Herzogenrath: Große Kunst gedeiht auch in der Petrischale

Herzogenrath: Große Kunst gedeiht auch in der Petrischale

Dort, wo sonst Kunstwerke von gestandenen Künstlern hängen oder stehen, sind nun vier Wochen lang Exponate vom Nachwuchs der Kunstszene zu sehen. Zwölf Studenten des Examensjahrgangs 2010 der Academie Beeldende Kunsten Maastricht stellen im Forum für Kunst und Kultur im Eurodebahnhof ausgewählte Kunstwerke aus.

Malerei, Fotografie, Skulpturen, Objekte, Videopräsentationen und Grafik - das Spektrum ist äußerst umfassend. Besonders ist unter anderem die „Process-Art”, die Professor Fritz Rohde vom Forum für Kunst und Kultur Herzogenrath auch „Petrischalenkunst” nennt. Masoud Khamoshkoo hat dazu Kulturen angelegt, die zwischen Glasscheiben im Kunstforum hängen. Dass seine Arbeiten nicht in einem Endzustand verharren, ist dem 33-Jährigen wichtig.

Auch Ankie Raemaekers mag es bewegt. Sie hat für ihre Examensarbeit Videos mit Fotografien erstellt. Hunderte Aufnahmen hat sie übereinander gelegt und Videosequenzen erstellt. Untermalt werden die „Bild-Bilder” von industriellen und natürlichen Geräuschen.

Dass der Eindruck sich nicht immer mit dem decken muss, was sich dem menschlichen Auge tatsächlich präsentiert, zeigt sich bei den Werken des aus Düren stammenden Torsten Uerlings. Der 27-Jährige hat ein Faible dafür, mit Gegensätzen, Sarkasmus und Ironie, zu arbeiten. Eine ältere seiner Arbeiten findet ihren Ursprung in einer Fotografie einer an Anorexia erkrankten Frau im Supermarkt. Nun sieht der Betrachter eine schlanke Frau in einem Raum, der nicht als Lebensmittelgeschäft zu identifizieren ist.

„Aus etwas Schrecklichem etwas Schönes zu machen” - diesen Anspruch stellt der junge Künstler an sich. Ähnlich ist es mit dem Siebdruck zum Vulkanausbruch auf Island: Urlaubsdampfer hat er auf einem See dargestellt, dahinter überragt der Feuer spuckende Berg die Kulisse.

Ankie Raemaekers, Masoud Khamoshkoo und Torsten Uerlings sind nur drei der Talente, die jüngst ihren Abschluss gemacht haben und von denen Fritz Rohde sagt: „Das sind Leute, die möglicherweise am Beginn einer künstlerischen Laufbahn stehen.” Die Starthilfe mit der Gruppenausstellung ist gegeben.

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