Würselen: Grüne: Radweg erhalten und optimieren

Würselen: Grüne: Radweg erhalten und optimieren

Der Radweg auf der Kaiserstraße ist offenkundig ein brisantes Thema. „Einige notorische Autofahrer haben wohl immer noch nicht verstanden, dass zum Wohle einer nachhaltigen Mobilität in der Stadt eine sich anbahnende Verkehrswende zu Gunsten des nicht motorisierten Verkehrs nicht abgewürgt werden darf“, beklagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Dr. Ansgar Klein, selbst passionierter Radfahrer.

Damit nimmt die Diskussion um den Radweg auf der Kaiserstraße in entgegengesetzter Richtung zur Einbahnregelung richtig Fahrt auf — angeschoben durch die UWG. Sie hatte im Rathaus beantragt, den Radweg durch die Unfallkommission auf den Prüfstand zu stellen und ihn gegebenenfalls zurückzubauen. Wegen der oft zu beobachtenden Beinahe-Unfälle hatte sich die Polizei daraufhin für eine Entschärfung der Situation ausgesprochen, ebenso Bürgermeister Arno Nelles auf Anfrage unserer Zeitung. CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz hat indes die Verwaltung um Prüfung gebeten, ob die Streichung des Radwegs die Rückgabe von Zuschüssen für den Umbau der Kaiserstraße zur Folge haben könnte.

Die Grünen sind empört. „Wir sind höchst erstaunt über die neuerliche Diskussion über den Radweg auf der Kaiserstraße“, erklärt Klein. Nicht schlüssig sind für ihn die vorgetragenen Bedenken. So hebt Klein hervor, dass auch die Polizei als Beleg für die Gefährlichkeit des Radwegs keine Unfallzahlen anführen könne. 2012 habe es nur zwei Unfälle gegeben, an denen Radfahrer beteiligt gewesen seien. „Die Fraktion der Grünen schließt daraus, dass es 2013 keinen einzigen Unfall mit Radfahrbeteiligung auf der Kaiserstraße gegeben hat“, erklärt die Fraktionssprecherin Dr. Renate Knauf. Der Grund für das noch nicht vorliegende Zahlenmaterial ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Unfallstatistik 2013 noch gar nicht vorliegt.

„Offensichtlich haben sich in der Debatte nur Autofahrer zu Wort gemeldet“, meint Michael Jochmann, Grünen-Vertreter im Planungsausschuss (mitnichten, das belegen Leserzuschriften/ A. d. Red). „In der Radfahrerstadt Münster gehören solche Radwege wie auf der Kaiserstraße zum Normalfall. Da haben Autofahrer und Radfahrer gelernt, die Straße miteinander zu teilen“, berichtet Jochmann, der dort lange gelebt hat.

Dieser Lernprozess zeige laut Klein „offensichtlich auch in Würselen Erfolge“. Schließlich hätten die Grünen vor einigen Jahren erreicht, dass in Würselen fast alle Einbahnstraßen gegenläufig mit dem Rad benutzt werden dürfen.„Alltagsradfahrer sind es gewohnt, brenzlige Situationen zu meistern“, bemerkt Ute Wendt, Stadtverordnete der Grünen, dazu. Jede Garagen-, Parkplatz oder Tankstellenausfahrt sei zum Beispiel eine potenzielle Gefahr für Radfahrer.

„Weitere Sicherheitsmaßnahmen für Radfahrer speziell auf der Kaiserstraße sind für uns natürlich ein Thema“, räumt Renate Knauf ein. Bereits bei der von den Grünen initiierten Expertenanhörung 2008 zum Thema sei vom Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gefordert worden, an den Straßeneinmündungen auf die Kaiserstraße Bodenschwellen anzulegen und die Radwegmarkierungsstreifen als Rüttelstreifen auszuführen. Auch könnte die Parksituation auf der Kaiserstraße noch besser überwacht werden, so die Fraktionsvorsitzende weiter. Renate Knauf: „Wie oft parken Autos halb oder ganz auf dem Radweg und deren Fahrer kommen ohne Knöllchen davon. Höhere Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer auf der Kaiserstraße könnte auch die Deklarierung als ‚verkehrsberuhigter Geschäftsbereich‘ bringen.“

„Den Radweg auf der Kaiserstraße aufzugeben, wäre ein fataler verkehrspolitischer Rückschritt“, erklärt der Stadtverordnete Christoph Simon dazu. Und weiter: „Die Kooperation aus CDU, FDP und Grünen hat nicht umsonst unlängst die Verwaltung aufgefordert, ein Stadtwegenetz für den Rad- und Fußverkehr zu erstellen. Es wäre ein Schildbürgerstreich, eine der wichtigsten vorhandenen Radverbindungen aus dem noch zu verbessernden Netz zu streichen!“

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