Geschichtsmarkt in der Abtei Rolduc

Geschichtsmarkt : Eine Rundreise durch die Historie der Grenzregion

Jeweils mehr als 1000 Besucher hatten die ersten beiden Ausgaben des „Euregionalen Geschichtsmarktes“ in den Jahren 2015 und 2017 angezogen – eine dritte Veranstaltung musste nun selbstverständlich folgen.

Der Geschichtsverein Baesweiler und die „Stichting Eurode 2000+“ konnten abermals die altehrwürdige Abtei Rolduc als Kooperationspartner und Austragungsort gewinnen – die Ausstelleranfragen (bis Ende März mehr als 30) sprengten schon im Vorfeld alle Erwartungen.

Interessante Projekte und Forschungsergebnisse mit lokalem und regionalem Bezug sollten in diesem Zusammenhang einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellungen und Publikationen wurden mit kurzweiligen Vorträgen zu den verschiedensten Forschungsthemen kombiniert.

Günter Pesler (Geschichtsverein Baesweiler) und Catharina Scholtens (Stichting Eurode 2000+ sowie Geschichtsverein Baesweiler) zeigten sich erleichtert und merklich entspannt, als die Tore am Sonntagmorgen geöffnet wurden. Zwar öffnete der Geschichtsmarkt „nur“ an einem Sonntag, allerdings waren die Vorbereitungen und die Koordinationsarbeiten enorm.

Die Bürgermeister von Roda, Christoph von den Driesch, und Kerkrade, Jos Som, statteten dem Termin in Rolduc zur Eröffnung ebenfalls einen Besuch ab. Begleitet wurden sie darüber hinaus vom Übach-Palenberger Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und dem stellvertretenden Baesweiler Bürgermeister Bruno Mohr. Die Politiker lobten den unermüdlichen Einsatz für die historische Forschung in der gesamten Region. Eine solche Veranstaltung zeige auf, dass Geschichtsforschung alles andere als graue Theorie sei und großen Spaß machen könne.

Ein erstes Highlight fand sich bereits unter freiem Himmel. Christian Stein hat die Arbeit eines Medailleurs erlernt und führte den staunenden Gästen die Kunst des Münzprägens vor. Stein fertigt seine Prägestempel nach historischem Vorbild selber an. Für den Besuch in Rolduc hatte er sich für eine Münzform aus der frühen römischen Kaiserzeit entschieden. Das Motiv entspricht einem Denar aus der Zeit des Kaisers Augustus, etwa in den Jahren 25 bis 22 v. Chr. Die Originale wurden einst in einer Prägestätte im spanischen Cordoba gefertigt.

Renommierte Autoren wie Karen Jeneson, der Aachener Stadtarchäologe Andreas Schaub sowie Geschichtslehrer Martin van der Weerden standen den Interessierten mit ihrem unfangreichen Wissen mit Rat und Tat zur Seite. Römische Essgewohnheiten und die unweigerlich folgende Nutzung sanitärer Anlagen in der Antike waren das Thema des Publizisten Michael Kuhn (Ammianus-Verlag). Der Vortrag regt natürlich zum Schmunzeln an, zeigte jedoch auch in beeindruckender Weise auf, wie sich der Alltag einer antiken Gesellschaft aufbaute.

Das historisch-kulturelle Erbe der Grenzregion wurde in fesselnder Art und Weise in den großen Rolduc-Sälen präsentiert – 36 Organisationen und Vereine hatten sich schlussendlich eingefunden. Von den ersten römischen Siedlern bis hin zur Ära des Bergbaus, die die Region bis heute zuweilen noch prägt, wurde die gesamte Palette der historischen Forschung präsentiert. Die magische Marke der 1000 Besucher konnte auch in diesem Jahr wieder problemlos geknackt werden. Bis 2021 werden die Verantwortlichen sicher die nächste Ausgabe auf die Beine stellen, verriet Scholtens.

(yl)
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