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Alsdorf: Graziöse Tänze graziler Körper

Alsdorf : Graziöse Tänze graziler Körper

Wenn die Januar-Landschaft in trüb-nasser Dunkelheit versinkt, droht auch der menschlichen Seelen-Landschaft Traurigkeit.

Eine gute Medizin besteht darin, sich mit allen Sinnen ansprechen zu lassen von Gegenwelten der Schönheit. Eine der schönsten ist das Ballett „Schwanensee”.

Es wurde geschaffen von einem russischen Musiker, der sich aus seinen eigenen melancholischen Stimmungen befreite: Peter Tschaikowsky (1840-1893).

Das „Ballet Classique de Paris” mit seiner künstlerischen Leiterin Jeanette Jacquet bot in der Stadthalle gute Gewähr für eine dramatisch stimmige und von frischem Glanz gezeichnete Interpretation der Geschichte vom Mädchen, das vom bösen Zauberer in einen Schwan verwandelt und nach manchen Wirren durch die Liebe des Prinzen Siegfried erlöst wird.

Das Ensemble russischer und französischer Solisten stellte in weiten Teilen jene ideale Mixtur dar, die der Musik Tschaikowskys - der russische Seele und französische Galanterie wie kaum einer genial vereinte - den ihr gemäßen Ausdruck auf der Bühne verlieh.

Die Gäste aus Paris hatten dem vieraktigen Moskauer Original den Vorzug vor der späteren dreiaktigen Fassung von Sankt Petersburg gegeben. Vor den Augen der Besucher entfaltete sich ein weit ausholendes sinfonisches Ballett. Hierbei wurden die - gleichwohl virtuosen - Solo- und Ensembletänze organisch in das von Tschaikowski beabsichtigte dramatische Ganze eingefügt.

Der dritte Akt mit seiner höfischen Hochzeitsgesellschaft schwelgte in farbigen Renaissance-Kostümen und einem wirbelnden Tanz-Reigen vom spanischen Flamenco über neapolitanische Weisen bis hin zur polnischen Mazurka und zum ungarischen Czardas: ein prächtiger und feuriger Streifzug durch die Geschichte des europäischen Tanzes.

Im Schlussakt trauerten - vor der Erlösung - die Schwäne in graziler Schönheit und Bewegung über das zunächst gebrochene Wort des Prinzen Siegfried (Gennadi Bespechny) gegenüber der verwunschenen Prinzessin Odette (Tomoko Yamaguchi).

Ein glänzender Hofnarr (Jean-Michel Allard) und ein düster-majestischer böser Zauberer (Vitalij Volosin) - als schwarzgewandeter Rabe auch ein optischer Kontrast zur weiß-unschuldigen Schwanenwelt - komplettierten das starke Quartett der Haupttänzer.

Alsdorfs graziöse „Schwanensee”-Aufführung ließ manche Träume nach einer eigenen Ballett-Karriere wohl noch größer werden. Unter den Besuchern in der leider nur halbgefüllten Stadthalle fand sich ein beachtlicher Prozentsatz hochgewachsener, gutaussehender Damen, die sich selbst (je nach Alter auch ihre Töchter) wohl gerne als Akteure in den imaginären Welten der Schönheit sehen würden.