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Herzogenrath: Glückliche Mausbesitzer und Fahrrad-Bastler

Herzogenrath : Glückliche Mausbesitzer und Fahrrad-Bastler

Schade, dass die süße graue Plüschmaus nicht sprechen kann. Sicher hätte sie was zu erzählen. Bestimmt von einer abenteuerlichen Reise, die sie - noch originalverpackt - hinter Müllcontainer führte, wo Polizeibeamte sie entdeckten und zum Fundbüro brachten.

War dieses unschuldige Mäuschen etwa heiße Ware? Oder wurde sie bloß einfach vergessen?

Man weiß es nicht, und Jessica-Alina Farin ist es auch ziemlich egal. Die Sechsjährige hat jetzt was Schönes zum Knuddeln und ihr Papa muss dafür nicht mal besonders tief in die Tasche langen. Für 20 Euro geht das Stofftier bei der Versteigerung des Herzogenrather Fundbüros im Verwaltungskeller weg, der Neupreis steht noch drauf: 46,50 Euro.

Bei der Auktion ist mächtig was los. Schon ein halbes Stündchen vor Beginn sind viele da und warten auf die kurzen 15 Minuten, die ihnen vorm ersten Aufruf zum kritischen Begutachten der Fundstücke bleiben. Als Ordnungsamtsmitarbeiter Thomas Tenta die Tür öffnet, muss er gleich zur Seite treten, denn die Menge stürmt nicht eben behutsam rein.

Schnell prüfen hektische Blicke Schmuck, Umhängetaschen und besonders die Handys auf den Tischen. Sind da wohl noch Prepaid-Karten drin? Wer weiß das schon? Die Mitarbeiter des Fundbüros jedenfalls nicht. „Ungeprüft und so wie sie sind kommen die Sachen unter den Hammer”, erklärt Hartmut Fries, der selbigen schwingt. Gekauft wird auf eigenes Risiko.

Besonders beim Betrachten der 16 zum Verkauf stehenden Fahrräder wird das schnell deutlich, die sind oft meilenweit von Verkehrstauglichkeit entfernt. Platte Reifen, fehlende Ketten, verschwundene Lenker, Pedale oder Sättel zeichnen viele der Drahtesel aus. Die sind was für echte Schnäppchenjäger.

Oder für Bastler wie den Alsdorfer Benno Schiefer. Er sichert sich gleich das erste Stück. Einen quietschgelben Fahrradrahmen, an dem außer Schmutz und Rostflecken nichts weiter dran ist. Seine Devise: „Aus drei halben Fahrrädern kann man ein gutes Ganzes machen!” Mit dem Kombi ist er gekommen, „sechs Räder passen da rein”, sagt er. Wofür er die brauche? „Große Familie”, kommt es zurück. Er hat sich ein Limit gesetzt, mehr als fünfzig Euro will er nicht ausgeben.

Das Beste zuletzt

Zu Beginn bleibt er auch wirklich eisern. Nach dem Rahmen schlägt er nur noch einmal für zehn Euro zu. Und dann - bloß noch ein Fahrrad ist zu haben - packt es ihn heftig. Das letzte Stück ist gleichzeitig das Beste, funkelt auf Hochglanz. Das will nicht bloß er allein. Schnell überbieten sich die Interessenten im Ein-Euro-Takt, zum Schluss legt Schiefer 55 Euro auf den Tisch. Insgesamt deutlich überm Limit „aber hoch zufrieden” verlädt er seine zweieinhalb Räder.

Ein Zweirad nimmt auch Anita Praum aus Alsdorf mit. Sie spielt beim Bieten plötzlich eine ungewöhnliche Trumpfkarte aus. Als das Höchstgebot bei vierzig Euro für ein gut erhaltenes Stück steht, ruft sie: „Lassen sie mich es bitte haben, das ist ein Geschenk für ein Kinderheim.”

Und die Mitbieter verstummen sofort. Das schwarz-gelbe Fahrrad wird die Bieterin einem Patenkind im Heim stiften. Es war ein Glückskauf. Sie kommt spät in den Auktionsraum, steht in der letzten Reihe und sieht gar nicht genau, was da vorne eigentlich angeboten wird. „Gott sei Dank ist es noch bestens in Schuss”, freut sie sich nach dem Zuschlag.

Auch Heinz Gartmann guckt nicht hin. Weil er einfach nicht mag. Der fröhliche Rentner ist nur aus einem Grund hier: Um Spaß zu haben. Als zwei Euro für ein Fahrrad aufgerufen werden, hebt er ohne einen Blick die Hand. Und bekommt prompt den Zuschlag! Für ein Klappergestell, das er gar nicht brauchen kann. „Den Gaul stell ich einfach in den Garten”, lacht er, „vielleicht kommt ja nachts jemand vorbei und nimmt ihn mit.”

Etui blieb liegen

Mit fortschreitender Dauer wird der Ton der Bieter immer flapsiger. Eine Frau kauft ein Autoradio, und ihr Nebenmann prustet amüsiert los: „Jetzt brauchst du ja bloß noch ein Auto!” Auch Heinz Gartmann erntet neckische Kommentare, als wieder mal sein Arm nach oben zuckt und er - natürlich einfach so - ein Handy ersteigert: „Dich ruft doch eh kein Mensch an!”

Zum Schluss ist der Keller leergefegt. Nur ein Brillenetui liegt noch auf dem Tisch, das partout niemand haben wollte. Es soll eine neue Chance bekommen - zur nächsten Auktion.