Würselen: Grundschüler lernen den jüdischen Glauben kennen

Würselen: Grundschüler lernen den jüdischen Glauben kennen

„Aachen und Würselen sind Orte, wo wir friedlich leben können.” Ella Shvemmer ist Jüdin. Vor sieben Jahren kam sie aus Russland nach Deutschland. Sie wollte in Frieden leben.

„Ich habe ein Gymnasium geleitet, wo als Fremdsprache auch Deutsch gewählt werden konnte. Und wenn wir Besuch aus Deutschland hatten, kam immer der Geheimdienst und hat uns noch Monate später tyrannisiert: Was haben wir erzählt? Was haben wir ausgegeben? Wir wurden durchleuchtet.”

Sie wollte gemeinsam mit ihrem Mann in die Freiheit, siedelte über nach Deutschland und kam nach Würselen. Für sie ist klar: Es war genau die richtige Entscheidung. „In Aachen und Würselen ist wirklich kein Platz für Rassismus.” Sie fühlt sich wohl - und das erzählt sie im Auftrag des jüdisch-christlichen Arbeitskreises auch den Kindern der 3c der Sebastianusschule.

Miteinander in Frieden leben

Ella Shvemmer berichtet Grundschülern über ihre Religion. So etwa, dass es viel Gleiches im jüdischen wie im katholischen Glauben gebe. „Zum Beispiel ist das alte Testament gleich”, weiß Daniel, dem klar ist, warum Ella Shvemmer in den Unterricht gekommen ist: „Sie sieht genauso aus wie wir. Sie ist so wie wir. Und wenn wir das wissen, dann verstehen wir die Menschen auch und dann können wir in Frieden leben.”

Das war das übergeordnete Thema im Religionsunterricht. „Wir achten und respektieren auch die Menschen, die keine Christen sind”, erklärt Schulleiterin Adelheid Fröhlich. So hänge es auch von den Kindern ab, ob Friede in der Welt herrsche. Und der sei zu lernen, nicht nur durch viel Wissen. „Wenn ihr zankt, dann schiebt die bösen Gedanken zum Teufel, denn da gehören sie hin. Denkt nicht mehr an den Streit, versucht euer Herz wieder frei zu machen. Klappt das, ist der Zank weg”, rät Klassenlehrerin Ulrike Strombach.

Was klappt, ist auch eine Stunde ganz besonderer Religionsunterricht. Ella Shvemmer zeigt Bilder von Synagogen, von Menschen, spricht auch über die Rolle der Frau: „Die Frau ist bei uns Juden die wichtigste Person in der Familie, denn sie ist für die Kinder zuständig, die heilig sind.” Weil die Juden immer noch auf den Messias warten, kann jedes Kind der Erlöser sein. Weil die Frauen sich um die Kinder kümmern, begegnen die Männer ihnen mit größtem Respekt.

Wie auch die Würselener den Ausländern begegnen, meint Ella Shvemmer: Mit größtem Respekt.

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