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Eurode: Grenzgeschichte war „sehr harte Arbeit”

Eurode : Grenzgeschichte war „sehr harte Arbeit”

„Jlückselich nüjohr,/ dr kopp vol hoar,/ dr monk vol zäng,/ end en waffel ejen häng.” Dergestalt wünschte man sich im 16., 17. und 18. Jahrhundert in Eurode ein gutes neues Jahr. Nachzulesen ist das Zitat in dem soeben vorgestellten „Eurode Geschichts-Projekt”.

Die in zwei Sprachen erhältliche Loseblattsammlung der „Stichting Eurode 2000+” wendet sich vornehmlich an Lehrer der Schulen in Herzogenrath und Kerkrade, die ihren Schülern damit in sehr umfangreichen Maße die sehr wechselvolle Heimatgeschichte ab dem Jahre 0 näher bringen können.

„Ein Lehrer, der sich da durchliest, der braucht keine Bücher mehr”, meinte denn auch der Initiator und Motor des Projektes, Johannes Becker, bei der Vorstellung der Blattsammlung, die für Kinder bis zwölf Jahre gedacht ist und in 16 Kapitel unterteilt ist.

„Mehrfach vor dem Aus”

In seinem Vorwort hat Becker, der Vorsitzender der „Stichting Eurode 2000+” ist, dargelegt, wie es zu diesem „Schulbuch” gekommen ist. Dabei verschweigt er auch die Schwierigkeiten nicht. Die Idee eines grenzüberschreitenden Unterrichtsprojektes habe in den Anfängen - das war vor sieben Jahren - eine Reihe seiner Kollegen zusammen gebracht. Doch von den 23 Teilnehmern der ersten Stunde seien am Ende nur fünf übrig geblieben. Und für die habe es in den sieben Jahren eine „sehr harte Arbeit” gegeben, „die mehrfach vor dem Aus stand”.

Auch bei der Übergabe der Loseblattsammlung an Lehrer von Schulen aus Kerkrade und Herzogenrath im Eurode-Business-Center lies Becker diese schwierigen und langwährenden Geburtswehen nicht unerwähnt. Ein Gutteil mehr Hilfe hat er sich wohl gewünscht.

Schließlich beschrieb er sehr eindringlich, dass es nicht so einfach gewesen sei, an Informationen zur Geschichte dieses Grenzraumes heranzukommen und in die Archive einzutauchen. Zudem habe die Anpassung des Projektes an die unterschiedlichen Schulsysteme beiderseits der Grenze und die Übersetzungsarbeit zu einigem Kopfzerbrechen geführt. Und dann: „Wie oft haben wir nicht Korrektur gelesen!”

Treffen auf Burg Rode

Immerhin haben die fünf Heimatbewegten - Johannes Becker, Grete Esser-Plum, Leo Nacken, Hub Schetters und Monika Sturm - an geschichtsträchtigem Ort ihre Zusammenkünfte gehabt: auf Burg Rode. Jeder von ihnen hat sich auf seine Weise in die Heimatgeschichte einarbeiten müssen. „Als Bardenberger Kind weiß man nicht so viel über Herzogenrather Geschichte”, räumte Monika Sturm, seit 27 Jahren Grundschullehrerin in Herzogenrath, ein und ließ damit die Mühen erahnen.

Herzogenraths Bürgermeister Gerd Zimmermann war wegen Krankheit verhindert. Sein Kerkrader Kollege Jos Som betonte, dass auch die Kinder von den Unterschieden (und Gemeinsamkeiten) etwas erfahren wollten. Er stellte dies in den größeren Zusammenhang eines - multikulturellen - Europas, in dem verschiedene Nationen zusammen wirkten.

Die Blattsammlung besteht aus zwei Teilen: einen für den Lehrer und einen für die Schüler. Letztere können sich auch malend und zeichnend auf den Blättern austoben. Etwa, indem sie ihre Vorstellungen von den Anfängen des Tagebaus an der Wurm illustrieren. Neben Fotos, Stichen und Zeichnungen lockern auch die unterhaltsamen und kindgerechten Illustrationen von Hélène Stürtz das Lehrwerk auf.

In seinem Vorwort kommt Johannes Becker mit Blick auf den Projektband zu einem ermunternden Schluss: „Ich wünsche ihm einen regen Gebrauch in den Schulen, damit unseren Schülern bewusst wird, dass wir eine gemeinsame Vergangenheit haben, die uns zu einer gemeinsamen Zukunft befähigt.”