dass man nicht gerade aus dem Vollen schöpfen kann.

Ein Grund für die mangelnde Attraktivität ist, so die einhellige Meinung, die schlechte Bezahlung. Wenn ein stellvertretender oder kommissarischer Leiter in derselben Besoldungsstufe wie ein Rektor angesiedelt wird, warum sollte er dauerhaft die deutlich größere Verantwortung und die zusätzlichen Aufgaben auf sich nehmen? So sei keine Ruhe in die Schullandschaft zu bekommen, meint ein Kenner dieser Problematik, der nicht genannt werden möchte. Auf das Wesentliche werde sich dabei jedenfalls nicht besonnen: die Kinder.

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