Würselen: Geschichtskreis St. Sebastian beschäftigt sich mit den Niederlanden

Würselen : Geschichtskreis St. Sebastian beschäftigt sich mit den Niederlanden

Im Rahmen der Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ des Geschichtskreises St. Sebastian fand jetzt die letzte Veranstaltung zu den Niederlanden statt. Als fünftes Land wird ab Januar 2018 Spanien unter verschiedenen Aspekten vorgestellt werden.

Zu Gast war Martin van der Weerden, Geschichtslehrer am Bernardinuscollege Heerlen. Er hatte sein Referat zur wechselvollen Geschichte des westlichen Nachbarn unter die provokante Überschrift „Weshalb die meisten Holländer keine Holländer sind“ gestellt.

Bedeutsamer Geburtstag

Sein Interesse an der Geschichte wurde beim Referenten schon in jungen Jahren geweckt, als er erfuhr, welche Bedeutung sein Geburtstag, der 28. Juni, in der Geschichte hat. Fand doch am 28. Juni 1489 die Schlacht auf dem Amselfeld im Kosovo ein Ende. Und exakt 525 Jahre später begann durch die Ermordung des österreichischen Kronprinzen Ferdinand in Sarajevo der Erste Weltkrieg. An einem 28. Juni wurden aber auch Peter Paul Rubens, Heinrich VII. und Jean-Jacques Rousseau geboren. Martin van der Weerden ist Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters. Der Großvater, ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten, ist im KZ Buchenwald umgekommen.

In einem spannenden Vortrag zeigte der Referent zunächst die gemeinsame Geschichte der beiden Länder im Römischen Reich auf. Friesen, Sachsen und Franken teilten sich das tiefer gelegene Land als Teil Germaniens. Am Rande bemerkte er, dass Karl der Große wohl wegen seines Geburtsorts ein Limburger war. Die Landgewinnung durch Trockenlegung war keineswegs eine Eroberung, sondern der bitteren Armut geschuldet. Die Niederlande war ein Gebiet, das man heute mit Benelux bezeichnet, und Holland war nur ein Teilstaat. Durch geschickte Heiratspolitik wurde das Land durch Burgund und Habsburg beeinflusst. Wirtschaft und Kultur erlebten im goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts eine Blütezeit. Der Zugang zum offenen Wasser stellte schon immer eine Herausforderung dar und ließ die Niederlande zur größten Handelsflotte in Europa aufsteigen.

Wilhelm von Oranien aus deutschen Landen (Dillenburg) gab dem Land eine eigene Identität im Befreiungskampf gegen die Spanier. Das Verhältnis zu ihm wurde geprägt durch die Reformationsbestrebungen des Calvinismus. Die Unterdrückung der Reformer durch die katholischen Spanier setzten die Calvinisten gegen die Katholiken fort, die nur in versteckten Kirchen als Minderheit ihren Glauben leben durften. Martin van der Weeren zog mit seinen lebendigen Schilderungen die aufmerksamen Zuhörer in seinen Bann. Dem dunkelsten Kapitel des Landes und den Beziehungen zu Deutschland mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs stellte er zum Abschluss das Versöhnliche gegenüber. Waren doch die Partner niederländischer Königinnen aus Deutschland.

Die zahlreichen Besucher der Veranstaltung spendeten einen langen Applaus für einen Vortrag in freier Rede, der mit prägnanten Bildern illustriert wurde.

(ehg)