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Würselen: Geschichtswerkstatt hat viele Projekte in Angriff genommen

Würselen : Geschichtswerkstatt hat viele Projekte in Angriff genommen

Der Würselener Geschichtsverein ist erst ein knappes halbes Jahr alt und hat bereits ein erstaunlich breit gefächertes Angebot erarbeitet. Das wurde bei der gut besuchten Mitgliederversammlung im Kulturzentrum Altes Rathaus vorgestellt.

Vorsitzender Achim Großmann hieß eine große Anzahl der mittlerweile 51 Mitglieder willkommen, das Engagement der Mitglieder sei enorm, unterstrich er: „Wir sind gut gestartet und freuen uns jetzt auf die Arbeit.“

Mit kurzen Vorträgen führten Akteure beispielhaft in die Arbeitskreise und Projektgruppen ein, die ab sofort angeboten werden. So erzählte Volker Dederichs aus der Zeit der Kriegshandlungen 1944 in Würselen. Zeitzeugen hatten über diese Geschehnisse berichtet, der Arbeitskreis Augenzeugen will weitere Menschen in Würselen zu persönlichen Erlebnissen befragen.

Iris Gedig stellte die Genealogie-Internetseite www.familienbuch-euregio.de vor, die sie mit anderen zusammen aufgebaut hat. Dort finden sich inzwischen über 500.000 Daten zu Personen aus Würselen und dem näheren und weiteren Umfeld, eine perfekte Grundlage für die ergänzende Arbeit. Auch der Arbeitskreis Familienforschung mit Iris Gedig und Martina Offermanns lädt Interessierte ein mitzumachen.

Die Geschichtswerkstatt Würselen strebt ein monatliches Treffen in Würselen an, wo Ratschläge und Tipps zur Familienforschung weitergegeben werden und man sich austauschen kann. Dazu meldeten sich spontan weitere Mitglieder an.

Ein sehr aktuelles Projekt stellte Silke Tamm-Kanj vor. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen leitet die Projektgruppe Frauenwahlrecht. Vor 100 Jahren, im November 1918, wurde es in Deutschland eingeführt, erstmals durften Frauen wählen und sich für ein Mandat zur Wahl stellen.

Wer waren die ersten Frauen in den Räten von Bardenberg, Broichweiden und Würselen? Was weiß man über deren Leben und deren Engagement? Gibt es Fotos und/oder Informationen zu diesem Thema? Die kleine Gruppe, die mit diesem Projekt gestartet war, konnte bereits einige Namen nennen, es wurde aber auch klar, dass noch umfangreiche Recherchen nötig sind, um das Ziel zu erreichen, das Tamm-Kanj vorgab: eine Ausstellung zum Thema im November im Kulturzentrum Altes Rathaus.

Andere Themen wurden an diesem Abend nur angerissen, etwa die Aufarbeitung der Industriegeschichte Würselens und der Aufbau einer eigenen Internetseite. Außerdem werde die Geschichtswerkstatt von Zeit zu Zeit Veranstaltungen zur Heimatgeschichte sowie Besuche anderer Geschichtsvereine in Archiven und historischen Museen anbieten und in Würselen auch eigene Ausstellungen vorbereiten.

„Klare Benachteiligung“

Sehr unzufrieden äußerten sich die Mitglieder darüber, dass das Kulturarchiv der Stadt nach wie vor völlig unzureichend untergebracht sei und dass es deutlich zu wenig Räume für Arbeitsgruppen und Gesprächskreise gebe.

Für die gesamte Versammlung war es völlig unerklärlich, dass die Vorschläge zu einer Verbesserung der Situation, die von der Kulturstiftung erarbeitet worden waren, vom Rat ohne ein Gespräch und ohne eigene alternative Vorschläge verworfen worden seien. Dies sei eine „klare Benachteiligung der wichtigen heimatgeschichtlichen Arbeit, wie es sie in keiner anderen Stadt der Städteregion gibt“.

Der Vorstand wurde gebeten, die Fraktionsvorsitzenden zu einer Klärung dieses Problems einzuladen, wenn möglich zusammen mit den anderen Vereinen, die ihre Arbeit durch die immer schlechter werdenden räumlichen Bedingungen gefährdet sehen.

(ro)