Herzogenrath: Grubenlok Nr. 28 hat neue Heimat im Grube-Adolf-Park

Herzogenrath: Grubenlok Nr. 28 hat neue Heimat im Grube-Adolf-Park

Ihr zweites Leben hatte mit einer Maskerade begonnen: als gelbschwarz gestreifte Tigerente an der Grundschule in Wegberg-Klinkum. Unzählige Kinder sind auf ihr herumgeklettert. Bis die Dorfschule geschlossen, der Einsatz als Schulhof-Attraktion obsolet wurde. Vor einem Jahr war das. Das Schicksal der altehrwürdigen Grubenlok Nr. 28 schien ungewiss, der Schrottplatz drohte.

Doch Stefan Grates, Betreiber der Internet-Geo-Caching-Seite sophiajacoba.de, wollte sich damit nicht abfinden. Geo-Caching ist eine Art elektronische Schnitzeljagd auf Basis von geografischen Koordinaten, die im Internet veröffentlicht und von jedem, der möchte, mittels GPS-Empfänger (oder genauer Landkarte) ermittelt werden können. Als Lohn findet sich ein kleiner Schatz (zum Tauschen oder einfach nur Anschauen) sowie ein Logbuch zum Eintragen in einem wasserdichten Behälter. „Auf moderne Art und Weise wollen wir den Menschen die Bergbautradition nahebringen“, erläutert Stefan Grates die Intention von sophiajacoba.de. Lok Nr. 28 sollte auch einen Cache beherbergen, doch dann wurde bekannt, dass sie von ihrem Standort weichen musste. So wurde Grates zum Vermittler zwischen der Stadt Wegberg und dem Verein Bergbaudenkmal Adolf. Das Ergebnis: Die Stadt spendete die Lok, und die Vereinsmitglieder freuen sich gewaltig über ein weiteres Ausstellungsstück im Grube-Adolf-Park.

Drei Kumpel aus Eurode mit handwerklichem Geschick: Gernot Mehnert wird flankiert von den Limburgern Hans Jacobs (l.) und Hans Rutten. Foto: Beatrix Oprée

Am Montag erfolgte die Übergabe. Will heißen: Mittels Kran und Sattelschlepper wurde Nr. 28 in Klinkum abgeholt und auf die 41 Kilometer lange Strecke nach Merkstein geschickt. Komplett gesponsert von der Alsdorfer Franz-Plum-GmbH.

Ein Blick auf die Plakette — Bj. 1946, 75 PS: Sofort wird das Innenleben von Lok Nr. 28 unter die Lupe genommen. Foto: Beatrix Oprée

1946 war Nr. 28 erstmals eingefahren auf Sophia Jacoba, hatte rund 40 Jahre lang unter Tage ihren Dienst getan, 75 PS stark, zuverlässig Schicht für Schicht. Zehn Tonnen hatte ihr Dienstgewicht betragen, doch ihr Dieselmotor ist schon vor langer Zeit ausgebaut worden. Damals, Ende der 80er Jahre, als sie in den Ruhestand geschickt wurde. Da waren schon lange die batteriebetrieben Loks der neuen Generation im Dienst.

Verborgen: Stefan Grates mit einem Cache am Grube-Adolf-Park. Foto: Beatrix Oprée

Dieselloks hatte es nur noch auf den oberen Ebenen gegeben, wie sich Peter Gayck, Vorstandsmitglied des Merksteiner Bergbauvereins, erinnert. Da, wo nicht mehr viel los war, nur noch der Wetterwart Kontrollgänge machte. Das Laden der Akkus war aufwendig, also beließ man es in den oberen Sohlen bei den alten Dieselloks, die von Hand betankt wurden.

„Wir sind über dieses Geschenk aus Wegberg besonders froh“, sagt Dr. Hans-Joachim Helbig, Vorsitzender des Bergbauvereins. Denn Lok Nr. 28 steht für das Antriebssystem mittels Dieselmotor unter Tage.

Neue Visitenkarte

Hinter dem Kiosk im Grube-Adolf-Park steht — quasi — das Gegenstück: eine knallgelbe Batterie-Lok, die nach dem Bergbauende ein Intermezzo auf einem Spielplatz in Würselen gegeben hatte, bevor sie zum bergbauhistorischen Exponat in Merkstein wurde.

Zwischenzeitlich hatte es unter Tage auch noch Fahrdraht-Loks gegeben. Doch der frei fließende Strom barg ein tödliches Risiko: So starben am 14. Dezember 1963 in der Grube Adolf acht Männer bei einem Schlagwetter, ausgelöst durch einen Funken an der Oberleitung. Die Loks wurden daraufhin aus Sicherheitsgründen auf Batteriebetrieb umgerüstet. Eine Infotafel am Eingang zum Grube-Adolf-Park erinnert an diese Tragödie.

Lok Nr. 28 wird fortan die Gäste des Bergbauvereins begrüßen, vom Kranführer punktgenau neben den Eingang postiert. Ein eurodiales Trio aus handwerklich versierten Ex-Bergleuten hat ein festes Fundament dafür geschaffen: Gernot Mehnert sowie die beiden Limburger Hans Rutten und Hans Jacobs nehmen denn auch gleich das neue Prunkstück der bergbaulichen Sammlung unter die Lupe, fegen als erstes sorgfältig den feinen Spielplatzkies aus allen Öffnungen, den die Kinder hinterlassen haben. Einen neuen Anstrich wird Nr. 28 bekommen. Übrigens, die neuen GPS-Koordinaten sind: N50°53.653 E006°06.996.

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