Herzogenrath/Kerkrade: Green Solar: Energie soll grenzüberschreitend geteilt werden

Herzogenrath/Kerkrade: Green Solar: Energie soll grenzüberschreitend geteilt werden

Es soll etwa vier Millionen Euro kosten und eine Fläche von 30.000 bis 40.000 Quadratmetern haben: die geplante Photovoltaik-Anlage auf dem Gelände der Nievelsteiner Sandwerke und Sandsteinbrüche GmbH im Herzogenrather Stadtteil Worm Wildnis.

Bereits jetzt versorgen die beiden vorhandenen Photovoltaik-Anlagen rund 4300 Haushalte in Herzogenrath mit Strom. Aber Geschäftsführer Charles Russel will mehr. Zum einen aus ökonomischen, zum anderen aus umweltpolitischen Interessen. Dieses Mal möchte er mit der Gemeinde Kerkrade zusammenarbeiten. Geplant ist, den neu gewonnenen Strom aus regenerativer Energie grenzüberschreitend in einem gemeinsamen Projekt mit der Provinz Limburg zu teilen.

In der Grenzregion Limburg, besonders in Kerkrade, will man laut Russel schon länger die erneuerbaren Energien vorantreiben. In vielen Gesprächen mit politischen Vertretern der Gemeinde Kerkrade wurde bekundet, dass man an einem grenzüberschreitenden Projekt großes Interesse hat.

Das bestätigt auch der Beigeordnete der Gemeinde Kerkrade, Jo Bok, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das Projekt ist eine großartige Idee. Es kann zu dem Ziel beitragen, die Rolle fossiler Brennstoffe deutlich zu verringern“, sagt er. Und ergänzt: „Nachhaltigkeit hört nicht an nationalen Grenzen auf. Wir sind so nah beieinander, dass wir sehen müssen, wie wir uns gegenseitig stärken können.“

Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob der gewonnene Strom überhaupt von Deutschland in die Niederlande exportiert werden kann und darf. Denn generell gelten beim Export von erneuerbaren Energien, auch innerhalb von Europa, bestimmte Richtlinien.

Vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es, dass der Photovoltaik-Strom, der an der Strombörse über den Spotmarkt gehandelt wird, auch in andere Länder verkauft werden kann. Bislang sind allerdings noch nicht die Handelseinheiten harmonisiert, so dass in Deutschland Viertelstunden gehandelt werden und bei einigen Nachbarn noch Stunden. Die EU-Kommission beabsichtigt, den Handel auf Viertelstunden zu vereinheitlichen, um den grenzüberschreitenden Stromhandel zu erleichtern, sagt das Ministerium.

Gerade laufen auf deutscher und niederländischer Seite bereits juristische Prüfungen, sagt Russel.

Auch die EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH, der 45 Prozent des Solartechnik-Anbieters Green Solar gehören, eruiert gerade, in wieweit sich der Export von Strom in die Provinz Limburg überhaupt lohnen würde. Es wäre das erste Mal, dass der Stromanbieter mit Sitz in Stolberg Strom über die Bundesgrenzen hinaus exportiert.

Von Seiten der Agentur für Erneuerbare Energien heißt es auf Anfrage unserer Zeitung, dass es grundsätzlich möglich ist, mit einer Anlage in das Netz eines anderen Landes einzuspeisen. Dann gelten auch die Förderbedingungen des Landes, in dessen Netz eingespeist wird. Dafür notwendig ist aber ein direkter Netzanschluss der Anlage, in diesem Fall zum Beispiel an das niederländische Netz. Allerdings, so heißt es, sei das rechtlich nicht immer eindeutig geregelt und eine Grauzone.

Allerdings gibt es Bestrebungen, für Grenzregionen einen eindeutigen Rechtsrahmen zu schaffen. Im vierten Quartal 2016 gab es zum Beispiel bereits gemeinsame Pilotausschreibungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen in der Grenzregion von Deutschland und Dänemark. Die EU-Komissionen möchte im Rahmen einer Novellierung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EG) hier ebenfalls Möglichkeiten für ein vereinheitlichtes Fördersystem schaffen, teilt die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mit.

„Viele Fragen sind noch offen“, sagt Russel. Er bedauert, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen so kompliziert seien. Gerade in Zeiten, in denen die Politik immer wieder betont, wie wichtig die Energiewende ist, wäre eine einfachere Handhabung wünschenswert.

Die Stadt Herzogenrath jedenfalls begrüßt das Projekt. „Wir sind immer daran interessiert erneuerbare Energien zu produzieren und einzusetzen“, sagt der Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer, Hubert Philippengracht. Und ergänzt: „Wir denken europäisch. Ein euregionales Projekt wäre daher eine gute Sache.“

Das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass der Netzanschluss für in Deutschland geförderte Photovoltaik in Deutschland liegen muss. Grenzüberschreitende Ausschreibungen, bei denen in Deutschland geförderte Anlagen auch im Nachbarland an das Stromnetz angeschlossen werden können, gibt es bislang nur mit Dänemark. Wer Strom in die Niederlande exportieren möchte, muss die Anlagen in Deutschland ans Netz anschließen und dann den Strom über die Börse grenzüberschreitend vermarkten, heißt es vom Ministerium.

Die Warenverkehrsfreiheit des europäischen Binnenmarkts umfasse auch den Strom. Daneben ermöglicht der Vertrag über die Arbeitsweise der EU in Artikel 194 europäische Standardisierungen. Davon hat die EU im Laufe der Jahre vielfach Gebrauch gemacht. Mit Blick auf die Lieferung von Photovoltaik-Strom in die Niederlande sind vor allem die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie, Elektrizitätsbinnenmarktverordnung und Erneuerbare-Energien-Richtlinie von Bedeutung, sagt das Ministerium.

Wenn die Auflagen erst einmal geprüft sind, könnte mit der Umsetzung des Projekts innerhalb kurzer Zeit begonnen werden. „Wir bräuchten dann nur eine Baugenehmigung und der Bebauungsplan müsste angepasst werden“, sagt Russel. In der Vergangenheit sei das aber nie ein Problem gewesen. Die Stadt sei da immer sehr kooperativ.

Der eigentliche Bau der Anlage könnte innerhalb von sechs bis zwölf Monaten über die Bühne gehen.