Würselen: Gesunde Dips statt fette Chips

Würselen: Gesunde Dips statt fette Chips

Dr. med. Helge Wollny ist ein Mann mit Vergangenheit.

Denn der Oberarzt der Klinik für Innere Medizin am Medizinischen Zentrum (MZ), dem früheren Knappschaftskrankenhaus in Bardenberg, war selber einmal ein Kicker von Rang und Namen - bei „Roter Stern Sowieso”, in Aachens Bunter Liga.

Er weiß, wie hoch die Wogen der Fußball-Leidenschaft schlagen können; er weiß, welche magnetische Kräfte ein Fernseher in den Tagen der EM in Portugal entwickeln kann. Damit Langstrecken-Guckern aus ihrer Passion keine gesundheitlichen Probleme erwachsen, geben Wollny sowie seine Kolleginnen, die Physiotherapeutin Katja Fink und die Ernährungsberaterin Karin Streithoff, den Lesern der „Aachener Zeitung” praktische Tipps.

Selbstverständlich sind, was die Wogen der Begeisterung betrifft, die beiden MZ-Betriebsteile auf der Marienhöhe in Würselen und in Bardenberg keine Inseln. Bereits im Vorfeld der ersten Spiele hat ein munteres Dienste-Tauschen begonnen, weiß Pflegedirektorin Jutta Langner.

Und Oberarzt Wollny berichtet von einem Patienten, der sogar die bei ihm anstehenden Operationen nach dem Ablauf der Europameisterschaft geplant hat - wenn´s irgendwie geht.

Für gesichert gelten darf fernerhin: Auch wer an Spieltagen Dienst schiebt, kann und wird vom Fußballfieber angesteckt werden - eine Infektion, gegen die weder Impfseren noch Antibiotika helfen, sondern nur ein Sprint vom OP-Saal oder Patientenbett zum TV-Gerät im Aufenthaltsraum.

Mit viel Gemüse

Aber nicht nur in puncto Fußball, sondern vor allem bei der Gesundheit gehören die zwei Krankenhäusern zu den profiliertesten Kompetenzzentren der Region. Darum halten die Mitarbeiter für die Ausdauernden unter den Fußball-Fernseh-Fans so manchen guten Rat parat - so auch Ernährungsberaterin Karin Streithoff, die auf der Marienhöhe stationiert ist.

Dass, während die Augen fest mit dem Bildschirm verbunden sind, so manche Hand reflexartig in die Tüte mit den Kartoffelchips und nach den Erdnussflips langt, will ihr gar nicht gefallen.

Alternativen hat sie sich freilich auch schon überlegt: Der Greifreflex der mit ihrem Sofa verwachsenen Anbeter des runden Leders könne sich auch mal an Apfel- und Nektarinenspalten oder anderen mundgerecht geschnittenen Stücken heimischen Obstes austoben, rät sie.

Oberarzt Wollny wirft wie der Verteidiger von der Seitenlinie ein, in den Filialen einer bekannten Supermarkt-Kette gebe es fettreduzierte Chips - „und die schmecken auch noch ganz lecker”.

Eine weitere Alternative, so Streithoff und Wollny: „Grillen Sie doch mal zwischen zwei Spielen - am besten wie unsere Mitmenschen aus den Mittelmeer-Ländern: viel Fisch, viel Gemüse.” Rohkost ist auch eine Möglichkeit - zum Beispiel Möhren- oder Gurkenstifte mit einem leckeren Kräuterdip (siehe Rezept).

Dem übermäßigen Alkoholkonsum sagen sie auch den Kampf an. Damit der Verzicht auf Pils, Kölsch, Weizen und Alt („Alkoholfreies Bier ist nur vom Alkohol, nicht aber von den Kalorien her eine Alternative”) auch schmeckt, gibts für die AZ-Leser auch ein Rezept für einen leckeren Drink „ohne”.

Spiele sind Aufreger

Selbst wenn das Lieblingsteam noch so grottenschlecht spielt: In sich zusammenzusinken und von Stund an auf der Couch zu verharren wäre das Falscheste von der Welt. Dass ausgerechnet Katja Fink, Leiterin der Physiotherapie in Bardenberg, das meint, nimmt kaum Wunder - denn Bewegung gehört zur Essenz ihres Berufes.

Während des Wettstreits mit den Füßen öfters mal Kreis- oder Paddel-Bewegungen zu machen: Das ist ihr erster Rat. Der zweite ist derart Fußball-immanent, dass es sportbezogener schon nicht mehr geht: „Laden Sie doch einfach Ihre Freunde ein und machen Sie ab und zu La Ola - das ist auch Gymnastik.”

Oberarzt Wollny schwant derweil Übles - und das nicht nur, weil Rudi Völlers Jungs kurz vor der EM bei den Vorbereitungsspielen gegen Ungarn und Rumänien ihm und anderen Fußballfans durch Kicks der übelsten Sorte das Herz in die Hose sacken ließen.

Spiele sind Aufreger, weiß der Mediziner - und die bringen ihm und seinen Kollegen den einen oder anderen Infarkt mehr auf die Station. Den Bewegungsmangel während der Fernseh-Mammutübertragungen bekommt er direkt zu spüren, denn „in solchen Wochen nehmen die Thrombose-Fälle merklich zu”.

Kreislaufkollapse häufen sich auch. „Dabei lassen die sich relativ einfach vermeiden: Alkohol- und Nikotinkonsum vermeiden, die Räume gut lüften und in der Pause mal einen Spaziergang machen.”

Alkoholfreier Cocktail: Man nehme je fünf Zentiliter Maracuja- und Ananassaft, vier Zentiliter Orangensaft sowie je einen Zentiliter Zitronensaft und Grenadine. Alles mit Eiswürfeln shaken (schütteln) und kalt servieren.

Kräuterdip: Man nehme 250 Gramm Quark, einen Becher Schmand, einen Esslöffel, 50 Milliliter Mineralwasser (macht den Dip schön cremig), frische Kräuter (zum Beispiel Schnittlauch, Dill oder Petersilie), Knoblauch, kleine Zwiebelwürfel, Salz und Pfeffer. Alles gut verrühren oder verquirlen und gekühlt servieren.

Mehr von Aachener Zeitung