Alsdorf: Gewerbegebiete: Alsdorf schafft Platz für mehr Firmen

Alsdorf : Gewerbegebiete: Alsdorf schafft Platz für mehr Firmen

Gewerbegebiete wachsen nicht über Nacht aus dem Boden. Die dafür in Frage kommenden Flächen müssen beizeiten ausgewählt und mit den übergeordneten Genehmigungsbehörden abgeklärt werden. Das gilt auch für die Stadt Alsdorf. Derzeit läuft der Abstimmungsprozess für das Gewerbeflächenkonzept für den Regionalplan Köln.

„Das wird der Fahrplan der Gewerbeflächenentwicklung in den nächsten 20 Jahren sein“, sagt Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. An der Aufstellung des Gebietsentwicklungsplans sind alle betroffenen Kommunen beteiligt. Ein komplizierter Prozess, der Zeit benötigt. „Eigentlich sollte bis 2020 alles durch sein. Nun könnte es auch 2025 werden“, sagt Sonders.

Natürlich möchte jede Kommune dabei möglichst gut abschneiden, aber Kirchturmdenken bringe nichts. Da müsse man (städte-)regional denken und handeln, betont der Bürgermeister. Zudem müsse genau abgewogen werden, wie mit den knappen Landressourcen umgegangen wird, gerade auch aus ökologischen Gründen. „Wir müssen uns der berechtigten Frage stellen, wo die Versiegelung von Ackerland noch gerechtfertigt ist.“

Auch mehr Grün und Wohnraum

Die Vorschläge der Stadt Alsdorf gegenüber Land und Bezirksregierung stehen. Zum einen geht es um eine Fläche östlich des Kurt-Koblitz-Rings zwischen Schaufenberg und Neuweiler. „In Verlängerung der Max-Planck-Straße endet die Trommsdorffstraße nicht ohne Grund unvermittelt im Feld“, sagt Bürgermeister Sonders.

Derzeit weist das Schild Sackgasse darauf hin. Dieser Stich sei bereits mit Bedacht angelegt worden und könnte in ein paar Jahren der Einstieg in eine Verbindungs-/Erschließungsstraße in das Areal werden. Sonders denkt an drei funktional unterschiedliche Flächen. Vom Kurt-Koblitz-Ring aus gesehen könnte in einem ersten Geländestreifen Wohnraum entstehen. Dahinter sollte eine Grünfläche angelegt werden, um das dann das folgende neue Gewerbegebiet von der Wohnbebauung angemessen weit entfernt ausweisen zu können.

Zweite ins Visier genommen Fläche ist das Gebiet nordöstlich des Businessparks Hoengen, das interkommunal mit der Nachbargemeinde Aldenhoven zu entwickeln wäre. Dies ist unter anderem mit Blick auf den geplanten Ausbau der Euregiobahn via Mariadorf nach Siersdorf interessant. Allerdings würden die Pläne nur zu realisieren sein, wenn die Verkehrskapazität erhöht wird. „Es muss eine Ertüchtigung des Autobahnzubringers L 240 geben“, sagt Sonders. Die Landesstraße stoße schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Möglichkeiten seien hier die Verbesserung der Ampelschaltungen, das Anlegen von Kreisverkehren, aber auch der Ausbau auf mehr Spuren.

Neben der „normalen“ Weiterentwicklung von Gewerbegebieten gilt es aber noch, einen Sondereffekt zu berücksichtigen, wie Sonders betont: den Ausstieg aus der Braunkohleförderung und die damit verbundene erneute Strukturreform. Um entsprechende Ersatzarbeitsplätze zu schaffen, dürfte nicht nur der „normale“ Bedarf an neuen Gewerbeflächen in Rede stehen, sondern praktisch ein Bonus für die Städteregion. „Das fordert natürlich auch Alsdorf ein“, betont der Bürgermeister. „Wir wollen anteilmäßig einen Flächenzuschlag bekommen.“ Nach dem Aus für viele Textilunternehmen und dem Ende des Steinkohlenbergbaus sei die Abkehr von der Braunkohle die dritte nun anstehende Strukturreform in der Region.

Aber nach welchen Kriterien soll der Bedarf einer jeden Kommune an weiteren Gewerbeflächen ermittelt werden? Grundsätzlich geschieht dies gemäß Trend der vergangenen Jahre. Aber wie viele Jahre zurück soll das gelten? Und wie werden die Jahre gewichtet? Welche Methodik soll entscheidend sein? „Bis 2009/10 haben wir in Alsdorf noch recht verhalten Gewerbeflächen vermarktet, aber in den letzten fünf bis sechs Jahren haben wir in Alsdorf viele Flächen verkauft“, sagt Sonders.

Zwischenzeitlich sei Alsdorf bei der Preisgestaltung konkurrenzfähig geworden. „So hat sich unser sehr guter Standort in den vergangenen Jahren immer mehr auszahlen können“, verweist er auf die nahe Autobahn und auch auf den Schienenanschluss via Euregiobahn. Neben Firmen, die ihren Standort ausbauen wollten, seien Neuansiedlungen aus anderen Bereichen gekommen, in denen sie sich mehr hätten weiterentwickeln können.

Die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen in der Städteregion sind sehr unterschiedlich, sagt Alsdorfs Bürgermeister. Während zum Beispiel Aachen und Roetgen praktisch keine eigenen Flächen mehr haben, die zu Gewerbeflächen umgewandelt werden können, habe die Stadt Eschweiler „riesiges Entwicklungspotenzial“ entlang der Bundesautobahn 4. Hier soll auf städterregionaler Ebene ein interkommunaler Gewerbeflächenpool zum Tragen kommen, begrüßt dies Sonders ausdrücklich. Daran seien praktisch alle Kommunen in der Städteregion beteiligt mit Ausnahme von Baesweiler und Alsdorf, die noch auf eigenem Terrain Entwicklungsmöglichkeiten hätten.

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